Hello – Goodbye aracanga

aracanga

Die alte und die neue Crew der aracanga
Bye bye aracanga. We wish you and Julian always fair winds and following waves.

Ein weinendes und ein lachendes Auge – genau das haben wir als wir Schlüssel unserer geliebten aracanga an Julian übergeben. Unsere Sachen sind gepackt und bereits auf der Nachfolgerin verräumt. Die Neue, eine Prout Snowgoose 37, hört ebenfalls auf den Namen aracanga, offiziell heißt sie aracanga 2. Sie ist zwei Meter länger und zwei Meter breiter als unsere kleine Rote und bietet als Katamaran deutlich mehr Lebensraum. Seit einer Woche leben wir auf der Neuen und fühlen uns auf Anhieb wohl an Bord, auch wenn die ersten Tage sehr vom Chaos geprägt sind. Und auf der Prout ist noch viel mehr Platz für Chaos als auf unserem kleinen Mono… denn wir haben nicht einfach ein Boot gekauft, nein, wir haben ein Boot voller Überraschungen gekauft. Abby und Marc, die zusammen mit Abbys Sohn Luke vor uns auf dem Boot gelebt haben, sind zurückgekehrt auf die andere Seite des Erdballs und ihr Gepäck für den Rückflug betrug 25 Kilo pro Person. Das heißt, abgesehen von den Kleiderschränken, gibt es zum Zeitpunkt der Übernahme des Bootes so gut wie kein leeres Fach auf der Aqua Shaq, wie das Boot bisher geheißen hat. Also ist vor dem Einräumen ausräumen, putzen und kräftig aussortieren angesagt. Was kann weg, was bleibt? Bei vielen Dingen sind wir uns nicht sicher, sind es wichtige Ersatzteile oder nutzloser Ballast? Bei anderen Sachen ist die Entscheidung klar und zum Glück ist in einer Woche Flohmarkt hier, wo wir einige der aussortierten Dinge verkaufen können.

Die ersten tage an Bord der aracanga 2 sind vom Chaos geprägt
Die ersten Tage an Bord der neuen aracanga sind vom Chaos geprägt…

Unser Sortiment wird unter anderem umfassen: Neun der zehn Landstromkabel, mindestens zehn Schnorchelausrüstungen samt Flossen, Anglerbedarf von Hering bis Thunfisch, einen 1000 Watt 24 – 240 Volt Inverter, für den wir auf einem 12 Volt Boot beim besten Willen keine Verwendung finden sowie einen 200 Watt 12 – 110 Volt Inverter, den wir auch nicht wirklich brauchen können, Mundgeblasene Schnapsgläser, diverse Nussenkästen, etwas Lego, Wassermalkästen, … Nach dem aussortieren geht es ans ausräumen der aracanga und einräumen der aracanga 2. Kiste für Kiste und Tasche für Tasche wandern über den Steg der Whisper Cove Marina, wo wir für den Umzug mit beiden Booten am Dock liegen. Während das eine Boot Zentimeter für Zentimeter höher schwimmt, kann man doch erkennen, dass der Kat seit unserem Einzug leicht in die Knie gegangen ist. Die Betonung liegt auf leicht, denn wir wissen, einen Kat sollte man nicht überladen. Davon sind wir aber glücklicherweise noch weit entfernt, es ist zwar erstaunlich, wie viel Zeug auf unserem kleinen 30 Fuß Boot Platz gefunden hat, aber um die Prout zu überladen reicht es bei weitem nicht…

Bootsprojekte

Bootsprojekte - Kira am Schraubenzieher
Bootsprojekte… und alle helfen mit.

Mittlerweile ist das gröbste Chaos gelichtet und die meisten Dinge haben einen Platz an Bord gefunden. Bevor wir jedoch mit der aracanga 2 in See stechen und die erste größere Überfahrt wagen, müssen noch einige Arbeiten an Bord verrichtet werden. In den letzten Jahren war die ex Aqua Shaq eher ein Wohn- als ein Segelboot, das durchaus gut in Schuss gehalten wurde, aber für längere Reisen fehlt noch das ein- oder andere an Bord. Ganz, ganz oben auf der Arbeitsliste steht das Relingsnetz, dass Kira sich frei an Deck bewegen kann. Dann kommen ganz oben auf der Liste eine Sprayhood bzw. ein fester Dodger und eine Windfahnensteuerung, gefolgt von kleineren Dingen wie einem aktives AIS oder LED-Einsätze für sämtliche Lampen und Leuchten, gefolgt von ganz kleinen Sachen wie neuen Dichtungen für die Inspektionsluken der Wassertank. Und rote Farbe auf den Rümpfen und Coppercoat auf dem Unterwasserschiff und und und. Wir sind uns sicher, die Liste wird, je besser wir das Boot kennenlernen werden, in den nächsten Wochen nicht kürzer. Das ist auch nicht schlimm, denn wir werden hier in Grenada genügend Zeit haben, den Katamaran so herzurichten, wie wir es haben möchten, denn wir werden aller Voraussicht nach die Hurricanesaison hier verbringen.

