Mal wieder zu lange in Las Palmas

Las Palmas

Hafen Las Palmas
Hafencharme. Sonnenaufgang in Las Palmas

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, erkennt parallelen: Wir sind, genau wie vor zwei Jahren, wieder einmal viel zu lange in Las Palmas. Es ist grau und laut. Warum segelt man überhaupt hier her? Für die meisten Boote ist die Metropole auf Gran Canaria für längere Zeit der letzte Hafen, wo man Vorräte aufstocken, Reparaturen erledigen und Wasser und Diesel bunkern kann. Theoretisch könnte man das auch in jedem anderen Hafen auf den Kanaren, aber irgendwie kommen sie dann doch alle hier her. Genau wie wir. „Wir bleiben eine Woche, bunkern und erledigen ein paar Kleinigkeiten, dann segeln wir weiter“, so höre ich uns noch vor knapp zwei Wochen sagen. Doch neben dem Bunkern, was sich gut organisieren lässt und somit relativ gut planbar ist, gibt es jedoch immer noch die großen Unbekannten: Das Wetter, die spanische Post und den Zoll. Wobei man für das Wetter ganz gute Vorhersagemodelle hat. Und trotzdem gibt es durchaus einen guten Grund dafür, sich Pakete auf die Kanaren schicken zu lassen: man braucht nur den Nettopreis zu zahlen plus sieben Prozent Inselsteuer was, je nach Produkt, eine ganze Menge Geld sparen kann.

Shoppingwahn

Kira beim Essen
Nicht nur fürs Waschen geht mehr Wasser drauf. Mit der Kleinen ist unser Verbrauch deutlich gestiegen

Wir haben uns nach langem hin und her und nach unseren Erfahrungen der letzten Monate dafür entschieden, eine große Investition von 3.000 Euro zu tätigen und einen Wassermacher für unsere „aracanga“ zu kaufen. Mit Baby ist unser Wasserverbrauch deutlich gestiegen, vor allem fürs Windeln Waschen gehen einige Liter Wasser zusätzlich weg. Hier auf der „Ivalu“ ist das kein riesiges Problem, da wir einen großen Wassertank haben, auf unserem kleinen Boot in Gambia, auf das wir sehr bald wieder umziehen werden, sind die Wasserreserven doch etwas geringer. Der Wassermacher presst Salzwasser mit hohem Druck durch eine Membran, so dass auf der anderen Seite Süßwasser rauskommt. Wir haben uns für den Katadyn Power Survivor 40e entschieden, der das kleinste Modell ist und „nur“ fünf Liter Frischwasser pro Stunde produziert. Dafür liegt der Stromverbrauch bei nur etwa 50 Watt, was wir problemlos mit unserem Solarpanel erzeugen können. Somit müssen wir keinen Diesel verbrennen, um Wasser zu produzieren, was für uns das wichtigste Kaufkriterium war. Zu zweit lag unser Wasserverbrauch bei im Schnitt fünf Litern am Tag, vermutlich werden wir mit der Kleinen auf etwa den doppelten Verbrauch kommen und wir hoffen, mit unserem neuen Wassermacher komplett autark zu sein. Den Wassermacher haben wir von Lanzarote aus bestellt und zu Freunden von Freunden nach Las Palmas schicken lassen. Nach einer mittleren Odyssee durch den Zoll in Madrid konnten wir unser Paket endlich gestern bei der lokalen Poststelle hier abholen.

Bluefin Black Friday
Wo wir hier schon vom Black Friday schreiben… bald ist Weihnachten ;-))

Und wo wir schon am Geld ausgeben sind, stehen noch zwei weitere Punkte auf der Liste: Unsere kleine Actioncam ist auf mysteriöse Weise gestorben, weswegen wir uns in den Vorhof der Hölle namens Mediamarkt begeben. Zuerst der Schock: Die Schlange an der Kasse ist gefühlt mehrere Seemeilen lang. Dann die Ursache: Heute ist Black Friday und alles reduziert. Also Glück im Unglück und wir verlassen den Laden mit einer neuen GoPro. Der zweite Punkt ist eine Box Duplo für Kira, mit der wir ihre stolze Sammlung von bisher vier heißgeliebten Duplosteinen aufstocken. Bauen ist zwar noch nicht drin, aber aus- und einräumen steht gerade ganz hoch im Kurs. Die Box gibt es aber erst zur nächsten Überfahrt, wenn wir mehrere Tage an Bord sind und Beschäftigung für die Kleine brauchen.

Lidl und Insel und Lidl und Insel

Riki am Rocque Nublo
Die Aussicht am Rocque Nublo lässt etwas zu wünschen übrig…

Las Palmas ist in erster Linie ein Arbeitsstopp für uns. Wir treffen aber auch Freunde wie Rainer und Petra mit ihrem tollen Boot „Seven Seas“, die wir vor zwei Jahren hier kennengelernt haben und uns mit unserem Paket behilflich sind. Danke nochmal! Und natürlich wollen wir auch die Insel anschauen und mieten uns für vier Tage ein Auto. Der erste Autotag ist einem Großeinkauf beim lokalen Lidl gewidmet, zwei Einkaufswagen voll Lebensmittel für die „aracanga“ und ein weiterer Wagen für die „Ivalu“.

