Von Mallorca nach Cartagena – Waschmaschine im Schleudergang

Unsere kleine aracanga liegt ruhig und sicher im „Yacht Port Cartagena“. Kein Schaukeln, viel Wind aber keine Schräglage, das Hafenleben ist ein angenehmer Kontrast zu der windigen und nassen Fahrt hier her. Die Grib Files, spezielle Windvorhersagen für die Schifffahrt, haben uns fast perfekte Bedingungen für die Überfahrt vorhergesagt – 10 bis 15 Knoten Wind aus östlichen Richtungen, dazu ca. 0,5 Meter Welle. Die Richtung hat gestimmt, bei Windgeschwindigkeit und Welle lag die Vorhersage allerdings etwas daneben. 20 – 30 Knoten Wind und bis zu 2,5 Meter Welle haben uns auf dem Mittelmeer erwartet. Dazu viele Gewitter mit beeindruckenden Blitzen, gefolgt von minutenlangem Donnern. Es war noch lange kein Sturm, aber durchaus kräftiger Wind und Bedingungen, bei denen man lieber im Hafen bleibt. Trotzdem – unsere aracanga hat sich wacker geschlagen und ist die 250 Seemeilen in knapp über zwei Tagen nach Cartagena gesurft. Surfen beschreibt die Fahrt besser als Segeln, von hinten sind die Wellenberge angekommen und im surf ging es dann bergab. Immer wieder ist die Logge auf über 9 Knoten Geschwindigkeit geklettert, in der Spitze auf 9,8.

Dabei ging es los mit Flaute. Ein paar Stunden nach dem Ablegen standen wir in der Flaute mit schlagenden Segeln, bis sich so langsam der Ostwind aufgebaut hat. Zuerst haben wir Großsegel und Genau gesetzt – 50 Quadratmeter Segelfläche und perfekte Bedingungen. Die 32 Quadratmeter der Genua haben wir schon sehr bald gegen die nur halb so große Fock ausgetauscht und das Groß zunächst ins erste und dann kurz drauf ins zweite Reff verkleinert. Am Schluss stand nur noch die Fock und mit einer Geschwindigkeit von im Schnitt 5 Knoten und Spitzen knapp unter zweistellig ging es in Richtung Cartagena. Es war definitiv die richtige Entscheidung, das Rigg vor der Abreise so zu verändern, dass wir die Wahl zwischen großer Rollgenua, der reffbren Arbeitsfock oder der Sturmfock haben, das gibt uns viel Spielraum. Und: Die neuen Segel von Rolly Tasker stehen wie eine Eins und an dieser Stelle noch einmal ein fettes Dankeschön dafür! Richtig begeistert sind wir auch von unserer Aries Windfahnensteuerung, die das Boot unbeirrt auf dem richtigen Kurs gehalten hat, ohne dass wir einmal die Pinne anfassen mussten. Nur hin und wieder haben wir nach einem Winddreher den Kurs um ein paar Grad angepasst, ansonsten hat die Aries das Steuern übernommen. Währenddessen hat sich unsere aracanga mit Wind von hinten weit von einer Seite auf die Andere gelegt, unter Deck hat alles gescheppert und geklappert und hin und wieder ist ein Buch oder ein Apfel durch die Kabine geflogen.

Mit zwei Tagen und Nächten war das keine lange Überfahrt, aber wir waren k.o. und froh, als wir in Cartagena festgemaht hatten. Cartagena ist eine tolle, geschichtsträchtige Stadt. Sie wurde vom karthagischen Feldherren Hasdrubal, dem Vater des in Rom gefürchteten Hannibals, gegründet. Cartagena beheimatet seit Jahrtausenden Handels- und Kriegsschiffe aller seefahrenden Mittelmeervölker und ist bis heute ein wichtiger Seehafen. Im Hafen von Cartagena haben wir Wolfgang getroffen, der mit seiner Oceanis 42CC ein paar Meter weiter liegt. Wolfgang hat uns vor nicht allzu langer Zeit um etwas Beratung beim Bootskauf gefragt, wir haben uns angefreundet und jetzt liegen wir im gleichen Hafen. Kleine Welt. Wolfgang möchte kommendes Jahr im Mittelmeer segeln und dann weiter über den Atlantik und ist außerdem auf der Suche nach Mitseglern. Interesse?

Leider gibt es entlang der spanischen Mittelmeerküste kaum Ankerbuchten, so dass wir auf Häfen angewiesen sind. Hier in Cartagena werden wir bleiben, bis sich der Wind etwas beruhigt hat, das Hafenleben genießen und wie immer den ein- oder anderen Punkt von unserer To-Do- und Reparaturliste abarbeiten. Heute war ich im Mast, um das Rigg zu checken und unseren Radarreflektor besser zu befestigen. In ein paar Tagen geht es weiter in Richtung Gibraltar, eventuell mit einem oder zwei Stopps auf dem Weg dorthin.

Fazit: Es gibt definitiv schönere Segeltage als die Tour hier her. Aber die Überfahrt hat das Vertrauen in unser kleines Boot nochmal gefestigt und wäre auch mit einem etwas größeren Boot nicht viel angenehmer gewesen.

Ach ja, einen Schreckensmoment gab es noch, und zwar am Vorabend der Abfahrt: Auf einmal hat es einen heftigen Schlg an unserer Steuerbordseite gegeben. Wir waren beide unter Deck und sind nach oben gehechtet, um zu sehen was passiert ist. Und direkt neben uns steht ein Hochhaus und schabt an unserem Rumpf entlang. Die fette Motoryacht, die am Morgen für unser Gefühl viel zu eng zwischen uns und den anderen Booten geankert hat, hat uns beim Anker bergen übersehen und voll seitlich gerammt. Wir sind zwar klein, aber doch nicht so klein! Und dazu feuerrot. Glücklicherweise ist nicht viel passiert, lediglich unsere Ankerrolle ist etwas verbogen. Aber als der Profiskipper sich nicht einmal entschuldigt, sondern erkundigt hat, ob wir einen Kratzer in der Motoryacht hinterlassen haben, waren wir doch etwas baff… Nur der älteren Dame mit dem feinen Kristallglas, der gerade das Abendessen im Heck des Schiffes serviert wurde, war das Ganze furchtbar peinlich und sie konnte gar nicht aufhören, sich in feinstem British English bei uns zu entschuldigen.

Uns geht es gut und wir genießen das Bootsleben in vollen Zügen.

Viele liebe Grüße von Bord senden Riki und Martin.


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5 Kommentare

  1. Hlawitschka Thomas

    Ihr seits einfach die Besten! Ferrari Rot …genau richtig!! 💪🏻💪🏻👌🏻
    Eure Hati Hati ✌🏻🤟🏻

  2. Wo liegt dieses Cartagena in genau in Spanien…..ich kenne nur das Cartagena in der Karibik.!!??

    • Hi Volker, Cartagena liegt zwischen Alicante und Malaga an der spanischen Mittelmeerküste. Sehr schöne Stadt…
      Liebe Grüße, Riki & Martin

  3. Liebe Grüße auch aus Kalamata aus dem Faulpelz-urlaub ohne Segeln und ohne Tauchen… aber mit Oliven 😁

  4. Vielen Dank für den Hinweis…..
    Da ich das war ihr gerade macht noch vor mir habe
    Ist jeder Tip und Hinweis hilfreich.

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