Staande Mastroute Teil 2 – Amsterdam bis Rotterdam

Amsterdam

Die Staande Mastroute führt direkt durch das Zentrum Amsterdams und der Sixhaven ist der ideale Ausgangsort, um die Stadt zu erkunden. Direkt an der Ij und gegenüber vom Hauptbahnhof gelegen ist der Hafen nur eine (kostenlose) Fährfahrt von der berühmten Innenstadt mit ihren unzähligen Grachten und schmalen Häusern aus dem 17. Jahrhundert gelegen. Im Sixhaven ist es ruhig und idyllisch, er ist ein angenehmer Kontrast zum Zentrum.

Sex und Drogen bestimmen das Bild vom Zentrum Amsterdams

Wir fahren mit der Fähre an das Südufer der Ij und erkunden vom Hautbahnhof aus, der im Zentrum des Grachtengürtels steht, die Innenstadt. Drogen und Prostitution sind die alles bestimmenden Themen hier, das touristische Angebot ist voll darauf ausgelegt: Hier ein Sexshop, daneben ein Coffeeshop, gegenüber ein breites Sortiment an Haschpfeifen und dazwischen Fastfoodbuden für den kleinen Hunger nach dem Joint. Begleitet vom Duft der wahrscheinlich größten Marihuanawolke Europas, die durch die Straßen des Zentrums wabert, spazieren wir durch die Gassen, während Kira warum auch immer wie ein Stein in ihrer Bauchtrage schläft. Ehrlich, vom Zentrum (bzw. vom Zentrum des Zentrums) sind wir ein wenig enttäuscht. Es ist wunderschön hier und die Innenstadt ist unter anderem für ihr Rotlichtviertel und die Coffeeshops bekannt, aber ist das alles? Wir sind wirklich keine Moralapostel, aber wir hätten schon etwas mehr erwartet.

Glücklicherweise ändert sich unser Eindruck am Tag darauf. Wir treffen Thekla, eine Freundin die in Amsterdam wohnt, zum Kaffee in Jordan. Es ist das älteste Viertel der Stadt und nur einen Katzensprung vom Zentrum entfernt. Kleine Geschäfte, nette Cafés, enge Gassen und die berühmten Grachten mit den vielen Brücken lassen einen Hauch von Venedig aufkommen. Hier gefällt es uns und wir bekommen noch ein paar weitere Insidertipps wie die „9 Straatjes“, wo ebenfalls kleine Läden und nette Kneipen zum Verweilen einladen. Wir sind mehr als versöhnt mit der Stadt.

Fahrräder, Grachten und Blumen bestimmen die Innenstädte

Der Tag darauf ist ein Arbeitstag. Wir benötigen ein neues AIS und eine neue Reling. Das AIS hat blöderweise selbstverschuldet den Geist aufgegeben. UKW-Funk und AIS teilen sich eine UKW-Antenne und damit das funktioniert, wird ein sogenannter Splitter dazwischen geschalten, der priorisiert dem Funkgerät und ansonsten dem jeweils aktiven Gerät die Leitung zur Antenne frei macht. Blöderweise waren die Anschlüsse von Antenne und UKW-Funk falschherum angeschlossen, so dass in der Sekunde, als das AIS eine Positionsmeldung abgibt und wir über Funk sprechen, die 25 Watt Sendeleistung voll in das AIS geschickt wurden. Ein neues AIS, wir haben uns für ein modernes SOTDMA-Gerät mit integriertem Splitter entschieden, bekommen wir in der Nähe von Amsterdam und ein paar Stunden später senden wir auch wieder Positionsmeldungen, die ihr hier verfolgen könnt. Die Reling ist an Altersschwäche gestorben und die Nachbarn im Hafen hatten ihren Spaß dabei, denn natürlich ist sie genau in dem Moment gerissen, als ich von Bord über die Seite auf das SUP steigen wollte und mich an der Reling festhielt – Platsch mit langer Hose und Schuhen lag ich in der Gracht. Das Problem war die Ummantelung des Drahtseils, denn durch das Plastik sieht man nicht, wie der Draht im Inneren aussieht. Deswegen ist die neue Reling blank und nicht ummantelt.

Haarlem

Klassische Boote und die Ivalu in Haarlem an der Staande Mastroute
Abendliche Spazierfahrten durch Haarlem – im Hintergrund die Ivalu

In Amsterdam stellt sich die Frage nach der weiteren Route. Die Klassische Staande Mastroute führt in einer Nachtfahrt durch Amsterdam, da die Eisenbahnbrücke nur einmal um 2 Uhr öffnet. Die Alternativroute führt über Haarlem, das Zentrum des Niederländischen Tulpenanbaus. Da die Stadt Haarlem und die Route, die zwar etwas länger als die klassische Route ist, attraktiv klingen, entscheiden wir uns für diesen Abstecher von der Staande Mastroute. Von Amsterdam nach Haarlem sind es nur ein paar Seemeilen und dort liegen wir mitten in der Stadt im Kanal. Gegen Abend tummeln sich unzählige Boote zur Ausfahrt auf dem Kanal. Kinder mit kleinen Schlauchbooten, ältere Herrschaften mit schicken Klassikern und ganze Familien mit den verschiedensten schwimmenden Untersätzen. Ein paar Meter weiter steht eine zum Café umgebaute Windmühle in einer Kanalbiegung, die vom Steg aus Essen und Getränke direkt an die vorbeikommenden Boote verkaufen. Es herrscht eine entspannte und ausgelassene Stimmung.

