Santo Antao – Inselparadies in Grün

Der Blick von oben ins Paul-Tal

Nach einem knappen halben Jahr an Bord war es mal an der Zeit, einen kleinen „Urlaub“ einzulegen und das schaukelige Bootsleben gegen zwei Tage Landleben einzutauschen. Zusammen mit André und Karin und zwei großen Rucksäcken sind wir vorgestern in aller Früh zur Fähre nach Santo Antao aufgebrochen. Unsere beiden Boote „aracanga“ und „Streuner“ haben wir hier in Mindelo zurückgelassen. Die Ankerbucht ist einigermaßen sicher, aber hin und wieder kommt es doch vor, dass auf einem Boot eingebrochen wird, deshalb haben wir unser altes, gelbes Dinghi am Heck hängen und ein Licht brennen lassen, so dass es aussieht als wäre jemand an Bord. (Nicht falsch verstehen, es ist hier nicht unsicherer als anderswo auf dieser Welt)

Santo Antao ist die Nordwestlichste der Kapverdischen Inseln und nach Santiago die Zweitgrößte. Die Insel hatte einmal einen Flughafen, aber da die dem Wind voll ausgesetzte Startbahn mit nur 400 Metern etwas kurz ist, Unfälle passiert sind und es kein Flugzeug auf den Kapverden mehr gibt, das dort landen könnte, wurde der Flughafen 2003 geschlossen.

Auf dem Weg ins Tal

Auch gibt es keine sicheren Ankerbuchten auf Santo Antao, daher ist ein Besuch mit der Fähre die bessere Wahl. Eine Fähre legt morgens um sieben ab, die zweite um acht Uhr und die Überfahrt dauert eine Stunde. Wir haben uns für die frühe Fähre entschieden, um etwas mehr Zeit für die Wanderung durch das Paultal zu haben. Da ein Aluger (Aluger = Sammeltaxi oder Minibus) auf den Kapverden allerdings nicht losfährt, bevor es nicht voll belegt ist, mussten wir in Porto Novo doch noch auf die Acht-Uhr-Fähre warten, bevor es auf der alten Kopfsteinpflasterstraße eine gute halbe Stunde durch karge Gebirgslandschaften bergauf nach Cova de Paul, dem Vulkankrater und Ausgangspunkt der Wanderung ging. Zunächst wandern wir entlang des großen Vulkankraters, bevor wir links abbiegen und sich vor uns plötzlich das eindrucksvolle und über und über satt-grüne Paultal öffnet. In unzähligen Serpentinen schlängelt sich der Wanderweg nach unten in Richtung Atlantik, gesäumt von Plantagen und Feldern, die entlang des steilen Weges terassenförmig angelegt sind und auch den kleinsten Winkel fruchtbaren Boden ausnutzen.

… und der Blick von unten nach oben

Es werden Zuckerrohr, Papaya, Mango, Brotfrucht, Mais, Yams, Agave, Bananen, Kohl, Karotten, Äpfel und noch unzählige weitere Pflanzen angebaut und selbst kaum zugängliche Flächen werden für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt. Die einheimischen Bauern, die sich jeden Tag das Tal hoch und wieder hinunter quälen, um die teils nur wenige Quadratmeter kleinen Felder zu bewirtschaften, halten uns wahrscheinlich für bekloppt, dass wir uns diese Strapazen in unserer Freizeit freiwillig antun… Aber auch hier auf Santo Antao sind wir immer wieder begeistert von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Kapverder. Auf Halbem Weg ins Tal gibt es eine kleine „Raststation“ wo wir Grogue (der einheimische Rum), Kaffee von Santo Antao und Strela (das Bier der Kapverden) angeboten bekommen und dann frisch gestärkt den restlichen Teil der sechsstündigen Tour in Angriff nehmen. Die zweite Hälfte der Wanderung geht dann entlang der alten Kopfsteinpflasterstraße durch zwei malerische Ortschaften bis in den Ort Paul an der Küste, wo wir uns eine Unterkunft suchen und die brennenden Schenkel auskurieren. Für alle potentiellen Kapverdensegler und -reisenden: Der Besuch von Santo Antao ist ein Muss und die Wanderung das Paultal hinab wirklich atemberaubend schön!

