Marokko – Kanaren: ganz wenig und ganz viel Wind

Genau eine Woche haben wir für die 500 Seemeilen von Marokko auf die Kanaren gebraucht. Nicht gerade ein Geschwindigkeitsrekord, aber einen großen Teil der Zeit haben wir damit verbracht, uns bei sehr wenig Wind mit Schneckentempo nach Süden zu bewegen. Den restlichen, kleineren Teil der Zeit hat der Wind ordentlich aufgefrischt und mit 30 Knoten – in Böen bis zu 40 Knoten – für ruppige Segelbedingungen gesorgt. Andere Boote haben dieselbe Strecke in nur drei Nächten zurückgelegt, allerdings in erster Linie unter Maschine. Wir haben die Maschine nur zum Ablegen und zum Ankern bemüht, ansonsten sind wir ausschließlich gesegelt.

Los ging es letzten Samstag in Rabat bei wenig Wind. Das Ausklarieren hat einige Zeit in Anspruch genommen, denn außer uns wollten noch vier andere Boote los und es sind mehrere Boote angekommen. Nachdem der Hafen wegen der hohen Welle mehrere Tage gesperrt war, wollte jeder das gute Wetter nutzen um weiter zu segeln. Zoll und Grenzpolizei waren mit dem ungewohnt hohen Arbeitspensum sichtlich gefordert (um nicht überfordert zu schreiben). Um 11 Uhr wollten wir ablegen und pünktlich mit der Flut aus dem Fluss Bou Regreg aufs raus aufs Meer segeln. Das Boot war bereit, die letzten marokkanischen Dirham in Schokoriegel für die Nachtwachen investiert und die Crew voller Vorfreude, endlich wieder Segel zu setzen. Bei unseren Freunden André und Karin, die mit ihrem kleinen Boot „Streuner“  genau wie wir auf dem Weg in Richtung Kanarische Inseln waren, sah es ähnlich aus. Nur am Zollsteg ging nichts voran. Schließlich war es 14 Uhr, bis endlich unsere Pässe gestempelt und jedes Dokument mit drei Durchschlägen, Stempeln und Unterschriften versehen war. Ordnung muss sein…

Vor uns das Lotsenboot und hinter uns der „Streuner“ ging es dann die eine Seemeile den Fluss hinunter und zwischen den Molenköpfen hindurch auf den Atlantik. In der Flussmündung stand noch immer eine beachtliche Welle von knapp zwei Metern, die sich allerdings nicht mehr gebrochen hat und somit noch beeindruckend, aber nicht mehr gefährlich für uns war. Vom „Streuner“ haben wir teilweise nur noch die obere Hälfte vom Mast gesehen, der Rest des Bootes schien wie von den Wellenbergen verschluckt. Nach ca. einer halben Stunde unter Maschine, um der Brandung und den Fischerbooten am Ufer zu entgehen, haben wir dann Segel gesetzt und zunächst Kurs nach Südwest abgesetzt. Bis zum Abend wollten wir etwas Abstand zum Ufer gewinnen, da die meisten Fischerboote innerhalb der 100 Meter Tiefenlinie unterwegs sind. Trotzdem hat sich die erste Nacht als Zick-Zack-Fahrt zwischen Fischerbooten entpuppt, außerhalb der 100 Meter Tiefe findet man zwar kaum mehr kleine Fischerboote, dafür sind dort die deutlich größeren Trawler unterwegs, die uns so einige Nerven gekostet haben. Die Nachtwachen an Bord haben wir so aufgeteilt, dass jeder sieben Stunden wach ist und sieben Stunden schlafen kann. Die erste Wache geht von 19 bis 02 Uhr und die zweite Wache von 02 bis 09 Uhr morgens.

Abgesehen von zwei Tagen und Nächten hatten wir absolut ruhiges Wetter und waren sehr langsam, meist mit Geschwindigkeiten zwischen einem und drei Knoten unterwegs. Entlang der Küste Afrikas ist viel Schiffsverkehr und jeden Tag und jede Nacht haben wir andere Schiffe gesehen, meist große Frachter auf dem Weg vom Kap der Guten Hoffnung nach Europa oder andersrum. Delfine haben wir auf dieser Überfahrt kaum gesehen, dafür hatten wir zwei Begegnungen mit Walen. Eine Schule von ca. zehn Zwergwalen, die so groß wie unser Boot werden können, haben wir ziemlich nah gesehen. Die Tiere sind ca. eine Minute parallel zur aracanga an der Wasseroberfläche geschwommen, bevor sie wieder abgetaucht sind. Zwergwale sind die kleinsten und am weitesten verbeitesten Furchenwale und ernähren sich ausschließlich von Plankton. Die andere Schule Wale haben wir bzw. hat Riki nur gehört. Trotz der hellen Vollmondnächte waren die Tiere nicht zu sehen. Vor der Abfahrt haben wir uns drei Bestimmungsbücher gekauft, für Wale und Delfine, für Seevögel und für Fische und Haie. Die drei Bücher haben sich schon jetzt als absolut Gold wert erwiesen.