Gouda

Gouda - Zentrum des Käses
Im Zentrum von Gouda

Morgens geht es weiter in Richtung Gouda, die für ihren gleichnamigen Käse und den Käsemarkt bekannte Stadt. Von Haarlem nach Gouda sind es etwa 30 Seemeilen, jedoch muss man einige Wartezeit an den Brücken und Schleusen mit einkalkulieren, wie meist auf der Staande Mastroute. Wunderschöne Kanal- und Flussabschnitte wechseln sich entlang der Strecke ab. Wir fahren vorbei an den Ortschaften Lisse, Buitenkaag und Oude Wetering, wo ein reges Treiben auf dem Wasser herrscht und dann weiter durch das Brassermeer, durch exklusive Wohnviertel in der Ortschaft Alpen an den Rijn und anschließend unter mehreren Hebebrücken hindurch bis nach Gouda. Die letzte Brücke vor Gouda wird nur alle zwei Stunden geöffnet und wir verpassen sie um nur wenige Minuten, weswegen wir wiederum zu spät für die Schleuse in die Innenstadt sind und die Nacht in einem reizlosen Hafen vor der Stadt verbringen. In dieser Nacht schläft keiner von uns viel und gut, denn Schwärme von Mücken terrorisieren das Boot. Kira hat allein 17 Stiche nur im Gesicht und der noch nicht erledigte To-Do-Punkt „Mückengitter“ bekommt eine neue Priorität. Diese scheinen in der Stadt jedoch ausverkauft und erst im gefühlt hundertsten Geschäft werden wir fündig. Die nächste Nacht, wir sind vom reizlosen Stadtrandhafen in den Innenstadthafen umgezogen, schlafen wir alle tief und fest und ohne weitere Stiche. Die mittelalterliche Stadt Gouda ist, wie schon beschrieben, für seinen Käse, seinen Markt und das Waagenhaus bekannt, wo, um Betrug vorzubeugen, der Käse damals gewogen wurde.

Rotterdam

Die Erasmusbrücke ist ein Wahrzeichen Rotterdams
Extra für uns öffnet die Erasmusbrücke – eines der neuen Wahrzeichens Rotterdams

Gouda liegt nicht weit von Rotterdam und dementsprechend ist auch die Fahrt in das Hafen- und Industriezentrum der Niederlande nicht allzu lang. Es geht durch eine Schleuse ins Tiedengewässer, auf der Holländischen Ijsel nach Süden und dann auf die Neue Maas in die Stadt. Extra für uns öffnet die Erasmusbrücke, eines der Wahrzeichen Rotterdams und wenige Meter weiter ist auch schon unser Hafen, der Veerhaven Rotterdam. Es ist ein sehr kleiner Hafen mit ein paar Traditionsseglern und wenigen anderen Booten darin und wir liegen hier ruhig und nah am Zentrum. Zwei Nächte bleiben wir hier, besuchen die berühmte Markthalle und bereiten das Boot vor, in den nächsten Tagen zur Abwechslung zum Kanaltuckern auf der Staande Mastroute endlich die Segel zu setzen. Wir freuen uns darauf.

Viele Grüße von Bord sendet die ganze Crew

–> unsere Kaffeekasse <–

2 Kommentare

  1. Wow. Irgendwie finde ich Euch ganz schön mutig. Wie ist denn die Situation in Gambia? Oder generell in Westafrika. Sind Grenzen auf, ist die Versorgung ok? Da Südamerika gerade nicht so richtig einladend ist und Asiens Grenzen meist geschlossen sind überlegen wir gerade wohin wir segeln im Winter.

    • Hi Andreas,
      die Grenzen sind aktuell geschlossen und wir hoffen, dass sich die Situation entspannt und die Grenzen bis November, wenn sie Trockenzeit beginnt, wieder öffnen. Ansonsten, abgesehen von Corona, ist die Versorgung eher schlecht, die Menschen jedoch sehr herzlich und das Land absolut sicher. Gambia und der Senegal sind fernab jeglicher typischer Segelrouten und allein schon deshalb ein ganz spezielles, unvergessliches Abenteuer und, lässt man sich auf das Abenteuer ein, eine Reise wert.
      Über die Coronalage kann jeder nur spekulieren, solltet ihr jedoch an sonstigen Infos zum Senegal und zu Gambia interessiert sein, schreibt uns einfach. Viele liebe Grüße! Riki und Martin

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