Algarve: Sonnenschein und gute Aussichten

Die Ivalu vor Anker

Lagos

Vier Tage liegen wir in der Marina in Lagos in der Algarve. Viel zu lange, wenn man bedenkt, was für tolle Ankerplätze im Umkreis von nur wenigen Seemeilen zu finden sind, aber gerade lange genug um den vorhergesagten kräftigen Wind kurz nach unserer Ankunft durchziehen zu lassen. Wir stocken unsere Vorräte etwas auf, bunkern Wasser und treffen Paul, der genau wie wir vom Ammersee kommt und gemeinsam mit seinem Kumpel Leon in der Werft in Lagos sein Boot herrichtet. Er hat eine Ausbildung zum Bootsbauer gemacht und erfüllt sich jetzt seinen Segeltraum mit seiner kleinen „Wasa“, die etwa so groß wie unsere „aracanga“ ist. Genau wie wir schreibt er einen Blog, wem also unser ahoi.blog nicht ausreicht, der findet hier mit Sicherheit ebenso spannende Geschichten: www.sv-wasa.de

Apropos „aracanga“: Unser kleines rotes Boot liegt nach wie vor im Gambia River und unser Kumpel Gee kümmert sich gut um sie. Und mit den im Titel erwähnten guten Aussichten sind nicht nur die Bikinischönheiten am Strand gemeint, sondern die Tatsache, dass Gambia vorgestern seine Grenzen wieder geöffnet hat und wir somit die Aussicht haben, in absehbarer Zeit unser Boot wieder zu sehen. Etwas Wehmut mischt sich schon auch dazu, denn gleichzeitig heißt das auch, in absehbarer Zeit die „Ivalu“ zu verlassen. Ab Gambia werden wir dann mit zwei Booten weiter segeln: Peter und ein Freund auf der „Ivalu“ und Riki, Kira und ich auf der „aracanga“. Wohin? Das entscheiden wir, wenn es soweit ist. Nach wie vor gibt es aufgrund von Covid wenig Planungsgrundlage und es macht kaum Sinn, mehr als wenige Wochen im Voraus zu planen. Das nur so als Einschub. Zurück nach Lagos.

Mit Paul und Leon kommen wir auf das Thema Beiboot zu sprechen. Die beiden zeigen uns ein Bild von ihrem gelben Dinghi, und leider müssen wir ihnen mitteilen, dass wir am Anfang unserer Reise mit der „aracanga“ das gleiche Schlauchboot hatten und leider nicht zufrieden damit waren. Darüber hinaus haben sie noch ein Dinghi, das allerdings von den Packmaßen zu groß ist für sie. „Warum tauschen wir dann nicht einfach?“ Das Dinghi der „Ivalu“ ist super, allerdings manchmal etwas knapp für uns vier und Stauraum ist nicht das große Problem. So sind wir alle glücklich: Paul will sein gelbes Dinghi, das für das Meer ungeeignet, aber für Binnen gut ist, verkaufen. Wir haben nun ein etwas größeres Beiboot und die „Wasa“ ein Beiboot mit kleinem Packmaß.

Höhlen und Grotten

Grotten in der Algarve

Die Marina in Lagos liegt sehr geschützt vor Wind und Welle in einem Fluss. An die Mündung des Flusses schließt sich eine imposante Steilküste aus weichem Sandstein an, die über die Jahrtausende von der stetigen Brandung geformt worden ist: spektakuläre Grotten, Höhlen und Tunnel wechseln sich mit kleinen, idyllischen Sandstränden ab und formen das Bild der Algarve. Vor der Küste stehen Pfeiler wie Stalagmiten im Meer. Das Wasser ist flach und bietet bei ruhigem Wetter tolle Ankermöglichkeiten. Mit Hilfe der Seekarte und des Tidenkalenders suchen wir uns einen schönen Ankerplatz zwischen Felsen und Strand, der bei Ebbe noch etwas mehr als zwei Meter Wassertiefe hat. Zack, der Anker sitzt und zwei Stunden später bei Niedrigwasser zeigt das Echolot 2,5 Meter an. Die nächsten Tage verbringen wir am Strand, auf Erkundungstour mit unserem „neuen“ Dinghi und beim Paddeln mit dem SUP. Kira hat ihren Spaß und sieht regelmäßig aus wie ein paniertes Schnitzel mit breitem Grinsen, nur bei dem Versuch, sich mit der sandigen Hand den Sand aus den Augen zu wischen und der folgenden Waschaktion gibt es dann Geschrei. Auch wir genießen Strand und Sonne. Bei Niedrigwasser kommen zahlreiche Höhlen und Grotten zum Vorschein, die wir allesamt mit dem Beiboot erkunden. Wir sind jedoch nicht allein, die Fahrer der zu Ausflugsbooten umgebauten Fischerboote kennen jeden Felsen und jede Untiefe und rauschen nur so durch die Grotten, so dass wir uns ein paarmal vorkommen wie die Ente auf der Autobahn. Trotzdem, es ist spannend und spektakulär und ein unbeschreiblich schöner Ausflug. Die dritte Nacht vor Anker ist dann nicht mehr ganz so ruhig und ein leichter Schwell aus Ost lässt die „Ivalu“ weit auf beide Seiten schaukeln. Keiner von uns bekommt viel Schlaf ab in dieser Nacht und am nächsten Morgen beschließen wir, bei auflaufendem Wasser in die nur wenige Meilen entfernte Lagune von Alvor zu fahren.

