Zurück in der Karibik, zurück an Bord

Der Heimaturlaub ist vorüber und wir machen uns auf den langen Weg zurück auf unser Boot. Obwohl wir durch unseren reisenden Lebensstil durchaus gewohnt sind, Abschied zu nehmen, fällt dieser Abschied besonders schwer. Drei Monate lang haben wir jeden Tag gemeinsam mit der Familie verbracht, Freunde getroffen und natürlich unser neues Crewmitglied Naia bekommen. Da fließt schon die ein oder andere Abschiedsträne. Selbstgewähltes Elend, wie es meine Tante nennen würde.

Ein letztes Abschiedsfoto am Bahnhof

Zwei große Koffer, zwei große Taschen, eine Nähmaschine, vier Rucksäcke und zwei Kinder wollen zurück an Bord gebracht werden. Mit dem Auto geht es nach Augsburg, ein letzter Abschied, dann schleppen wir sämtliches Gepäck an den Bahnsteig. Drei mal wird die Wagenreihung des ICE geändert, dreimal schleifen wir sämtliches Gepäck von einem Ende des Bahnsteigs zum anderen. Beim vierten Mal ist es uns dann egal, wir steigen bei der nächstbesten Türe ein und besetzen die nächstbesten freien Sitzplätze. In Mannheim müssen wir umsteigen, wir haben genug Zeit eingeplant und stehen eine halbe Stunde vor Abfahrt am richtigen Bahnsteig. Gemeinsam mit einer Familie aus Chile mit ähnlich viel Gepäck warten wir auf den Zug. Zwei Minuten vor Abfahrt die Durchsage: „Der TGV nach Paris heute ab Gleis vier statt Gleis eins.“ Danke. Der ganze Bahnsteig rennt los und wir zeigen auf zwei Männer neben uns und auf unsere Taschen, die gleich mit anpacken und uns helfen, unseren Zug noch zu bekommen. Direkt hinter uns gehen die Türen zu und der Zug fährt ab. Außer einem verschütteten Kaffee und einem Striptease im Vorraum des Abteils ist die Fahrt unaufgeregt. Die Kids schlafen und wir freuen uns aufs Boot. Paris. Mit dem Taxi fahren wir zum Hostel, wo wir ein Achtbettzimmer für uns haben. Kira freut sich über die Dreier-Stockbetten und wir uns über die überraschend gute Pizza vom Lieferdienst. In der Früh bringt uns der Bus zum Flughafen und einen Kaffee und ein Croissant später sitzen wir auch schon im Flieger nach Martinique. Kira hat zwei freie Sitze nebeneinander und Naia ein Babybettchen, das an der Wand hängt. Beide schlafen die meiste Zeit des Fluges. Gepäckausgabe – der Zoll winkt uns mit unseren zwei Gepäcktrolleys und zwei quengelnden Kindern durch – weiter geht es mit dem Taxi nach Le Marin. Unser Kumpel Wolfgang, den wir vor der Reise kennengelernt und 2018 in Cartagena, Spanien getroffen haben, holt uns mit dem Dinghy ab und bringt uns an Bord. Von daheim nach daheim – 38 Stunden nach der Abfahrt sind wir zurück auf unserem schwimmenden Zuhause.

Kira freut sich, zurück an Bord zu sein – die ersten Tage jedoch trübt hin und wieder etwas Heimweh nach Ihrer Cousine Elli die Freude

Die nächsten Tage richten wir uns ein an Bord. Einkaufen, Wassertanks füllen, einräumen, aufräumen, Beiboot aufpumpen – leider geht diesem so langsam die Puste aus und wir müssen regelmäßig Luft nachpumpen, kleben und uns in der nächsten Zeit nach einem neuen Dinghy umschauen. Und wir müssen uns alle wieder an das Bordleben und die Hitze gewöhnen. Es ist schön, wieder auf dem Boot zu sein, es ist wunderbar, jetzt zu viert hier sein zu können, aber es ist auch eine Herausforderung mit zwei kleinen Kindern. Glücklicherweise verfliegen die leisen Zweifel, die in den ersten vom Chaos beherrschten Tagen manchmal leise anklopfen, schnell wieder und wir finden uns gut zurecht. Es ist eine Einstellungsfrage, der Fokus hat sich ganz klar auf die Kinder verschoben.

