Nestbautrieb an Bord

Zurück an der Küste

Die "Creek Breeze Bar" von oben
Unser “Wohnzimmer” von oben – das “Local Restaurant” und die “Creek Breeze Bar”

Wir sind zurück an der Küste und die aracanga zurück an ihrer Boje bei der Lamin Lodge. Wie der Titel schon sagt ist an Bord der Nestbautrieb ausgebrochen, denn sehr bald werden wir zu dritt unterwegs sein. Während unserer Abwesenheit hat sich nicht viel geändert – bis auf, dass in der Zwischenzeit Fams und sein Bruder Moti ihr neues Lokal „Creek Breeze Bar“ eröffnet haben. Es ist genau neben unserem „Local Restaurant“, wo wir jeden Tag zu Mittag essen und die Betreiber der beiden Lokale sind gute Freunde. So etwas wie Konkurrenz kennen die beiden aber nicht und so sieht man den Einen im anderen Lokal sitzen und den Anderen beim Einen Kaffee trinken. Zur Eröffnung des neuen Restaurants haben wir den Brüdern, die uns zu guten Freunden geworden sind, eine French Press – Kaffeemaschine, einen Milchschäumer wie wir ihn an Bord haben, eine Thermoskanne und ein Kilo Kaffee mitgebracht, somit können sie jetzt als wahrscheinlich einziges Lokal auf weiter Flur richtigen Kaffee anbieten – und dieser kommt sehr gut an.

Von Salzwasser, Staub und Elektrolyse

Für uns waren die restlichen Tage an Bord dem Umbau und einigen Reparaturen gewidmet – natürlich nicht ausschließlich, aber wir waren sehr fleißig und haben einiges Erledigt. Zunächst mussten einige Bolzen, Beschläge und Schäkel wieder gangbar gemacht werden. Die Regenzeit und der viele Sand und Staub wirken in Kombination wie Kleber und kommen dann noch Elektrolyse und Oxidation hinzu, wenn z.B. ein Edelstahlbolzen in einem Aluminiumgehäuse sitzt, dann sind Geduld und viel WD40 gefragt, um die Teile wieder gangbar zu machen. Glücklicherweise haben wir nur einen sehr starrsinnigen Patienten, unseren Spibaum, der an beiden Seiten absolut festsitzt. Hier sind nicht nur Geduld und Öl gefragt, sondern zunächst bohren wir mit dem Akkubohrer auf beiden Seiten ein Loch, damit wir irgendeinen Punkt haben, an dem wir mit dem Hammer ansetzen können. Dann wird der ganze Beschlag mit unserem kleinen Gasbrenner (der ist Gold wert an Bord!) auf über 200 Grad erhitzt und der Bolzen mit dem Hammer in beide Richtungen hin- und her geschlagen. Pro Seite benötigen wir etwa zwei Stunden, einiges WD40 und am Schluss etwas wasserfestes Fett, bis die Bolzen wieder frei laufen.

Unser Kumpel Gee
Unser Kumpel Gee, der während unserer Abwesenheit nach unserem Boot schaut

Puh, das wäre geschafft, bis April wird der Spibaum unter Deck gelagert, um uns diese Operation beim nächsten Mal zu ersparen. Ebenso fest sitzen Fock- und Genuafall, die wir mit einiger Kraft auf der Mastwinsch straff ziehen und die dann mit einem lauten Knall lose kommen. Warum genau die Fallen so fest waren können wir nicht sagen, aber dass wir irgendwann neue Scheiben im Masttopp benötigen ist sicher… da helfen auch kein Öl und Fett mehr. Außerdem stehen einige Pflegearbeiten an: Rumpf und Deck polieren und wachsen, Öl- und Filterwechsel an der Maschine, Winschen fetten, Genua-Rollanlage fetten, Windfahnensteuerung reinigen und fetten und viele weitere Kleinigkeiten. Abgesehen von ein paar festen Bolzen und Fallen ist das Boot in einem erstaunlich guten Zustand und an dieser Stelle möchten wir uns mal ganz herzlich bei unserem Kumpel Gee bedanken, der sich so gut um unsere aracanga kümmert während wir nicht da sind.

Nestbautrieb an Bord

Sägewerk in Lamin
Beim örtlichen Sägewerk

Alle weiteren Jobs, die auf der Liste stehen, sind Umbauten für unsere weitere Reise zu Dritt, also alles was unter die Kategorie Nestbautrieb an Bord fällt. Dafür haben wir folgende Überlegungen angestellt: Wir benötigen einen Platz, wo Mama und Baby (oder natürlich Papa und Baby oder alle zusammen) entspannt liegen können, auch bei Seegang und wir benötigen größere Wasservorräte. Beides können wir lösen, indem wir unsere U-Sitzecke zur Liegefläche umbauen und darunter Wasser bunkern. Somit gibt es einen gemütlichen Ort relativ Mittschiffs, also am ruhigsten Ort des Bootes, und darunter direkt über dem Kiel Platz für etwa 100 Liter Wasser. Also geht es am nächsten Morgen zum Örtlichen Holzhändler direkt an der von Banjul kommenden Hauptstraße. Gleich beim Betreten des Sägewerks werden wir von einem älteren Mann mit „Martin, inimbara!“ herzlich begrüßt. Ich kann mich zwar nicht erinnern, woher wir uns kennen, aber es macht es gleich einfacher, wenn man wie ein Einheimischer begrüßt und behandelt wird. Der Mann ist zwar zunächst etwas verwundert, dass wir eine auf Grad und Millimeter genaue Schablone mitbringen, entpuppt sich dann aber als wahres Genie an Hobelmaschine und Kreissäge, die beide bei uns wahrscheinlich längst im Museum stehen würden. Aus Buschmango entsteht ein Kopfbrett, welches den Raum unter der Liegefläche zum Gang abtrennt und aus verleimtem Sperrholz eine Platte für die Liegefläche. Das bisherige Tischgestell wird abgesenkt und hält die Platte von unten und auf die Liegefläche kommt ein Schaumstoff, den wir beim „Polsterer“ an der Straße kaufen. Damit auch dann niemand aus dem neuen Bett purzelt, wenn wir auf Backbordbug segeln, lassen wir uns aus einem leichteren Holz ein Leebrett zusägen, das die Liegefläche zum Gang hin abgrenzt. Fertig ist unser neues „Wohnzimmer“.