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Covid und die Hurricanezeit

Die Crew der aracanga 2
Die stolze Crew der aracanga 2 – ex Aqua Shaq

Die anstehende Hurricanezeit und die aktuelle Coronalage und machen das Reisen nicht gerade einfach und vor allem nicht günstig. Fast jedes Land verlangt einen negativen Covid-Test vor und einen nach der Einreise plus, je nachdem wie lange man auf See war, ein paar Tage bis zwei Wochen in Quarantäne. Also werden wir die vielen Ankerbuchten hier in Grenada erkunden, eine Testfahrt zu der zum Land gehörenden Nachbarinsel Carriacou unternehmen und abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Hier in Grenada sind wir relativ sicher vor Hurricanes. Trinidad und Tobago im Süden ist nach wie vor geschlossen und St. Vincent and the Grenadines (SVG) im Norden liegt im Hurricanegürtel, außerdem wird St. Vincent zur Zeit von Vulkanausbrüchen heimgesucht. In einem normalen Jahr wäre es kein Problem, auch während der Hurricanezeit nach SVG zu segeln und bei einer Sturmwarnung nach Süden zu flüchten. Aber mit Covid und den damit verbunden Kosten ist uns das Risiko zu groß, viel Geld für Tests zu zahlen und dann im blödsten Falle kurz darauf fliehen zu müssen und ohne Negativtest zurück nach Grenada zu segeln. Als sichere Optionen gäbe es noch die im Westen liegenden Inseln Bonaire, Curacao und Aruba. Eventuell werden wir im Laufe des Sommers in diese Richtung segeln, aber so weit reichen unsere Planungen noch nicht.

Kurzfristige Pläne

Kira und Martin auf Hog Island
Burger und Bier auf Hog Island – eine verdiente Belohnung nach unserem Umzug

Die kurzfristigen Pläne sehen aus wie folgt: In der Nähe vom Strand ankern, den Blog wieder aufs Laufende bekommen und sonstige ausstehende Artikel schreiben. Und am Strand und im Wasser toben. Kira liebt den Strand und das Meer und sie ist in den letzten Tagen, in denen wir uns hauptsächlich um das neue Boot gekümmert haben, etwas kurz gekommen. Außerdem liebt Kira Mangos und Bananen, Nane in ihrer Sprache, die es an der kleinen Strandbar von Thierry auf der Insel gibt. Und alle lieben Kira mit ihren strohblonden Haaren, wenn sie an der Reling steht und jedem vorbeifahrendem Boot zuwinkt.

Und die Ivalu? – Die Chronologie einer Pechsträhne

Etwa zwei Wochen, nachdem wir in Grenada angekommen sind, hat sich auch der Peter mit der Ivalu auf den Weg über den Atlantik gemacht, Ziel Grenada, genau wie wir. Mit an Bord sind Sergio aus Spanien und Eddy aus Großbritannien, beides Freunde, die wir während der Reise kennengelernt haben. Da wir nicht an Bord waren, können wir hier nur wiedergeben, was wir aus den Telefonaten mit dem Peter wissen, hier eine ungefähre Chronologie einer ausgeprägten Pechsträhne:

Alles beginnt damit, dass ganz zu Beginn der Überfahrt die Wasserpumpe aussetzt und kein Frischwasser mehr pumpt. Sie ist schnell repariert, jedoch steht der Wasserhahn nach wie vor offen und niemand bemerkt, dass etwa 100 Liter Wasser in die Bilge laufen. Das wäre noch halb so schlimm, denn auf der Ivalu ist genügend Wasservorrat, um die Atlantiküberquerung fortzusetzen. An nächsten Tag, es ist sehr windig und wellig, löst sich plötzlich die Halterung der Rettungsinsel am Heck, die Insel fällt ins Wasser und pumpt sich durch den Ruck an der Leine auf. Durch die Bootsgeschwindigkeit wird die Rettungsinsel unter Wasser gezogen und die Verbindungsleine reißt. Die Crew beschließt, nach Praia auf den Kapverden zu segeln und eine neue Rettungsinsel zu besorgen, bevor sie die Überfahrt fortsetzen. Eine vernünftige und richtige Entscheidung. Parallel ist einer der Crew so seekrank, dass er dehydriert und wenn es so weiter geht ärztliche Hilfe benötigt und bei einem weiteren Crewmitglied entzündet sich eine Wunde am Fuß so sehr, dass er ebenfalls dringend einen Arzt benötigt. Zwei Tage später läuft die Ivalu in Praia ein und ankert in der Mitte des Hafenbeckens, genau dort wo ich acht Jahre zuvor gegen Ende meiner Weltumsegelung auch schon mit der Ivalu geankert habe. Covid-Tests und Einklarieren gehen zügig und die Crew fällt übermüdet von einer anstrengenden Überfahrt am Abend in die Kojen. In der Nacht werden Sergio und Eddy aus den Betten gerissen und von drei mit großen Messern bewaffneten Männern gefesselt und geknebelt. Dann beginnen sie, das Schiff auszuräumen. Peter, der im Heck des Bootes schläft, entdecken sie erst kurz darauf, er bekommt einen Schnitt an der Hand ab und wird ebenfalls gefesselt und geknebelt. Die drei machen sich mit der Beute und dem Dinghi der Ivalu aus dem Staub, das Beiboot taucht am nächsten Tag noch kaputter als es ohnehin schon war wieder auf, der Motor funktioniert nicht mehr.