Der Fischmarkt von Ponta do Sol

Tag Zwei auf der Insel: Nach einem ausgiebigen Frühstück mit allem, was das Herz und der Bauch begehren, fahren wir auf der Pritsche eines Pick-Ups entlang der Küste in den Ort Ponta do Sol, einer malerischen Ortschaft an der Nordseite von Santo Antao. Von dort aus führt eine ebenso schöne, aber diesmal nicht ganz so lange Wanderung entlang der Küste nach oben in den kleinen Ort Fontainhas, der wie in einem Gemälde auf den schroffen Klippen hoch oben über der Küste thront. Die Häuser sind teilweise nur mit schmalen Treppen verbunden und irgendwie fühlt man sich wie in einem kleinen Bergdorf irgendwo in Tibet – nur eben mit tropischem Klima. Im Ort angekommen – wie könnte es anders sein – bekommen wir einen Grogue angeboten, bevor wir den Rückweg nach Ponta do Sol antreten. Von dort aus geht es mit dem Aluger nach Porto Novo und mit der Fähre zurück nach Mindelo, wo unsere beiden kleinen Boote schon sehnsüchtig auf uns warten. Zurück an Bord heißt es dann nur noch Füße hochlegen – nach so langer Zeit an Bord merkt man doch, dass die Wadeln etwas mehr Training vertragen könnten.

Schön war´s, unser Kurzurlaub auf Santo Antao, und schön ist´s wieder zu Hause auf der aracanga zu sein. Bis Anfang Januar werden wir noch hier in Mindelo bleiben und dann, ein gutes Wetterfenster vorausgesetzt, bald in Richtung Senegal und Gambia ablegen.

Liebe Grüße von Bord der aracanga und einen guten Rutsch allerseits wünschen Riki und Martin

P.S.: Weihnachten ist zwar vorbei, aber ein paar aracanga-Fotokalender für 2019 gibt es trotzdem noch, also zugreifen solange noch Vorrat da ist 😉

 


Freiheit auf Zeit – Weltumsegler erzählen (Kristina Müller)

Jede Weltumsegelung ist eine Liebesgeschichte. Erzählt von Männern und Meeren, von Frauen und Freiheit. Und von der Verwirklichung lang gehegter Träume.
Vor diesen Geschichten sei gewarnt. Sie können akutes Fernweh auslösen und Reisefieber verursachen, bis hin zu dem drängenden Verlangen, jetzt, gleich und hier alles stehen und liegen zu lassen, auf ein Boot zu steigen und davon zu segeln…

Zwölf Weltumsegelungen – zwölf ganz unterschiedliche Geschichten – unter Anderem die Geschichte unserer Weltumsegelung mit der Ivalu von 2010 bis 2013 


 

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2 Kommentare

  1. Achoi!
    Wir kennen die Insel und freuen uns, dass andere sie auch so sehen!
    Zu viele bleiben einfach in Mindelo ‚hängen‘ und gehen dann schnell in die Karibik, dabei lassen sie ein solches Juwel, das die Karibik ihnen (nicht mehr) bieten kann, links liegen.

    Schöner Bericht – vielen Dank!

    Joanna und Marcel von der SY Chulugi

  2. Toller Bericht von eurem Ausflug nach Santo Antao. Wir sind gerade noch auf Teneriffa, aber schon bald unterwegs via El Hierro nach den Kapverden. Dann nehmen wir euren Bericht wieder hervor und freuen uns auf die wunderbare Wanderung.
    LG Köbi und Pia (SY Lupina)

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