Wie bereits im letzten Blogartikel angedeutet, gibt es Neuigkeiten zu verkünden: Wir haben im letzten Jahr festgestellt, dass der Katamaran für uns nicht das Boot ist, mit dem wir auf Dauer glücklich sind. Er ist ein tolles Boot, er bietet Platz und mit seinem geringen Tiefgang die Möglichkeit an Orten zu ankern, die uns mit unserer „alten“ aracanga verschlossen geblieben wären. Trotzdem, was das Segeln angeht, werden wir mit einem Katamaran nicht warm. Uns fehlen die weichen Bewegungen des Einrumpfers, wenn das Boot in die Welle eintaucht, einfach das Gefühl zu segeln. Außerdem möchten wir in den nächsten Jahren nicht nur warme, sondern auch kältere Gegenden ansteuern, wofür wir neben anderen Merkmalen eine Heizung und damit verbunden eine entsprechende Dieselkapazität benötigen. Aus diesen Gründen haben wir uns dazu entschlossen, den Kat zu verkaufen und uns wieder nach einem Mono umzusehen.

Wir haben ihn durchaus lieb gewonnen, unseren kleinen Kat, aber er ist nicht das Boot, mit dem wir auf Dauer glücklich sind

Und wenn wir diesen Schritt tun, dann macht es nur Sinn, ihn gleich zu tun, denn sobald wir einmal die Karibik in Richtung Pazifik verlassen haben werden, wird es mau und teurer auf dem Bootsmarkt. Noch in Deutschland stellen wir unsere aracanga2 ins Internet zum Verkauf und bekommen auch zahlreiche Anfragen für das Boot. Allein in Martinique haben wir drei Bootsbesichtigungen plus mehrere Videobesichtigungen. Ein Interessent sagt zu und segelt mit uns nach Grenada, springt aus persönlichen Gründen jedoch kurzfristig wieder ab. Kein Problem, ernsthafte Interessenten gibt es viele und kurz darauf haben wir bereits die nächste Videobesichtigung und eine Kaufzusage. Und wir? Wir haben hier in Grenada schon seit längerem ein Boot im Auge, das wir gerade besichtigt und ebenfalls zugesagt haben. In einer Woche werden wir noch einmal umziehen, hoffentlich zum letzten Mal für längere Zeit. Im nächsten Blogartikel gibt es dann ausführliche Infos zu unserem „neuen“ Boot. Soviel vorab: Es hat das Potential zu unserem „Traumboot“.

Wie gerade geschrieben, wir sind mittlerweile wieder in Grenada. Nach etwa zwei Wochen in Martinique, einem großen Wiedersehen mit unseren Freunden und vielen Stunden am Strand sind wir bereit für die erste Fahrt nach unserem Heimaturlaub und die letzte Fahrt mit unserem Katamaran. Der Wetterbericht verspricht eine ruhige und entspannte Überfahrt – 15 Knoten Wind und ein bis eineinhalb Meter Welle – ein Wetterfenster, das wir gerne nutzen. Vormittags segeln wir aus der großen Bucht von St. Anne im Süden Martiniques heraus und nehmen Kurs 200 Grad. Im Lee der Inseln St. Lucia, St. Vincent und der Grenadinen segeln wir bei guten Bedingungen nach Süden. Lediglich an den Nord- und Südspitzen der größeren Inseln ist etwas mehr Strömung und eine unangenehmere Welle, aber alles in allem sind die 155 Seemeilen nach Grenada, für die wir etwas mehr als einen Tag benötigen, angenehm zu segeln. Im Morgengrauen sind wir querab von Canouan und im Laufe des Vormittages kommt die Silhouette Grenadas in Sicht. Die letzten Meilen im Windschatten der Insel starten wir den Motor und um 16 Uhr liegen wir an einer Boje vor Saint George’s, der Hauptstadt Grenadas. Glücklicherweise benötigen wir zur Einreise keine Covid-Tests mehr, so dass das Einklarieren am nächsten Vormittag schnell und unkompliziert vonstattengeht.