Umbauten an Bord
Der Nestbautrieb an Bord ist voll im Gange

Als Tisch nutzen wir zukünftig unseren Cockpittisch, der bisher die meiste Zeit in der Backskiste verbracht hat, auch unter Deck. Dafür haben wir eine Adapterplatte an das Kopfbrett geschraubt. Der neue Tisch ist in alle Richtungen schwenkbar und somit variabel einsetzbar, sowohl im Cockpit als auch im Salon. Und einen weiteren Wunsch haben wir uns beim Sägewerk auch gleich noch erfüllt: Ein Brückendeck, das wir uns aus dem restlichen Stück Buschmango zusägen lassen, aber noch nicht an Bord montiert haben. Das Holz soll sehr wetterbeständig sein und wird unter anderem für Eisenbahnschwellen genutzt. Zwei neue Ventilatoren sorgen für eine kühle Brise an heißen Tagen und unser guter Freund Wally gibt unseren Salonpolstern etwas afrikanischen Pepp. Wally färbt und batikt normalerweise T-Shirts und Tops und macht eine tolle Arbeit. Im Juni haben wir ihm einen „zinsfreien Mikrokredit“ für seinen Shop gegeben, den er allerdings kurz drauf für eine Krankenhausrechnung für seine Mama zweckentfremdet eingesetzt hat (was völlig okay und richtig ist, Gesundheit geht vor!). Er hätte das Geld zusammen um seine Schulden bei uns zu zahlen, sein Shop allerdings hat von dem Geld nicht profitiert, und da wir mit unseren schwarz-weißen Polstern nicht ganz glücklich sind (sie sehen zwar toll aus, aber das Weiß ist alles andere als praktisch…) und Wally das ändern kann, wird er für den Betrag des kleinen Kredits unsere Polster färben und aufpeppen. Wir sind gespannt, was dabei rauskommt… 

Abschiedsparty

Abschiedsparty
Die Party geht los – getanzt wid bis spät in die Nacht

Leider, Leider neigt sich unser Monat in Gambia viel zu schnell dem Ende entgegen und Abschied nehmen steht an. Bevor wir unsere Sachen packen und die aracanga für weitere vier Monate alleine lassen, veranstalten wir noch eine Abschiedsparty für unsere Freunde und uns. Zusammen mit Fams, Gee und seinem Bruder fahren wir nach Tanji, um dort Fisch fürs Barbecue einzukaufen. Es gibt Barracuda, Snapper und Ladyfish und dazu sechs Kisten Getränke, die wir spendieren. Gegen sieben, wenn sich der Ort normalerweise leert, fangen die Buschtrommeln an, den Platz mit ihrem Bass zu erfüllen, es wird getanzt und traditionelle Lieder gesungen. Alle helfen zusammen, den Fisch zuzubereiten und zu grillen und bis spät in die Nacht ist das Getrommel weithin zu hören. „An unforgettable evening, we never had an event like this before here!“ sagen die Jungs am nächsten Tag, und das war es wirklich, ein unvergesslicher Abend für uns und für unsere Freunde.

Mangroventunnel
Durch den Mangroventunnel geht es nach Daranka

Am letzten Tag unternehmen wir mit den SUPs noch einen Ausflug nach Daranka zum „Big Tree“, von dem niemand sagen kann wie alt er wirklich ist. Er ist jedenfalls riesig und mindestens sehr, sehr alt. Im Stamm des Baumes, der im unteren Bereich hohl ist, kann man auch mit sechs oder acht Menschen gemütlich im Kreis sitzen und wenn der Baum erzählen könnte, er hätte mit Sicherheit viele, spannende Geschichten auf Lager. Es ist ein schöner, ruhiger und irgendwie magischer Ort und ein toller Abschluss für vier schöne Wochen in Westafrika. Wir freuen uns schon, bald wieder an Bord zurück zu kommen – dann zu Dritt.


Freiheit auf Zeit – Weltumsegler erzählen (Kristina Müller)

Jede Weltumsegelung ist eine Liebesgeschichte. Erzählt von Männern und Meeren, von Frauen und Freiheit. Und von der Verwirklichung lang gehegter Träume.
Vor diesen Geschichten sei gewarnt. Sie können akutes Fernweh auslösen und Reisefieber verursachen, bis hin zu dem drängenden Verlangen, jetzt, gleich und hier alles stehen und liegen zu lassen, auf ein Boot zu steigen und davon zu segeln…

Zwölf Weltumsegelungen – zwölf ganz unterschiedliche Geschichten – unter Anderem die Geschichte unserer Weltumsegelung mit der Ivalu von 2010 bis 2013 


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