Auf die Kanaren gepustet

Wieder einmal: Wetterlotto

Wir warten auf ein gutes Wetter um weiter zu segeln

Nein, wir legen nicht wie angekündigt am Tag nach dem letzten Blogeintrag ab. Und nein, wir segeln auch nicht nach Madeira. Stattdessen verbringen wir noch ein paar Tage in der Algarve im Süden Portugals, checken regelmäßig die Wetterberichte und kommen immer wieder zu dem Schluss, dass die Wetterfenster für die Tour nach Madeira zwar irgendwie machbar, aber alles andere als ideal sind. Flauten und starke Winde wechseln sich ab und der gute Wind, den wir für drei bis vier Tage benötigen würden, verabschiedet sich meist nach ein bis zwei Tagen wieder.

Also heißt es für uns vorerst, noch etwas Zeit in der Algarve zu verbringen, die uns mittlerweile schon sehr ans Herz gewachsen ist. Anstatt wie geplant gemeinsam mit Thomas auf der “Irmi” abzulegen, bleiben wir drei weitere Tage in Lagos. Hier haben wir bei unserem ersten Besuch Paul kennengelernt und gehen ihn auf der Werft besuchen, wo er seine “Wasa” renoviert und dabei große Fortschritte macht. Paul wohnt bei Christian und Gabriela und alle haben wir gemeinsam, dass wir aus der Ammersee-Gegend kommen. Und das ist mehr als Grund genug, die drei zum Abendessen zu uns an Bord einzuladen. Peter zaubert eines seiner auf der “Ivalu” mittlerweile legendären Chicken Curry und gemeinsam mit den Dreien verbringen wir einen wunderschönen Abend und zwei weitere tolle Tage.

Ans Kap und nach Albufeira

Steilküste am Kap
Riki und Kira an der Steilküste am Kap Sao Vicente

Am nächsten Morgen holen Paul und Gabriela uns ab, um uns mit ihrem VW Bus (mit Landsberger Kennzeichen :-)) die Gegend um das Kap Sao Vicente zu zeigen. Kira ist ganz fasziniert davon, endlich einmal in einem echten Auto zu sitzen, denen sie normalerweise nur aus ihrem Buggy zuwinkt. Sie genießt die neue Erfahrung in vollen Zügen. Ihr Highlight des Tages ist, mit den Fingern auf der durch den Regen beschlagenen Scheibe zu patschen, während unsere Highlights zweifellos die imposante Steilküste mit ihren versteckten Stränden sowie die leckeren Spaghetti Aglio e Olio am Abend sind. Für den Tag darauf verabreden wir uns, gemeinsam nach Albufeira etwa zwanzig Meilen im Osten zu segeln. Ihr Lieben, vielen Dank für Eure Gastfreundschaft, es waren richtig schöne Tage mit Euch und wir freuen uns auf ein Wiedersehen irgendwann.

Für uns geht es von Albufeira zurück nach Westen und nach zwei Tagen in Portimao ist noch immer kein passendes Wetterfenster für Madeira in Sicht. Gemeinsam mit Thomas besprechen wir die Windvorhersagen beim morgendlichen Kaffee und kommen zu dem Schluss, dass es im Moment keinen Sinn macht, nach Westen zu segeln. Viel besser sehen da schon die Bedingungen entlang der afrikanischen Küste aus, sprich nach Süden in Richtung Kanaren. Also streichen wir nach zwei vergeblichen Wochen des Wetterbeobachtens schweren Herzens Madeira und seine Nachbarinsel Porto Santo aus dem Programm und nutzen das passende Wetter in Richtung Kanarische Inseln.

Kurs Kanaren

Auf dem Weg nach La Graciosa
Auf geht’s nach Süden

Am Freitagvormittag legen wir von Portimao ab und setzen noch in der Flussmündung die Segel. Bis nach La Graciosa im Nordosten der Kanaren sind es 530 Seemeilen über den Atlantik, knapp 1.000 Kilometer. Für uns bedeutet das vier bis fünf Tage auf See und wir freuen uns auf unsere erste “richtige” Überfahrt dieser Reise. Entgegen der Vorhersage, die für den ersten Tag nur sehr wenig Wind prognostiziert, haben wir perfekte Segelbedingungen mit anfangs 10 und dann durchgehend zwischen 15 und 20, in Böen bis 25 Knoten Wind.

Endlich wieder unterwegs. Noch ist die portugiesische Küste in Sicht, als es „Ivalu, Ivalu for Pura Vida“, aus dem Funkgerät klingt. Ein entgegenkommendes Segelboot winkt zu uns herüber und funkt uns an. Sie erzählen, dass sie gerade von den Azoren kommen, unseren Blog lesen und wünschen uns eine gute Reise nach Gambia. Liebe Pura-Vida-Crew, falls ihr das lest, wir haben uns sehr über Euren Funkspruch gefreut.

Drei generationen Finkis
Wer steuert hier eigentlich? Kira, Peter oder die Windfahne?

