Navigation ist…

… wenn man trotzdem ankommt. Wo man ankommt steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Glücklicherweise hat Grenada so viele Wasserfälle, dass man trotz falscher Richtung und falschem Trail am Ende mit einem erfrischenden Bad belohnt wird und glücklicherweise behandelt dieser Blogartikel das Thema Landnavigation. Auf See sind wir hoffentlich besser.

Seit dem letzten Beitrag sind wir fast jeden Tag damit beschäftigt, einen Dodger und ein Hardtop für unsere aracanga2 zu bauen. Da diese ganze Baustelle jedoch einen eigenen Artikel bekommen soll, schreiben wir heute über den einzigen Tag an dem wir nicht laminiert oder geschliffen oder gesägt oder gespachtelt haben.

Mit dem Bus zum Mount Qua Qua

An diesem Tag machen wir eine Wanderung auf den Mount Qua Qua und dann auf der anderen Seite runter zu den Concorde Falls. Das ist jedenfalls unser Plan. Wir, das sind unsere Freunde Paul und Steffen und wir drei, Kira, Riki und ich, Martin.

Wandertag

Los geht es mit dem Bus Nummer 2 nach Saint George’s. Wir stehen am Straßenrand, winken einem anrauschenden Bus zu, dieser hält mit quietschenden Reifen und der Hilfssheriff, der für die Fahrpreise und die Sitzplatzverteilung zuständig ist, findet irgendwo Platz für uns. Es sind eigentlich keine Busse, eher Vans für etwa 12 Gäste. Am Busbahnhof in Saint George’s steigen wir um in die Nummer 6. Bevor es losgeht, sortiert der Schaffner seine Mitfahrer nach Breite und Körperfülle, so dass jeder ein paar Quadratzentimeter Sitzbank abbekommt. Es wird erst losgefahren, nachdem auch das letzte bisschen Sitzfläche mit Passagieren gefüllt ist. Zum Glück für unsere Banknachbarn sind wir relativ schmal. Schnell merken wir, dass die Fahrer der Linie 6 sich durch ihren sehr ambitionierten Rennfahrerstil auszeichnen. Einzig die Hupe ist noch wichtiger als das Gaspedal. Wenn man neben dem sich selbst festhalten die Nerven hat, aus dem Fenster zu schauen, sieht man eine wunderschöne Landschaft vorbeirasen. Massive Felsen, Lianen und Palmen, steile Abhänge, Gebirgsbäche und hin und wieder zwischen zwei Serpentinen erhascht man einen Blick aufs Meer. Wenn der Begriff „Grüne Hölle“ nicht schon anderweitig vergeben wäre, er würde die Fahrt mit der Nummer 6 ganz gut charakterisieren. Es geht – wie immer auf Grenada – bergauf. Egal wohin man hier auf der Insel möchte und egal wen man nach dem Weg fragt, die Antwort ist immer dieselbe: „Uphill.“ Nach etwa 20 Minuten Busfahrt steigen wir in der Nähe des Mount Qua Qua aus und los geht die Wanderung.

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Wenn man den Weg nicht weiß, dann braucht man einen Wegweiser

Es geht natürlich bergauf. Wir laufen einen schmalen Pfad nach oben, vorbei am Grand Etang, einem Kratersee, in dem der Legende nach eine Meerjungfrau lebt, die unvorsichtige Besucher in ihr Schloss unter Wasser entführt. Also nichts wie weiter. Wir gehen nicht den Umweg über den Gipfel des Mount Qua Qua, denn wir wollen die Ruhe nutzen, solange Kira in ihrer Trage schläft und vorankommen.

Der Grand Etang, einer von zwei großen Kraterseen Grenadas

Also biegen wir links ab und folgen dem Trail zu den Concorde Falls. Denken wir. Immer den gelben Bändchen folgen. Gelb? Alle paar hundert Meter finden wir ein Bändchen an einen Baum gebunden. Aber die Bändchen sind rot. Naja, vielleicht waren sie mal gelb und wurden irgendwann erneuert. Schmarrn. Wissen wir selbst, wollen wir uns aber jetzt noch nicht eingestehen. Wie sagt es Janosch so schön: Wenn man den Weg nicht weiß, dann braucht man einen Wegweiser. Aber auch auf einen mangelnden Wegweiser können wir es nicht schieben, denn selbst den haben wir groß und breit vor uns im Gras liegen. Und was steht darauf geschrieben? Annadale Trail. Annadale? Annadale ist aber nicht Concorde. Wirklich lesen tut den Wegweiser keiner von uns, aber ein Foto machen wir. Also folgen wir dem Wegweiser mit der Aufschrift Annadale Trail und den roten Bändchen. Der Weg ist schmal und verwuchert und oftmals gar nicht zu erkennen.

Hinauf ist noch ein Weg zu erkennen…

Es ist matschig und rutschig und zum Glück haben wir zwei Macheten dabei um den Weg freizumachen. Wir hangeln uns die Abhänge hinunter, halten uns an Lianen und hoffen, dass Kira ihren Mittagsschlaf noch etwas ausdehnt und nicht allzu bald aufwacht. Am nächsten Abhang dann ist es soweit. Riki rutscht aus und auf dem Po einige Meter den Abhang hinab, hinter ihr rutscht Steffen aus und eine verdutzte Kira schaut aus ihrer Trage. Aber die Stimmung ist gut und sie kann der komischen Situation, von ihrem Mittagsschlaf irgendwo im Dschungel aufzuwachen, einige Lacher abgewinnen. Sie bekommt eine Reiswaffel und eine Banane und fühlt sich ganz wohl in ihrer Trage, während wir uns den Weg durch das Dickicht bahnen. „Also irgendwie sah der Weg letztes Mal anders aus“, meint Paul, der den Concorde Trail schon einmal gelaufen ist und uns geraten hat, die Machete mitzubringen. „Und er war auch etwas einfacher.“

Mit der Kleinen auf dem Rücken geht es durch den Dchungel Grenadas

Wir beratschlagen kurz, ob wir umdrehen oder weiterlaufen sollen und entscheiden uns für zweiteres. Es geht durch einen Bach, wo wir kurz rasten, die geschundenen Füße abkühlen und von Mücken gefressen werden. Und weiter. Vier Stunden sind wir unterwegs, als wir keine roten Bänder mehr finden und der Weg sich in drei Wege aufgabelt. Wir probieren jede der drei Möglichkeiten aus, als wir jedoch nirgends ein rotes Band finden, beschließen wir den Weg zu nehmen, wo wir in der Nähe ein Dach erkennen können. Eine halbe Stunde später passieren wir eine Schweinefarm und der Landwirterklärt uns den Weg nach Annadale. Wir sind zurück auf einem Pfad, der entfernt einer Straße ähnelt und noch einmal eine halbe Stunde später springen wir in das Kühle Becken des Annadale Falls.

Zurück geht es mit der Nummer 7. Gegen die Fahrt mit der Nummer 7 war die Hinfahrt mit der 6 eine Kaffeefahrt und wir sind froh, in Saint George’s mit unserer altbekannten Nummer 2 nach Hause zu unserer aracanga2 fahren. Puh, was für ein Tag!

Ganz liebe Grüße senden

MaRiKi

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

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