Eine kurze Unterbrechung, unten geht’s weiter… Etwas Werbung in eigener Sache…


Elmo und das geraubte Blau

von Martin Finkbeiner

Elmo ist ein Klabautermann. Da sein Schiff untergegangen ist, lebt er an Land, im friedlichen Städtchen Kapkap. Eines Tages spielt ihm das Schicksal ein neues Boot in die Hände und er bricht auf, um die Welt zu sehen. Doch daraus wird nichts – denn finstere Mächte trachten danach, Verderben über den Ozean und seine Bewohner zu bringen. Auch Elmos Freundin, die Meeresprinzessin Sira gerät in große Gefahr. Elmos Reise wird zu einem gefährlichen Abenteuer. Zusammen mit seinen Freunden stellt er sich gegen die Panzerechse Leviathan, den Feind des ozeanischen Gleichgewichtes und Feind aller Schönheit und Friedfertigkeit. Mit hinterhältigen Tricks und einer furchterregenden Armee will dieser die Meeresbewohner ihres Glücks berauben.


Etwas mehr als ein Jahr zuvor haben wir hier unsere Atlantiküberquerung beendet und einen Katamaran gekauft. Damals war es wegen des Platzes, die 30 Fuß unserer aracanga sind zu eng für uns drei geworden. Jetzt sind wir wieder hier, verkaufen und kaufen wieder ein Boot, doch diesmal nicht des Platzes, sondern des Segelns halber. Wir sind die Exoten, die von einem Kat auf einen Monohull wechseln. Andere Familien, die wir kennen, gehen den umgekehrten Schritt, mit dem Platzargument: „Man verbringt 90% der Zeit am Ankerplatz, da kommt es nicht auf die Segeleigenschaften an.“ Wir kennen und verstehen beide Argumente, gewichten aber das Gegenargument stärker: „Wir verbringen nur 10% mit Segeln, dann sollen diese so unvergesslich wie möglich sein.“ Ja, der Kat war eine gute Zeit, eine gute Erfahrung und er ist definitiv ein gutes Boot, das wir ins Herz geschlossen haben. Aber wie gesagt, für uns ist er nicht das Boot auf Dauer.

Naia, unser kleinstes Crewmitglied, hat mittlerweile ihre ersten Meilen im Kielwasser

Von Saint George’s Motoren wir am nächsten Tag die wenigen Meilen nach Hog Island, zu der uns so wohlbekannten Ankerbucht vom letzten Jahr. Auch hier gibt es ein großes Wiedersehen, alle freuen sich auf Bambam, wie Kira hier heißt, und jeder ist neugierig auf unser jüngstes Crewmitglied. Diesmal wollen wir jedoch nicht die komplette Hurricanezeit hier verbringen, sondern nach dem Wechsel der Boote und ein paar Testfahrten weiterziehen. Anfang kommenden Jahres möchten wir im Pazifik schwimmen.

Viele liebe Grüße von Bord senden

Naia, Kira, Riki und Martin

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–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

Ein Kommentar

  1. Glückwunsch zu eurer Jüngsten! Und auch zu eurer offensichtlichen Entscheidung, am Fahrtenseglerleben festzuhalten. Trotz Kinder, oder wegen? Darüber könnte man jetzt philosophieren. Ja, und auch Glückwunsch zum neuen Boot ( was ist es denn für eines?), ihr werdet das richtige für euch gefunden haben. Wir haben unsere ” Maia too” inzwischen auch verkauft. Und suchen ein neues Schiff. Segler natürlich, 36 Fuss wäre ideal. Falls euch soetwas in der Karibik vor die Augen kommt, dann gebt doch bitte Bescheid.
    Alles Gute für euch, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und genießt das Leben!

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