Frisch gefangener Bonito – lecker!

Wind und Wetter kann man entweder in Beaufort und Wellenhöhe messen, oder aber in kulinarischen Abstufungen: Es gibt Gourmetwetter, Warme-Küche-Wetter, Konservenwetter und Kalte-Küche-Wetter. Wir hatten fünf Tage Gourmet- und Warme-Küche-Wetter, einen Tag Konservenwetter und einen Tag Kalte-Küche-Wetter. Gourmetwettertage sind die Tage, an denen es zum frisch gekochten Essen noch einen Salat oder eine Nachspeise oder frisch gefangenen Fisch gibt.  An Warme-Küche-Wetter-Tagen kann man noch gut kochen, es werden allerdings keine Experimente mehr gemacht. An solchen Tagen stehen Spaghetti mit Tomatensauce, Couscous mit Gemüse oder Kartoffeln auf dem Speiseplan. Konservenwetter ist selbsterklärend, es gibt entweder die aufgewärmten Reste vom Vortag oder eben Fertiggerichte (mit etwas Glück gibt es noch selbst Eingekochtes, ansonsten Dosenfutter). An Kalte-Küche-Tagen werden die eisernen Reserven an Knäckebrot, Zwieback und Pumpernickel angegriffen. Letzteres hatten wir auf dieser Überfahrt für ca. 24 Stunden. In der ersten Nachthälfte war noch angenehmes Segelwetter, gegen drei Uhr morgens hat dann der Wind von 10 auf 30 Knoten zugenommen und das natürlich auf die Nase. Also war Segel reffen angesagt, die große Genua wurde gegen die kleine Fock ausgetauscht und das Großsegel ins zweite Reff gebunden. Als der Wind am Morgen noch einmal auf ca. 35 Knoten zugelegt hat und in Böen bis zu 40 Knoten drin waren, haben wir dann auch die Fock weggenommen und sind nur unter doppelt gerefftem Großsegel weiter hart am Wind nach Süd-West gesegelt. Viele Wellen haben das Deck überspült und blöderweise hat das Salzwasser den Weg durch die Dichtung des Vorluks unter Deck und direkt auf die Matratze gefunden. Zwar waren es immer nur einzelne Spritzer Wasser, aber Salzwasser unter Deck ist immer blöd, da es kaum trocknet. Ein paar Handtücher, die wir auf der Matratze ausgelegt haben, haben das meiste Wasser aufgefangen, also halb so schlimm. Während der Überfahrten schlafen wir sowieso in der Hundekoje, das ist die einzelne Koje im Heck direkt unterm Cockpit, da es dort deutlich ruhiger ist als im Bug. Wieder ein Punkt für die to-do-Liste auf den Kanarischen Inseln: Luk abdichten.

Graciosa und Lanzarote im Morgengrauen

Genau eine Woche nach unserem Start in Rabat sind im gestrigen Morgengrauen die Inseln Alegranza, Graciosa und Lanzarote vor uns aufgetaucht und ein paar Stunden später ist der Anker in einer wunderschönen Bucht in der schmalen Straße zwischen Graciosa und Lanzarote gefallen. Nur ca. eine Seemeile hinter uns liegt Lanzarote mit seinen steilen, schroffen, schwarzen Vulkanhügeln. Wir ankern vor Graciosa. Unser Cruising Guide „Atlantic Islands“ sagt über die Insel: „When you arrive at Graciosa, you can take off your shoes and forget the world“. Vor uns liegt ein wunderschöner Sandstrand und ein roter Vulkan, auf der Insel gibt es keine befestigten Straßen und nur eine kleine Ortschaft. Gestern sind wir einfach nur angekommen, haben klar Schiff gemacht und das Leben vor Anker genossen. Am Abend, kurz nach Einbruch der Dunkelheit, ist dann auch der „Streuner“ angekommen und liegt jetzt wenige Meter neben uns vor Anker. In der Nacht hat sich ein starker Wind aus Norden aufgebaut, der jetzt mit bis zu 25 Knoten weht und noch etwas zunehmen soll aber der Anker hält bombig. Für heute ist Blog schreiben (fast fertig ;-)) und danach Insel erkunden angesagt.

Unser Ankerplatz vor Graciosa

Viele Grüße von den Kanarischen Inseln und von Bord der aracanga senden Riki und Martin

 

 

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2 Kommentare

  1. Dieses mal kein Bild an den Hafenmauern von Madeira. VLG von den Buschis

    • Nein, diesmal haben wir uns für die Route entlang der afrikanischen Küste entschieden. Obwohl sich so ein Papagei neben der Ivalu-Weltkugel schon gut gemacht hätte 🙂

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