Entlang der marokkanischen Atlantikküste

Dieser Eintrag über die marokkanische Atlantikküste hat leider etwas auf sich warten lassen, eigentlich wollte ich schon vor ein paar Tagen ein kleines Update von Bord schreiben. Aber die letzten zwei Tage habe ich mir eine ordentliche Lebensmittelvergiftung mit Gelenkschmerzen, geschwollenen, vernebelten Augen, und allem was sonst noch so dazu gehört eingefangen. Jetzt geht es wieder steil bergauf und ich fühle mich im Stande, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben.

Rabat, die Hauptstadt, ist unser zweiter Stopp in Marokko. Gut geschützt liegen wir in der kleinen Marina im Fluss Bou Regreg. Genau genommen gehört der Hafen gar nicht zu Rabat, sondern zu Sale, der Nachbarstadt Rabats auf der Nordseite des Flusses. Rabat und Sale bilden eine Millionenmetropole, wobei Sale die Rolle der Wohnstadt der Fabrikarbeiter im Schatten der Hauptstadt einnimmt. Die Medinas der beiden Städte liegen nur wenige hundert Meter entfernt voneinander am Süd- und Nordufer des Bou Regreg. Der Fluss mit seinem natürlichen, geschützten Hafen, hat den beiden Städten seit jeher eine wichtige geschichtliche Bedeutung verliehen, geschützte Naturhäfen sind rar gesät an der nordwestafrikanischen Küste.

Die letzten zwei Wochen waren wir zu dritt an Bord, denn meine Mama hat zwei Wochen Urlaub und ist seit Gibraltar zu Besuch an Bord. Die Überfahrt von Tanger hierher hat knapp zwei Tage gedauert. Los ging es mit sehr viel Wind (ca. 30 Knoten) für die ersten Stunden. Sobald wir dann um die nordwestlichste Spitze Afrikas gesegelt und den Kurs von West auf Süd geändert haben, ist es etwas ruhiger geworden und schönstes Segelwetter war angesagt, ca. 15 Knoten Wind von achtern und kaum noch Welle.

 Am zweiten Abend, ca. 50 Meilen vor dem Ziel, hat der Wind dann so stark nachgelassen, dass wir mehr gedümpelt als gesegelt sind, was aber kein Problem war da wir sowieso erst am kommenden Mittag zum Hochwasser durch den Fluss in den Hafen einlaufen wollten, so wie es empfohlen wird. Die Nacht war dann spannend, ab der 100 Meter Tiefenlinie herrscht vor der Küste ein reges Treiben an kleinen Fischerbooten, die, wenn überhaupt, nur sehr spärlich beleuchtet sind. Dazu Fischernetze, die mal besser, mal schlechter gekennzeichnet sind. Wir sind gut durch das Labyrinth an Booten und Netzten durch gekommen und hatten auch Glück mit dem Wetter, denn die Einfahrt in den Hafen ist nur bei einigermaßen ruhigem Wetter machbar. Einmal im Hafen drin liegt man dafür absolut sicher und rundum geschützt. Die Schlüsselstelle ist die Hafeneinfahrt bzw. die Einfahrt in den Fluss, ab zwei Meter Welle wird der Hafen geschlossen und kein Boot mehr rein oder raus gelassen. Am frühen Morgen waren wir wenige Meilen nördlich von Rabat und haben über Funk die Marina angerufen, um für Mittag den Lotsen zu bestellen, der uns durch die Untiefen im Fluss leitet. Die Einfahrt in den Fluss ist wunderschön. Hinter dem Lotsenboot her geht es zwischen den beiden Altsädten von Sale und Rabat hindurch, an besagten, in der Helligkeit allerdings freundlich-farbenfrohen Fischer- und Ruderbooten vorbei und an den Zoll- und Polizeisteg zum Einklarieren. Das Einklarieren geht hier in der Regel schnell und unkompliziert, es kann allerdings schon einige Stunden dauern bis man seine Pässe und Unterlagen dann wieder zurück bekommt und endlich etwas an Land unternehmen kann. Unsere Drohne, die bisher noch gar nicht zum Einsatz gekommen ist, wird hier im Marokko äußerst ungern gesehen und gleich mit großem Tamtam vom Zoll bis zu unserer Abreise beschlagnahmt, das war auch schon in Tanger so. Wenigstens haben sie darauf verzichtet, den Drogenhund, einen Schäferhund von stattlicher Größe, unseren steilen Niedergang runter und durch unser kleines Boot zu jagen.

