Plan und Realität

Wäre alles nach Plan gelaufen, dann wären wir jetzt irgendwo in der Nähe von Lyon auf der Saone. Aber es läuft eben nicht immer alles nach Plan. Von den „garantierten“ 1,8 Meter Wassertiefe im Kanal sind vielleicht noch 1,4 oder 1,5 Meter übrig und das ist definitiv zu wenig für unseren Kiel. Jetzt sind wir den sechsten Tag in Deluz und werden noch eine weitere Woche hier verbringen. Dann geht es endlich wieder weiter, allerdings für die nächsten ca. 100 Kilometer noch einmal huckepack auf dem LKW. Leider ist das die einzige Option für uns, zumindest wenn wir nicht bis mindestens Oktober warten wollen.

Nachdem wir hier in Deluz im Hafen festgemacht haben ging es erst einmal darum, unsere Möglichkeiten zur Weiterfahrt auszuloten. Hier ein kurzer Abriss unserer Überlegungen:

Option 1: Auf sehr viel Regen warten. Aber wie gesagt, bis Oktober oder noch länger warten haben wir gleich ausgeschlossen.

Option 2: Selber baggern. Ein Bekannter, den wir hier im Hafen kennengelernt haben, hat wiederum einen Bekannten, der ein Baggerschiff in Dole hat. Nach Dole fahren, zwei Tage mit dem Baggerschiff zur Untiefe fahren, einen oder zwei Tage baggern, zwei Tage zurück nach Dole fahren, zurück hierher und mit unserem Schiff weiter, das war die Überlegung. Allerdings garantiert dieser Plan nicht, dass wir nach der Untiefe problemlos weiter kommen und nicht einige Meter weiter gleich wieder stecken bleiben. Und den kompletten Kanal bis zur Saone ausbaggern,… dann könnten wir auch auf den Regen warten. Also auch keine hundertprozentige Option.

Option 3: Den Tiefgang verringern. Hierzu haben wir bei dem ein- oder anderen Glas Wein so ziemlich jede noch so verrückte Idee gedanklich durchgespielt. Von Abwasserrohren über Regentonnen und Bergesäcke bis hin zu Schlauchbooten und Traktorreifen unter dem Boot. Wir haben auch überlegt, eine Leine unten am Kiel zu befestigen und diese längsseits an einem anderen Boot so dicht zu holen, dass unser Boot extreme Schräglage und somit deutlich weniger Tiefgang hat. Aber die Hausboote, die man hier so antrifft, kommen für solch eine Aktion nicht in Frage. Realistisch und bezahlbar erschien uns nur die Überlegung, einen oder zwei Schläuche von Traktorreifen unter Wasser um oder vor und hinter den Kiel zu legen und mit einem Kompressor zu befüllen. Schläuche von Traktorreifen und einen starken Kompressor hätten wir bereits alles hier, denn Rikis Mama und ihr Bruder sind uns für ein paar Tage besuchen gekommen und haben sich am Tag vor ihrer Abreise noch um alles gekümmert. Leider haben wir, während die beiden im Auto nach Frankreich saßen, nach viel Rechnerei und einem Telefonat mit einem Yachtkonstrukteur den Plan endgültig verworfen. Grob überschlagen fasst ein aufgeblasener Traktorreifen ca. 600 bis 800 Liter Luft. Das hieße, mit zwei prall gefüllten Reifen, die beide komplett unter Wasser sind, könnten wir unseren Tiefgang um ca. 10 – 15 cm verringern, was aber sehr zu Lasten der Stabilität des Bootes ginge. Leider ist das nicht genug, denn an unserer Untiefe ist der Wasserstand mittlerweile auf ca. 1,3 Meter zurück gegangen und nach uns ist schon ein weiteres Segelboot dort aufgelaufen.

