Eine schön-schaurige Überfahrt nach Gibraltar

Wir haben das Mittelmeer durchsegelt und liegen jetzt in der Bucht von Gibraltar im Hafen. Die Reise durch das Mittelmeer hat uns alles geboten: Flaute auf der ersten Überfahrt von Port St. Louis nach Mallorca, Starkwind auf dem Weg nach Cartagena und jetzt eine seglerisch wunderbare Tour nach Gibraltar. Über weite Strecken hatten wir 15 Knoten Schiebewind und eine lange Welle, perfekte Segelbedingungen für unsere aracanga. Nur hin und wieder hat der Wind für wenige Stunden ausgesetzt oder etwas zugelegt wie um das Cabo de Gata, was dort aber auch selten anders zu erwarten ist. Das Cabo de Gata ist das Kap, das den Beginn des Alboranmeeres, den westlichsten Teil des Mittelmeeres, markiert. Mit im Schnitt 4 Knoten Geschwindigkeit, was nicht superschnell aber für 30 Fuß Länge durchaus in Ordnung ist, haben wir auf direktem Kurs auf die Säulen des Herkules zugehalten. 50 Seemeilen vor dem Ziel hat uns der Wind dann endgültig im Stich gelassen. Aber zum Glück haben wir – im Gegensatz zur letzten Reise – einen funktionierenden Motor und haben die letzten Meilen dann unter Maschine zurückgelegt. Bei einem Dieselverbrauch von knapp über einem halben Liter pro Stunde und der Aussicht auf Steuerfreien Diesel in Gibraltar ist das durchaus verschmerzbar.

Über fast die komplette Strecke auf der Reise nach Gibraltar wurden wir von Delfinen begleitet, abwechselnd von „Gemeinen“ Delfinen oder von Blau-Weißen-Delfinen, die beide durch ihre auffällige Färbung leicht zu identifizieren sind. Gerade nachts waren die Delfine besonders häufig direkt am Bug unserer aracanga und haben lange, glitzernde Spuren von Meeresleuchten hinter sich her gezogen. Auch eine Schule Grindwale hat ganz in der Nähe der aracanga gemächlich ihre Bahn durchs Mittelmeer gezogen, dazu Thunfische, Sardinenschwärme, Makrelen, immer häufiger fliegende Fische und leider auch eine erschreckende Menge an Plastikmüll…

Im Alboran hat uns ein anderes Thema sehr beschäftigt: Ca. einmal die Stunde kam ein Pan-Pan-Ruf (ein Notruf eine Kategorie unter einem Mayday) der spanischen Küstenwache über das Funkgerät mit der Aufforderung, besonders wachsam zu sein, nach Flüchtlingsbooten Ausschau zu halten und diese zu melden. Wir haben kein Boot gesichtet, aber eine leere, auf dem Meer treibende Schwimmweste hat uns das Elend sehr deutlich vor Augen geführt. Hilfe zu leisten ist das oberste Gebot guter Seemannschaft. Aber wieso wird man im einen Fall bei unterlassener Hilfeleistung verurteilt und im anderen Fall bei Hilfeleistung unter Umständen als Schlepper verurteilt? Ehrlichgesagt, wir verstehen den Unterschied von Mensch in Not und Mensch in Not nicht. Während wir über Obergrenzen und Quoten diskutieren wird leider oft übersehen, dass hier draußen jeden Tag Menschen sterben.

Gegen ein Uhr in der Früh haben wir den Felsen von Gibraltar zum ersten Mal gesehen und dann Wache gewechselt, Riki durfte in die Koje und ich war dran. In dieser Nacht haben wir kürzere Wachen als üblich gemacht, da wir voraussichtlich mitten in der Nacht ankommen und dann beide wach sein würden. Kurze Zeit nach dem Wachwechsel wurden wir dann von einer Nebelbank verschluckt und konnten nur noch mit Mühe die 7 Meter vom Niedergang bis zum Bug sehen. Die dutzenden treibenden und in Fahrt befindlichen Frachter haben die Situation nicht gerade entspannt und nur auf unserem AIS (Automatic Identification System) konnten wir die anderen Schiffe sehen. Allerdings nur, insofern sie ein AIS-Signal senden… Wir können die Signale nur empfangen, haben in dieser Nacht aber beschlossen, in den sauren Apfel zu beißen und das Geld für ein aktives AIS zu investieren, da es doch einen gigantischen Mehrwert an Sicherheit bedeutet. Nach zwei Stunden angespanntem im Nebel dümpeln ist die Sicht wieder klarer geworden und wir haben die Chance ergriffen, in die Bucht zu motoren. Um vier Uhr in der Früh wurden wir auf der britischen Seite von Gibraltar unfreundlich weitergeschickt, als wir gerade an einem offensichtlich freien Liegeplatz in der Marina anlegen wollten. Das „Der Hafen ist voll“ klang eher nach „Euer Boot ist zu klein“, denn freie Liegeplätze gab es durchaus. Also die gerade gesetzte britische Gastlandflagge wieder runter und die Spanische wieder rauf. Jetzt liegen wir eine Meile weiter auf der spanischen Seite von Gibraltar in La Linea im Hafen. Ein paar Tage möchten wir die Gegend um Gibraltar erkunden und, wie immer, ein paar Arbeiten und Reparaturen an Bord erledigen, dann geht das Abenteuer Atlantik los.

Herzliche Grüße von Bord der aracanga senden Riki und Martin

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Ein Kommentar

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