Alvor

Die Lagune von Alvor
Einfahrt und Ankerplatz in Alvor

Die Einfahrt in die Lagune ist flach und voller Sandbänke. Es kommt ein bisschen „Gambia-River-Feeling“ auf, als wir uns langsam hereintasten. An Steuerbord liegt ein Segelboot auf der Sandbank. Zuerst denken wir, dass er absichtlich dort liegt, um Arbeiten am Unterwasserschiff zu erledigen, sehen dann aber, dass der Anker oben ist, was eher auf ein unbeabsichtigtes Auflaufen hinweist und uns noch langsamer und vorsichtiger werden lässt. Wir sehen zwei Fahrwassertonnen: Eine augenscheinlich rote Tonne mit grünem Toppzeichen, die wir wie eine rote Tonne behandeln und an Backbord liegen lassen, und eine verrostete Tonne ohne Toppzeichen, die laut Seekarte grün ist aber wegen des Rostes rot aussieht. Wir entscheiden uns, sie an Steuerbord liegen zu lassen, da auf der anderen Seite der Tonne eine Sandbank durch das flache Wasser hindurchschimmert. Dreißig Zentimeter ist das wenigste, das wir unter dem Kiel haben, als wir unseren Kurs jedoch etwas nach Steuerbord korrigieren sind es schnell wieder ein knapper Meter. Und da wir bei auflaufendem Wasser unterwegs sind, würde uns die Flut von einer etwaigen Sandbank wieder freispülen. Soweit kommt es zum Glück aber nicht und kurze Zeit später fällt der Anker auf etwas unter drei Meter Wassertiefe zwischen einigen anderen Segelbooten.

Ankerplatz in der Algarve
Alvor vom Ankerplatz aus gesehen

Alvor ist eine kleine Ortschaft zwischen den Städten Lagos und Portimao. Es liegt malerisch an einer Lagune, die rundum vor den Wellen des Atlantiks Schutz bietet. Ursprünglich waren es nur Fischerboote, die hier ein- und ausfahren, seit jedoch Wellenbrecher an der Einfahrt gebaut wurden, ist die Lagune auch für Segelboote befahrbar. Links und rechts von uns liegen etwa zwanzig andere Boote, und hier kommt zum zweiten Mal etwas „Gambia-Feeling“ auf. Genau wie vor der „Lamin Lodge“, wo die „aracanga“ liegt, sind auch hier die verschiedensten Zustände des Verfalls zu beobachten: Von schicken, hochglanzpolierten Katamaranen bis hin zu längst verlassenen, auf der Sandbank liegenden Booten oder solchen, von denen nur noch die Mastspitze bei Ebbe herausragt, ist alles zu finden. Der Unterschied zu Gambia ist, dass hier die gepflegten Boote noch deutlich in der Überzahl sind. Ein Segler erzählt uns, dass er vor ein paar Tagen hier ankam und vor dreizehn Jahren schon einmal hier war. Damals waren sie mit Freunden unterwegs, die mit ihrem Boot ebenfalls hier geankert haben und um die Welt segeln wollten. Das Boot liegt immer noch hier vor Anker und dem Zustand nach zu urteilen wird es wohl nie um die Welt segeln. Tja, die Algarve wird nicht umsonst bezeichnet als der Ort, der die Fahrtensegler frisst. Hier enden viele Langfahrten, bevor sie überhaupt so richtig beginnen und wir können das sogar nachvollziehen, denn es ist wunderschön und fast das ganze Jahr über angenehm warm. Wir haben jedoch trotzdem nicht vor, hängen zu bleiben, unser nächstes Ziel sind die Inseln Madeira und Porto Santo. In den nächsten Tagen jedoch bildet sich ein dickes Tief im nord-östlichen Atlantik, das für mächtig Wind und Welle bis hier in der Algarve sorgen wird. So lange bleiben wir noch hier. Wenn sich das Wetter dann wieder beruhigt hat möchten wir aufbrechen und die etwa 450 Meilen nach Süd-West in Angriff nehmen.

Herzliche Grüße aus der Algarve sendet Kira und ihre Crew

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

2 Kommentare

  1. Eleonore Grebner

    Wunderschöne Bilder
    Alles Gute Euch. Erinnert mich an meine eigene Weltumsegelung auf einem 9 1/2 Meter Schiffchen. Waren auch in Lagos. Dazu gibt es übrigens ein Buch. ‚Wenn Fische fliegen lernen‘. Ahoi Lore

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