Von Bootsprojekten und Bananen

Kat und Hog Island – ein Kinderparadies

Kira am Strand von Hog Island
Wir lieben das Wasser!

Mittlerweile liegen wir wieder bei Hog Island vor Anker. Einen Monat sind wir jetzt auf unserem neuen Boot und wir können mit Sicherheit sagen, es war die richtige Entscheidung. Die aracanga2 hat endlich rundherum ein Relingsnetz, so dass wir, insbesondere Kira, den größten Vorteil des Katamarans voll ausnutzen können: Den vielen Platz. Vom Cockpit aufs Achterdeck, am Aufbau vorbei bis auf Höhe der Wanten, dann in einer wagemutigen Kletteraktion auf das Dach, im Slalom zwischen den Luken bis nach vorne und dann auf dem Popo über die Frontscheiben zurück an Deck. Es folgt ein kurzes Freudentänzchen, dann geht es zurück zu den Wanten und wieder von vorne los. Speziell die Rutschpartie über die Scheiben sieht, je nachdem ob mit oder ohne Windel, vom Salon aus gesehen besonders lustig aus. Wenn die Runden übers Deck dann langweilig werden, geht es entweder ans Achterdeck, der Finger zeigt auf unser Dinghi und es wird laut „brummbrumm“ gerufen, das Zeichen, dass wir jetzt die 50 Meter mit dem Dinghi an den Strand von Hog Island fahren wollen. Oder es geht in den Salon und mit dem ausgestreckten Finger aufs Obstnetz über der Pantry folgt die klare Aufforderung „Mamo“ oder „Nane“, was so viel wie Mango oder Banane bedeutet. Alternativ tut es auch eine Maracuja, die schmeckt genauso gut wie Mamo und Nane. Aber spätestens dann geht es mit den SUPs oder dem Dinghi an den Strand und dort angekommen direkt ins Wasser. Welle ins Gesicht oder gestolpert und untergetaucht? Macht nichts, Strand und Wasser sind super. Und meist sind auch andere Kinder am Strand von Hog Island. Kinder von Seglern werden scheu beäugt und vorsichtig beobachtet, einheimische Kinder mit ihrer dunklen Haut jedoch sind vertraut und werden ohne Angst zum Spielen aufgefordert. Die Hautfarbe ist wohl von Westafrika her noch sehr vertraut, wo Ibrahima, Maimuna und Abdul gute Spielkameraden waren. Hellhäutige Kinder sieht Kira hier zum ersten Mal.

Riki und Kira auf dem SUP auf dem Weg zum Strand von Hog Island
Auf dem Weg zum Strand

Windfahne, Dodger und Co

Nicht nur Kira, auch wir sind glücklich mit unserem neuen Boot. Aber – wie immer bei einem Bootskauf – es gibt viel zu tun, bis wir das Boot so haben, wie wir es gerne möchten. Aktuell holen wir Angebote für Windfahnensteuerungen ein und sehen uns parallel um, was es so gebraucht zu kaufen gibt. Die Windfahnensteuerung ist sozusagen ein mechanischer Autopilot, der den Winkel zum Wind hält und keine Elektrik benötigt und für uns einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände überhaupt. Wir haben uns für eine Anlage mit Servoruder entschieden, das heißt eine Anlage, die nicht die Ruder vom Boot bewegt, sondern ein extra Ruder hat, mit dem sie das Boot auf den Überfahrten steuert. Die Hauptruder sind dann nur dazu da, das Boot zu trimmen. Zwei Gründe sprechen für eine Anlage mit Servoruder: Zum einen hat der Kat eine hydraulische Steuerung, das heißt mit einer herkömmlichen Anlage müssten wir die Hydraulik umgehen und mit den Steuerleinen direkt auf die Notpinne gehen, wofür wir einige Meter Leine quer übers das Achterdeck führen müssten. Dort wollen wir aber auf Überfahrten das Beiboot lagern, was der andere Grund ist und gegen aufwendige Leinenführungen dort hinten spricht. Gebrauchte Anlagen gibt es – zwei Windpilot Pacific und eine Aries, aber leider keine Anlage mit Servoruder. Mal sehen, vielleicht finden wir ja noch etwas.

Kira und das Dinghi am Strand von Hog Island
Kleine Kira – großes Brummbrumm

Das nächste große Projekt wird ein Dodger und ein festes Dach über dem Cockpit sein, das wir in den nächsten Wochen aus „Nida Core“ bauen werden. Wir, das ist in diesem Fall der Paul, den wir in Portugal kennengelernt haben und der jetzt mit seiner Wasa direkt neben uns vor Anker liegt. Paul ist ein äußerst sympathischer junger Kerl, praktischerweise gelernter Bootsbauer, lustigerweise quasi aus dem Nachbardorf und hat in der letzten Woche bei uns an Bord gewohnt, als sein Boot auf dem Trockenen in der Werft lag. Und warum ein überdachtes Cockpit? Ganz einfach, gegen die Sonne, gegen den Regen und gegen überkommende Wellen. Und in Verbindung mit herunterrollbaren Seitenteilen, die irgendwann folgen werden, auch gegen die Kälte. Hier in der Karibik spielt die zwar keine Rolle, aber im Hinterkopf schwirren ein paar Pläne, auch kalte Gefilde anzusteuern. Außerdem hat so ein Dach den Vorteil, dass wir zwei Solarmodule darauf platzieren können, sollten wir mit unserem neuen Luxus, einem Kühlschrank, mehr Strom benötigen.