Option 4: Ein Landtransport von Deluz nach St. Jean de Losne an der Saone. Die teuerste, aber leider die einzige realistische Variante für uns. Das heißt in den sauren Apfel beißen und einen mobilen Kran und einen LKW organisieren. Gar nicht so einfach wie man denkt, gerade da im August ganz Frankreich im Urlaub ist. Die Suche nach einem französischen Spediteur geben wir schnell auf, trotz der deutlich kürzeren Anfahrt sind diese extrem teuer. Und die Firma Reher, (unser Spediteur, der die aracanga an den Rhein gebracht hat) ist im August leider im wohlverdienten Betriebsurlaub. Also schreiben wir sämtliche deutsche Yachtspediteure an und bekommen von Uli von Faltus & Bantje, der kommende Woche sowieso in Frankreich unterwegs ist, ein super Angebot, ca. 1000 Euro brutto. Das ist sehr viel Geld für uns aber ca. um die Hälfte günstiger als die anderen Angebote. Der Kran, der aus der nächsten größere Stadt kommt, kostet nach etwas Verhandeln noch 450 Euro und das Abladen im Hafen von St. Jean de Losne nochmal ca. 200 Euro obendrauf. Ein teurer Spaß, der so nicht eingeplant war. Aber anders geht es leider nicht.

Im Nachhinein hätten wir die arcanga gleich bis an die Saone bringen lassen sollen, aber „was wäre, wenn…“ zählt nicht. Wir verbringen die Zeit hier in Deluz mit kleineren Arbeiten am Boot, was allerdings aufgrund der extremen Hitze von knapp 40 Grad tagsüber ziemlich mühsam ist, jeden Tag führt der Kanal noch etwa weniger Waser. Lu und Carina haben ihre Reise mit der Olive, die nur einen Meter Tiefgang hat, fortgesetzt. Riki, ihre Mama und ihr Bruder haben die beiden bis nach Besancon begleitet. Besancon ist die nächste größere Stadt und ca. 20 Kilometer entfernt. Ich habe währenddessen den Transport organisiert und bin später mit dem Auto von Rikis Mama nachgekommen. Und da die Stadt so wunderschön ist waren wir gestern und heute gleich noch einmal dort. Die Altstadt liegt in einer Flussschleife des Doubs und auf dem Wasser kann man komplett außen rum fahren, denn durch die schmale Landenge wurde eine Tunnel gebaut, durch den man mit dem Boot hindurch kann. Hoch oben über der Stadt thront eine alte Festung aus dem 17. Jahrhundert und im historischen Stadtkern kann man noch Überreste aus der Römerzeit finden, wie z.B. das „schwarze Tor“ (das eigentlich weiß ist), das unter Marcus Aurelius im zweiten Jahrhundert gebaut wurde.

So schön Franche Comte, der Doubs und das Jura zum durchfahren ist, es ist nicht der Ort an dem wir zu lange festhängen möchten und wir freuen uns, wenn es in einer Woche wieder weiter geht. Es fühlt sich gut an, wieder einen Plan zu haben.

Es grüßen Euch ganz herzlich aus dem verschlafenen Hafen von Deluz Riki und Martin

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3 Kommentare

  1. Monika Gommeringer

    Hallo, Riki und Martin.
    Das beginnt ja schon – heiß und spannend –
    wir wünschen euch ein „! Donnerwetter “ , das kühlt ab und bringt vielleicht genügend Wasser – ha , ha , ha … !
    Viel Glück , wir beobachten euch von der Ferne und sind immer wieder in Gedanken bei euch.
    Schiff ahoi !
    Dein Patenonkel Egon und Monika

  2. Bernhard Weithas

    Hallo ihr zwei, wir möchten uns auf diesem Weg für die spontane Begegnung und den feinen Kaffee mit Lu und Carina im Hafen von St. Jean de Losne bedanken und euch eine gute Weiterfahrt wünschen! Wenn ihr einmal ins unserer Ecke am Bodensee seid, herzlich willkommen!
    LG Bernhard und Renate

  3. Regina Franke und Wolfgang Finkbeiner

    Hallo, ihr zwei, wir haben eben mit großer Spannung euren Bericht gelesen. Ein wenig beneiden wir euch. Aber ihr wolltet ja auf Abenteuerreise gehen und dass es ein Abenteuer wird, zeigen eure ersten Aufzeichnungen. Jedenfalls freuen wir uns mit euch, dass die Fahrt weiter geht. Nun seid lieb gegrüßt. Opa und Regina.

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