Mallorca ahoi!

Wir haben unsere erste Überfahrt hinter uns und man kann sie getrost als unspektakulär bezeichnen. Und das im positiven Sinne, denn unspektakulär bedeutet keine Probleme, keine Schäden, keine schlechten Nachrichten und keine bösen Überraschungen. Aber unspektakulär bedeutet eben auch kaum Wind.

Okay, von Anfang an: Zuerst einmal musste unser kleines Boot vom Flussfahrer zum Seefahrer umgerüstet werden. Also alles seefest verstauen, so dass auch bei Wind und Welle nichts mehr durch die Gegend fliegen kann. Und natürlich Mast stellen. Das haben wir am Montag in der Früh bei der Firma Nautic Service gemacht. Und da jede halbe Stunde Krannutzung 100 Euro kostet haben wir versucht, alles so gut vorzubereiten, dass der Mast innerhalb von 30 Minuten steht. Trotz zweier kleiner Komplikationen hat das gut geklappt und genau eine halbe Stunde später sind wir, vom Motor- zum Segelboot mutiert, unterm Kran weggefahren. Die eine, kleine Komplikation war unsere Konfiguration Fockstag – Genuastag, was wir aber etwas später im Hafen einfach selbst beheben konnten. Das eigentliche Problem war lediglich, dass der Haken des Krans an der falschen Seite hing und wir somit nicht gleich beide Stagen (Stahlseile, die den Mast nach vorne und hinten stützen) setzen konnten. Bisher hatte die aracanga nur ein Vorsegel, eine Rollgenua (ein großes Vorsegel, das aufgerollt werden kann). Wir haben das Rigg so verändert, dass wir mehrere Vorsegel haben und somit flexibler reagieren können, somit ist hinter unserer Rollgenua jetzt ein weiteres Stahlseil angeschlagen, an dem wir unsere konventionelle Fock oder Sturmfock setzen können. Das zweite Problem war, dass unser Babystag zu lang war, da wir für die Bestellung der neuen Stagen blöderweise falsch gemessen hatten. Aber fürs Erste haben wir uns ein provisorisches Babystag gebaut und das eigentliche Stag wird hier auf Mallorca gekürzt, da gefühlt jeder Rigger im Großraum Marseille zur Zeit im Urlaub ist…

Am Dienstag, den 21. August haben wir gegen frühen Nachmittag in Port St. Louis die Leinen los geworfen. Dann ging es zunächst die ellenlange Hafenausfahrt aus dem Yachthafen vorbei am Gewerbehafen durch den Golf de Fos raus auf Meer. Wie als Mahnmal liegt auf der Sandbank, die die Lagune vom Meer trennt, das Wrack einer Segelyacht, von der gerade noch die beiden Masten aus dem Wasser ragen. Wir machen einen weiten Bogen um die Sandbank und motoren vorbei an den Untiefentonnen und großen Tankern, die vor Anker liegen, raus aufs Meer. Los geht sie, die erste Überfahrt für unsere aracanga, die bisher nur Süßwasser kennt und nach 37 Jahren zum ersten Mal den Horizont erblickt und Salzwasser schmeckt. Aber wir haben das Gefühl, sie mag das sanfte Schaukeln des Meeres und ist, nachdem wir das erste Mal unsere brandneuen Segel von Rolly Tasker gesetzt haben, bei 10 Knoten Wind gleich mit 5 – 6 Knoten losgespurtet.

Auch für Riki ist es die erste größere Überfahrt und genauso wie die aracanga hat sie es sichtlich genossen. Die Nacht haben wir in zwei Mal sechs Stunden aufgeteilt und während ich um 20.00 Uhr in die Koje geschlüpft bin ist Riki in ihre erste Nachtwache gestartet. Leider unter Maschine, denn lang hat der gute Wind nicht angehalten. So ging es auch den großen Teil der restlichen Überfahrt, ein paar Stunden Wind, ein paar Stunden Flaute. Aber dafür haben wir am zweiten Abend eine Schule Delfine ganz in der Nähe unseres Bootes gesehen und einen großen Tümmler, der uns kurz begleitet hat. Außerdem den ersten fliegenden Fisch sowie einige Thunfischschwärme, die in der Abenddämmerung gejagt haben und uns dabei den ein oder anderen Sprung aus dem Wasser vorgeführt haben. Und natürlich: Sonnenauf- und untergänge, an denen man sich nicht satt sehen kann.

Normalerweise stört mich Flaute wenig und ich bin diese immer ausgesessen (auch weil ich bei meiner letzten Weltumsegelung nie einen funktionierenden Motor hatte…), aber bei dieser ersten Überfahrt wollten wir rechtzeitig ankommen, denn in Banjalbufar auf Mallorca hat Besuch auf uns gewartet: Meine Schwester Babsi und ihr Mann Paul mit ihren beiden Kleinen Samuel und Ronja sowie gute Freunde unserer Theatergruppe. Der Plan war, den Anker in der kleinen Bucht vor Banjalbufar zu werfen, damit wir möglichst viel Zeit miteinander haben. Diese hat sich allerdings bei der Ankunft als etwas zu eng und ungeschützt erwiesen, somit sind wir in die ca. 10 Seemeilen entferne Bucht von Soller ausgewichen, wo wir jetzt sicher vor Anker schaukeln. Und kurz nachdem der Anker fest eingegraben war und wir unser Beiboot aufgepumpt hatten, war auch schon großes Wiedersehen am Strand angesagt.

Jetzt sind wir schon seit drei Tagen hier. Aber bisher war noch keine freie Sekunde, daher kommt dieser Blogartikel auch erst jetzt. Am ersten Abend haben Jordi und Dora eine riesige Paella mit fast einem Meter Durchmesser gezaubert, von der wir auch am zweiten Abend noch alle satt geworden sind (und wir waren immerhin neun Leute plus zwei Kinder!). Und gestern war hier in Soller Feuerfest. Ab 11 Uhr Abend wurde die Innenstadt in ein Böller- und Flammenmeer verzaubert, mit fackeltragenden Hexen, feuerspuckenden Dämonen und Drachen, die einen Funkenregen über die komplette Menge verbreiten. Dazu laute, rhythmische Trommelmusik und eine im Flammenmeer tanzende Meute, als ginge es um Leben und Tod. Wow, was für ein berauschender, toller Abend!

Wie ihr seht, uns geht es gut, wir haben uns wunderbar auf der mittlerweile segelnden aracanga eingelebt und sind mehr als zufrieden mit unserem kleinen, roten Boot. Wir schicken Euch sonnige Grüße aus Mallorca! Riki und Martin

 

 

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3 Kommentare

  1. Pingback:ahoi.blog - Heimaturlaub oder: die Planänderung der Planänderung

  2. Thomas Hlawitschka

    Ihr seits die Beschten!! 💪🏻💪🏻👌🏻

  3. So schön von Euch zu lesen!
    😉
    Wir freuen uns sehr mit Euch.

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