Mittlerweile liegen wir seit sechs Tagen hier im Hafen und hatten, abgesehen von gestern und vorgestern, volles Programm. Wir haben die Medinas (Altstädte) und Souks (Märkte) von Sale und Rabat angeschaut, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Rabat als Hauptstadt ist sauber und raus geputzt, auf Tourismus ausgelegt und gilt als „einfache“ Stadt für den Marokkotouristen. Die Altstadt von Rabat ist verhältnismäßig klein, aber schön und mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. Sale hingegen ist ärmlich, eng, dreckig und faszinierend. Touristen verlaufen sich hier kaum hin, hier liegen das Fleisch und der Fisch ungekühlt auf groben Holzplanken zum Verkauf und eine Tajine, das Marokkanische Nationalgericht, kostet an der Straßenecke umgerechnet 2,50 Euro. Sale ist eine Stadt, in der man ein schlechtes Gewissen hat, seine teure Kamera auszupacken und zu fotografieren, während man in Rabat gar nicht darüber nachdenkt ob es unangebracht sei.

Als nächstes ging es nach Fes ins Landesinnere. Fes ist neben Rabat, Marrakech und Meknes einer der vier Königsstädte Marokkos und man sagt, die Schönste von diesen. Die Medina von Fes ist mit 2,8 Quadratkilometern die größte von Nordafrika, es leben über 400.000 Menschen hier. Für jemanden, der nicht hier aufgewachsen ist, macht die Medina von Fes erst einmal den Eindruck eines schier unüberschaubaren Labyrinths. Die Gassen sind so eng, dass sich als Transportmittel nur Maultiere eignen und wäre da nicht die Liebe der Araber zum Mofa und Smartphone, könnte man sich leicht ins Mittelalter zurückversetzt fühlen. Berge von frischem Obst und Gemüse, Säcke voller orientalischer Gewürze, das jahrhundertealte Gerberviertel und die vielen, kleinen Nähereien machen Fes zu einem unvergesslichen Erlebnis. An allen Ecken und Enden wird gefeilscht und gehandelt, was hier in Marokko zur Kultur gehört. Was sich für uns schnell wie ein heftiger Streit anhört ist meist nur ein lebhaftes Verkaufsgespräch. Diese Feilscherei ist allerdings auch anstrengend, denn die Händler haben es besonders auf europäische Touristen abgesehen und, einmal in deren Fängen, ist es schwer sich wieder daraus zu befreien wenn man wie wir nichts kaufen sondern nur kucken möchte. „Du bist mein erster Kunde heute“, oder zu späterer Stunde der letzte Kunde des Tages, Maschen gibt es viele für angebliche „Sonderpreise“. Trotzdem, Fes ist ein ganz spezielles Erlebnis. Allerdings vergisst man schnell, dass die Medina auch der Ort der armen Leute ist, derer die sich keine Bleibe in den schicken neuen Wohnvierteln leisen können, dass hier Kinderarbeit an der Tagesordnung ist und viele Menschen nicht lesen und schreiben können.

Mit einem kurzen Zwischenstopp in Volubilis, eines alten, römischen Handelszentrums in Nordafrika, ging es dann wieder zurück nach Rabat auf die aracanga. Tags drauf war dann Abschied nehmen angesagt, denn der Urlaub von meiner Mama war leider schon wieder zu Ende und mit dem Flieger ging es zurück nach Deutschland.

Jetzt checken wir mal wieder das Wetter um ein gutes Fenster für die Weiterfahrt nach Süden abzupassen. Allerdings werden wir noch ein paar Tage abwarten, bis sich der Hurricane Leslie, der zurzeit sein Unwesen auf dem Atlantik treibt und in Richtung nördliche kanarische Inseln zieht, etwas abschwächt. So lange werden wir noch hier in Rabat bleiben, ruhig machen und restlich auskurieren.

Viele liebe Grüße von Bord senden Riki und Martin

 

 


Freiheit auf Zeit – Weltumsegler erzählen (Kristina Müller)

Jede Weltumsegelung ist eine Liebesgeschichte. Erzählt von Männern und Meeren, von Frauen und Freiheit. Und von der Verwirklichung lang gehegter Träume.
Vor diesen Geschichten sei gewarnt. Sie können akutes Fernweh auslösen und Reisefieber verursachen, bis hin zu dem drängenden Verlangen, jetzt, gleich und hier alles stehen und liegen zu lassen, auf ein Boot zu steigen und davon zu segeln…

Zwölf Weltumsegelungen – zwölf ganz unterschiedliche Geschichten – unter Anderem die Geschichte unserer Weltumsegelung mit der Ivalu von 2010 bis 2012 


 

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2 Kommentare

  1. Mit dem AIS das ist sehr schön. Da brauch ich nicht mehr die Karte nach dem lesen bemühen. Euch noch eine schöne Zeit wünschen Euch die Buschis

  2. Uli und Martina von der Baradal

    Euch beiden wünschen wir viel Erfolg bei der weiteren Fahrt entlang Afrika. Ist schon etwas Besonderes nebennden gut getrampelten Pfaden in den Spden! 😎⛵️👍

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