Wir segeln mit dem Großsegel auf Backbord und der großen Genua auf Steuerbord ausgebaumt direkt vor dem Wind und machen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa sechs Knoten, was ein gutes Vorankommen und ein Tagesetmal von 144 Seemeilen bedeutet. Eine unregelmäßige Dünung schaukelt uns etwas durch, alles in allem genießen wir jedoch beste Segelbedingungen und super Wetter. Meile für Meile kommen wir den Kanaren näher. Tagsüber ist es schön warm und mit jeder Meile nach Süden werden auch die Nächte angenehmer, die zwar noch im Zeichen von langer Unterwäsche und Ölzeug stehen, jedoch von einem hellen Vollmond erleuchtet werden. In der ersten Nacht geht genau zeitgleich der Vollmond im Osten auf und die Sonne im Westen unter. Wir wissen gar nicht, wohin wir staunen sollen, nach backbord in Richtung des glutroten Mondaufganges oder nach steuerbord, wo ein nicht minder spektakulärer Sonnenuntergang Himmel und Wolken einfärbt. Es wird langsam dunkel und wie bei jeder Überfahrt sind die ersten ein bis zwei Nächte die anstrengendsten. Es ist schwer, etwas Schlaf zu finden während sich alles bewegt und schaukelt und es braucht für gewöhnlich zwei Tage Zeit, in den Rhythmus von schlafen und wachen zu kommen.

Kira am Steuer
Captain Kira on the helm

Vor der Abfahrt machen wir uns Gedanken, wie es wohl für Kira sein wird, wenn alles nur schaukelt während sie gerade lernt, zu stehen und sich voran zu hangeln. Zu unserem Erstaunen ist es gar kein Problem für sie, sie steht im Cockpit an ihrer „Ballettstange“, lacht und freut sich und winkt den vorbeirollenden Wellen zu. Alles in allem ist es eine sehr entspannte Überfahrt mit der Kleinen, die natürlich viel Zeit und Aufmerksamkeit benötigt, jedoch trotz Geschaukel, Wind und Welle gut drauf ist und ihre Krabbel-, Steh- und Laufübungen absolviert. Der einzige Unterschied vom Leben am Anker zum Leben auf einer Überfahrt ist, dass sie unterwegs nachts etwas unruhiger schläft und dann tagsüber zwei Mittagsschläfe anstatt einem benötigt.  

Nach zwei Tagen nimmt der Wind etwas zu und wir reffen das Großsegel und die Genua. Trotz der kleineren Segelfläche büßen wir kaum Geschwindigkeit ein, das Boot wird jedoch ruhiger und legt sich nicht mehr ganz so weit auf die Seiten über. Es ist ein herrliches Segeln, die “Ivalu” bahnt sich ihren Weg in Richtung Kanaren durch die stete Dünung wie auf Schienen und die Windfahne steuert das Boot zuverlässig, so dass wir so gut wie nie das Steuer anfassen müssen. Liebe Automobilbranche, so funktioniert autonomes Fahren, und das ohne auch nur ein Watt an Strom dafür zu verbrauchen. Für Fragen stehen wir Euch gerne zur Verfügung.

Auf dem Weg nach La Graciosa

Während der viertägigen Überfahrt sind wir ganz für uns allein und leben in unserer eigenen, kleinen Welt. Genau das macht auch den Reiz einer Überfahrt aus, die Außenwelt ist wie ausgeschaltet und das Leben einfach und elementar: Wind und Wetter, Sonne und Mond bestimmen den Rhythmus und alles andere interessiert uns nicht. Wir sehen kaum andere Schiffe, von denen eines uns jedoch einen kleinen Schrecken einjagt. Wir sehen es auf unserem AIS, keine zwei Meilen entfernt und auf Kollisionskurs. Aber wir sehen keine Lichter. Erst nach einigen Minuten erkennen wir durch unser Fernglas ein sehr blasses Licht. Als wir den Frachter am Funk rufen, entschuldigt er sich überschwänglich, schaltet die Beleuchtung ein und zieht eine knappe Meile von uns entfernt vorbei.

Martin und Kira auf La Graciosa
Angekommen und Sand zwischen den Zehen. So schön!

Apropos Funkgerät: Mit Thomas machen wir aus, uns alle sechs Stunden kurz zu funken, solange wir nicht zu weit auseinander sind. Das funktioniert drei Tage lang gut, dann beginnt unsere Funke wieder einmal zu spinnen und gibt letztendlich den Geist auf. Wir haben noch eine alte Sprechmuschel vom Vorgängergerät an Bord, welche eigentlich für die “aracanga” gedacht ist. Also schrauben wir das Gerät auf, probieren sämtliche Kombinationen aus Funkgerät – Kabel – Sprechmuschel, da wir dort irgendwo einen Wackelkontakt vermuten. Der ganze Aufwand ist jedoch nur von mäßigem Erfolg gekrönt und kann bestenfalls als lebensverlängernde Maßnahme oder Wachkoma bezeichnet werden. Die Sprechmuschel passt zwar, hat jedoch weniger Knöpfe und verursacht dadurch dann andere Probleme. Tja, diesmal werden wir wohl nicht drum herumkommen, uns in Las Palmas ein neues Funkgerät zuzulegen…

Vor Anker bei La Graciosa, Kanaren

Nach vier Tagen fällt der Anker auf drei Meter Wassertiefe vor der Insel La Graciosa auf den Kanaren. Genau vor zwei Jahren sind wir mit der “aracanga” genau in dieser Bucht gelegen. Jetzt sind wir ihr 530 Seemeilen näher. Es war eine wunderschöne Überfahrt und wir freuen uns, an Land zu paddeln und den Sandstrand unter den Füßen zu spüren.

Es grüßen ganz herzlich von den Kanarischen Inseln die vier Finkis auf der “Ivalu”

Black Friday Rabatte bei Bluefin!

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

2 Kommentare

  1. Schön, dass die kleine Kira so seefest ist 🙂Gute Reise weiterhin. An Madeira sind wir übrigens während unserer Erdumrundung gescheitert und hätten fast aufgegeben. Fast! Liebe Grüße Lore

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.