Gran Canaria
Viel schöner als die Küste: Das Inselinnere Gran Canarias

Nachdem alles verstaut ist, ziehen wir am nächsten Tag gemeinsam mit Thomas von der „Irmi“ und Vera und Jeroen von der „Philos“ los, den Süden der Insel zu erkunden. Zuerst geht es nach Maspalomas zu den Dünen, die toll und beeindruckend sind, wo es uns jedoch nicht ewig hält. Wir möchten in Inselinnere in die Berge und biegen links ab. Hier gefällt es uns richtig gut. Mit jeder Kurve verändert sich die Vegetation ein wenig und je weiter wir nach oben fahren, desto grüner wird die Insel. In einem kleinen Bergdorf stoppen wir zum Abendessen. Eine resolute, ältere Dame mit schwarz-weiß karierter Schürze und Haube und Bambino, wie sie ihren 1,80 Meter großen und gefühlt genauso breiten Sohn nennt, bedienen uns. Wir bestellen Tapas und lassen uns überraschen, was die beiden zaubern, wobei Mama eher fürs Kulinarische und Bambino für Schnaps und Unterhaltung zuständig ist. Wir haben alle einen Riesenspaß, während Mama eine kanarische Köstlichkeit nach der anderen aus der Küche bringt, Bambino die Tassen hebt und Kira auf zwei zusammengeschobenen Stühlen schläft. Es ist ein rundum gelungener Tag und Abend.

Gran Canaria
Am Rocque Nublo

Am nächsten Tag sind Thomas, Jeroen und Vera dran mit „lidln“ und am vierten Tag zieht es uns noch einmal in die Berge. Wir fahren Straßen, bei denen wir nicht sicher sind, wo sie enden und hoffen, dass kein Gegenverkehr kommt. Auf der einen Seite gehen die Felsen senkrecht hinauf und auf der anderen Seite senkrecht hinunter. Die Leitplanke ist ein besserer Gartenzaun aus Holz. Wir wollen zum höchsten Punkt der Insel, den Rocque Nublo. Als wir aus dem Auto aussteigen, pfeift der Wind und das Thermometer zeigt sechs Grad an. Aber es sind nur zweieinhalb Kilometer und wir ziehen los. Glücklicherweise haben wir noch Pullover eingepackt. Nach oben wird es immer kälter und nasser und als Kira anfängt, mit der Unterlippe zu zittern, drehen wir mit der Kleinen um. Bis zum Gipfel steigen nur Riki und Vera, unsere harten Mädels. Ein Foto, naja, die Aussicht ist eher bescheiden, und es geht zurück. 

Einmal zurückspulen:

Im Eifer des Gefechtes startet dieser Blogartikel in Las Palmas, aber der letzte Artikel endet in Corralejo und irgendwie sind wir ja hierhergekommen. Zunächst segeln wir noch einmal nach Los Lobos in unsere wunderbar türkise Ankerbucht mit so klarem Wasser, dass bei sieben Meter Wassertiefe unseren Anker und jeden Fisch am Grund erkennen können. Hier verbringen wir die letzten beiden Tage am Strand, planschen im Wasser und genießen die Zeit. Kira sitzt zum ersten Mal in ihrem gelben Schwimmring und klatscht und kreischt vor Freude, als wir sie mit dem SUP durch die Ankerbucht ziehen.

Am Ankerplatz Los Lobos
Los Lobos ist eine traumhafte Ankerbucht mit glasklarem Wasser

Von Los Lobos sind es knapp 100 Seemeilen nach Las Palmas und wir holen den Anker am frühen Nachmittag auf, um über die Nacht nach Gran Canaria zu segeln. Die Überfahrt ist etwas schauklig, da die Welle direkt von der Seite kommt, ansonsten aber schön und entspannt. Die Lichter von Las Palmas kommen in der zweiten Nachthälfte in Sicht und pünktlich zum Morgengrauen runden wir die grüne Tonne, die die Hafeneinfahrt markiert. Die Ankerbucht, die im Hafen zwischen zwei Wellenbrechern ist, ist eng und überfüllt. Ganz auf der Seite finden wir noch einen Platz, wo wir den Anker werden und ein paar Tage bleiben. Als dann der Wind von Nord nach Süd dreht, wird es schauklig und unruhig und wir holen den Anker auf, um auf die andere Seite zu verholen, w wir nach wie vor liegen.

Bald geht es weiter

Bevor wir von hier ablegen, müssen wir noch Wasser und Diesel und etwas Frischzeug bunkern, ansonsten sind wir mehr oder weniger „ready to go“. Jetzt ist es nur noch eine Frage des Wetters, wann wir hier loskommen. Das nächste Ziel liegt knapp 1000 Seemeilen im Süden und heißt Gambia. Wir freuen uns drauf!  

Soweit von Bord. Ganz liebe Grüße senden die vier Finkis K+R+M+P

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

2 Kommentare

  1. Kim Torben & Silvia

    Hey ihr lieben,

    toll geschrieben und wie immer tolle Bilder. Immer wieder schön von euch zu lesen und was zu sehen. Liebe Grüße an alle und passt auf euch auf 😊

    Kim & Silvia

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