Stichwort Strom. Wir haben den leisen Verdacht, dass unsere Batterien langsam aber sicher am Ende ihrer Lebenszeit ankommen. Noch ein Projekt, diesmal ein unvorhergesehenes. Und mit diesem Projekt kommt logischerweise die Überlegung, in welche Art von Batterien man investieren möchte: Blei-Säure oder Lithium-Eisenphosphat-Akkus. Kosten vs. Langlebigkeit und sämtliche Vorteile, die so eine Lithiumbatterie sonst noch so mit sich bringt. Mal sehen, eine Gruppe anderer Segler rüstet gerade gemeinsam auf Lithium um, vielleicht schließen wir uns an, wenn die Kosten aufgrund der größeren Menge an Akkus akzeptabel sind.

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Noch eine unvorhergesehene Sache sind unsere Fensterdichtungen: „Ja, alle Fenster sind dicht, und um die Fugen vor der UV-Strahlung zu schützen, sind sie zusätzlich abgeklebt.“ Okay, das haben wir zwar so noch nie gehört, wir hatten aber auch noch nie ein Boot mit großen Fenstern. Und ja, es klingt irgendwie logisch sie abzukleben, denn wirklich UV-resistentes Dichtmittel gibt es leider nur in der Werbung. Und nochmal ja, wir glauben auch, dass kein Wasser von oben ins Boot gekommen ist. Aber jetzt beginnt die Regenzeit und in den letzten Monaten hat es so gut wie gar nicht geregnet hier. In den letzten Tagen regnet es hier aber immer wieder, und zwar wie. Von den Nachbarbooten oder von Hog Island ist dann nichts mehr zu sehen, dafür tropft es an mindestens zwei der vier Frontfenstern. Unser Fehler bei der Besichtigung war, das Tape nicht abzuziehen und die Fugen anzusehen, miserabel ist ein nettes Wort für die Verfugung der Fenster. Es wäre kein Grund gewesen, das Boot nicht zu kaufen, so eine Fuge ist schnell neu gemacht, aber wir hätten einiges Wasser im Boot vermeiden können, hätten wir mal unter das Tape geschaut und die Fenster gleich neu eingedichtet.

Wir sitzen in der Rettungsinsel
Unsere neue Rettungsinsel – hoffentlich sitzen wir da nie wieder drin!

Einen Haken können wir bereits hinter den Punkt Rettungsinsel machen. Der Kat kam ohne Rettungsinsel und wir hatten Glück, eine von unseren Freunden Mike und Julie zu bekommen. Die beiden wohnen auf einem alten Schlepper, mit dem sie vor über zehn Jahren über den Atlantik gekommen sind. Hier in der Karibik sind sie dann zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wird. Hilfe im ganz Kleinen, wie als wir nach unserer Ankunft ein defektes Dinghi und einen defekten Motor hatten oder Hilfe im Großen, wie wenn ein Boot aufs Riff gelaufen ist oder nach einem Hurricane Hilfslieferungen für andere Inseln zu befördern sind. Die Rettungsinsel ist aktuell zur Wartung, wo wir die Möglichkeit hatten, die aufgeblasene Insel zu sehen und eine ausführliche Sicherheitseinweisung zu bekommen. Ab jetzt sehen wir sie bis zur nächsten Wartung in ein paar Jahren hoffentlich nicht mehr im aufgeblasenen Zustand.

Kurs Carriacou

Probesegeln mit Julian auf unserer “alten” aracanga

Wie man lesen kann, sind wir nach wie vor voll dabei, die aracanga2 ein- und herzurichten. Eine kurze Jungfernfahrt unter Maschine war die einzige Tour, die wir bisher unternommen haben: Von Whisper Cove einmal um Hog Island an den Ankerplatz hinter der Insel, wo wir aktuell direkt vor dem Strand liegen. Segeln waren wir auch, aber nicht mit dem neuen Boot, sondern gemeinsam mit Julian auf unserer “alten” aracanga, was richtig viel Spaß mit sich gebracht hat. Julian, der neue Eigner, hatte ein ebenso breites Grinsen im Gesicht wie wir. Übermorgen aber möchten wir dann endlich das neue Boot zum ersten Mal segeln, Ziel Carriacou. Die zu Grenada gehörende Insel ist einen guten Tagesschlag entfernt, den wir aber auf drei kürzere Touren aufteilen werden, da wir unterwegs ein paar Ankerbuchten anschauen möchten: Den Sculpture Park auf der Westseite Grenadas, wo menschliche Figuren ein künstliches Riff formen und Ronde Island zwischen Grenada und Carriacou. Paul mit seiner Wasa begleitet uns. In etwa zwei Wochen kommen wir zurück hierher, um dann den Dodger in Angriff zu nehmen.

Viele liebe Grüße von Hog Island von Bord der aracanga2 senden Kira, Riki und Martin

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

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