Am nächsten Tag machen sie die Ivalu im Fischereihafen fest. Peters Schnitt entzündet sich und er muss zum Arzt. Die Ermittlungen beginnen, die Polizei Praias ist jedoch nicht gerade für ihre große Erfolgsquote bei Ermittlungen zu Raubüberfällen auf Yachten bekannt. Erst vier Tage später kommen die Forensiker an Bord, um Fingerabdrücke zu suchen, was so viel später natürlich nicht sehr vielversprechend ist. Während die Crew die Leinen entgegennimmt fällt einem der Crew zu allem Überfluss auch noch der Deckel der schweren Alu-Backskiste auf den Zeh und bricht den kompletten Nagel ab.

Das Ende bzw. der Zwischenstand der Geschichte ist, dass alles was auch nur ansatzweise Wert hatte weg ist. Von Peter und Eddy sind sämtliche Festplatten und somit nicht nur Sachwerte sondern auch ideelle Werte verloren. Es macht keinen Sinn aufzuzählen was alles weg ist, einfacher wäre aufzuzählen was noch da ist, nämlich nicht viel.

Eddy hat einen Weg gefunden, zurück nach Gambia zu gelangen, wo sein Boot und somit sein Zuhause an einer Boje liegt. Peter und Sergio sind mittlerweile mit der Ivalu in Mindelo, wo sie erst einmal eine Weile bleiben werden, die Wunden heilen lassen, sich neu organisieren und orientieren werden. Das heißt wir werden uns leider diese Saison nicht mehr in Grenada treffen, was sehr schade ist. Von uns dreien, lieber Peter, lieber Sergio, lieber Eddy, alles, alles Gute und toitoitoi. Von hier ab kann es nur aufwärts gehen, wir sind im Herzen bei Euch und freuen uns auf ein Wiedersehen!

Alles Liebe von uns Dreien und auch viele Grüße von Peter mit Crew von Bord der Ivalu!

Martin, Riki, Kira

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

7 Kommentare

  1. Glückwunsch zum neuen Heim. Sonja und ich wünschen Euch weiter viel Glück und Erfolg auf Eurer Reise. Gruß auch an den Papa. Daumen hoch!

  2. Ein klasse Bericht über die Reise, die ich auch gerne machen möchte. Die Beschreibung des nächtlichen Überfalls auf den cabverdischen Inseln bringt einen aber wieder schnell zurück auf den Boden der Realität. Damit stellt sich auch gleich die Frage, wie man einen derartigen räuberischen Angriff zur Nachtzeit wirkungsvoll verhindern kann? Hätte der Angriff schon verhindert werden können, wäre der Niedergang und die Luken verschlossen trotz der vorherschen Temperaturen. Helfen Bewegungsmelder mit Sirenen und Licht?

  3. Hallo Ihr Weltenbummler
    Da freuen wir uns ganz dolle über Euer neues Boot. Erst mal der Viele Platz jetzt und über das Verhalten in der See gegenüber einen klassischen Einrumpfboot haben ja auch schon genug Fahrtensegler geschrieben. Es grüßen die Buschis

  4. Hallo von der September Crew!

    Grüße an die Harlekin – zuletzt in Finike 2005 – als auch an die Aracanga 2 – zuletzt mit der Ivalu in Langkawi!
    So klein ist unsere Welt.

    Gaby und Hans

    • Norbert & Ingrid

      Hallo ihr Zwei🙋🏼‍♀️
      Ja, so klein ist die Welt 👍🏼
      Du vergißt unsere Weltumseglertreffen am Grundelsee liebe Gaby 😉😊!
      Die Snowgoose Community ist schon echt nett!
      Hoffentlich trifft man sich mal wieder, – gerne noch mal im tiefsten Österreich 🇦🇹 ‼️
      Liebe Grüße
      Norbert & Ingrid

      • Hallo Norbert und Ingrid,
        lese gerade Euren Eintrag. Du erwähnst das Weltumseglertreffen am Grundlsee. Ich bin die Lore von der Tiburon 2. Kennen wir uns vielleicht? 1994-1997 um die Welt. Buch: ‚Wenn Fische fliegen lernen.‘
        Liebe Grüße Lore

  5. Hallo,
    Grüße von der Crew der EX „Harlekin“, einer Snowgoose Elite 37 🙋🏼‍♀️🙋🏼‍♂️
    Die Snowgoose hat uns komfortabel und sicher von 1996 bis 2006 um die Welt gebracht, wenn auch mit Hindernissen ( Jahrhundertsturm auf den Kanaren, Blitzeinschlag in Singapur, Piratenbegegnung im Roten Meer……) !
    Wir wünschen Euch für Euer neues Zuhause und für die weitere Reise viel Glück in allen Situationen
    Norbert & Ingrid

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