Ein Leben in der Natur

Ihre Uhr hat Riki schon vor vielen Monaten abgelegt und ich besitze so etwas wie eine Armbanduhr gar nicht. Es wäre auch völlig sinnlos, hier nach der Uhr zu leben, wir stehen morgens mit der Sonne auf, kriechen abends kurz nach Sonnenuntergang in die Koje und leben in der Natur. Der einzige Grund, warum wir den Kalender im Auge behalten, ist dass unser „Cruising Permit“ für den Senegal in Kürze ausläuft und wir dann wohl oder übel die Casamance verlassen müssen. Aber unser nächstes Ziel, das kleinste Land Afrikas, klingt genauso reizvoll: Gambia.

Fetter Fang

Seit dem letzten Blogartikel haben wir unseren Ankerplatz nicht gewechselt und liegen nach wie vor im Päckchen mit dem Streuner vor dem kleinen Camp von Agolène und Rebecca auf der Insel Djirouatou. Bei den Beiden kann man auch ohne Boot ein paar wunderbare Urlaubstage verbringen, wenn man ein einfaches, naturnahes Leben sucht. Uns gefällt es hier zwischen all den Tieren. Neben Hunden, Katzen, Schweinen, Rindern, Hühnern und Enten gibt es hier Otter, Mungos, Stachelschweine, Vögel in allen Größen und Farben vom kleinen, grünen Papagei bis hin zum mächtigen Geier, Affen und auch ein wildes Krokodil haben wir schon gesehen. Baden kann man trotzdem von Bord aus, Krokodile sieht man nur in den kleinen, abgelegenen und unberührten Seitenarmen der Casamance. Und natürlich gibt es Fische, Fische, Fische. Und danach, genauer gesagt nach der Tide und somit nach den Fressgewohnheiten der Fische, richtet sich ein großer Teil unseres Tagesablaufs. In den letzten zehn Tagen haben wir viel übers Angeln und Fischen hier auf dem Fluss gelernt und sind täglich mit dem „Baby-Streuner“, dem Beiboot von Karin und André, auf dem Fluss unterwegs unser Abendessen jagen. Und das mit Erfolg, jeden Abend gibt es Fisch in einer neuen Variation, gebraten, gekocht, gegrillt oder frittiert, mit oder ohne Beilage. Wenn wir die Angel hinter dem Dinghi her ziehen fangen wir Barsche und Barracudas, wenn wir das Beiboot in der Strömung verankern oder von Bord der aracanga aus angeln fangen wir kleine Zwergwelse. Das Highlite an der Angel war jedoch ein Fisch mit dem langweiligen Namen Fingerfisch, der größte Fisch, den es hier in den Mangroven gibt. Hier wird der Fisch Captain genannt, er wird bis zu zwei Meter lang, und auch wenn das Exemplar an Andrés Angel nur knapp einen Meter gemessen hat war er groß genug, um am Abend über dem Lagerfeuer gegrillt dreizehn hungrige Mägen zu füllen. Neben den zahlreichen Fischvorkommen hält der Fluss Casamance noch einen anderen Leckerbissen bereit: Austern. Sämtliche Mangrovenwurzeln sind von den Muscheln überwuchert.

Die Jungs beim Austern öffnen

Bei Ebbe kann man die Wurzeln der Mangroven mit einer Machete ernten und dann entweder direkt über dem Lagerfeuer braten oder die Austern in einem Pott Wasser kochen. Sehr lecker! Dazu getrunken wird Palmwein, der jeden Morgen und Abend frisch von den Palmen gezapft wird und, ähnlich wie Federweißer, in den nächsten Tagen kräftig gärt. Um den Palmwein zu zapfen werden die untersten Palmwedel einer blühenden Palme entfernt. Ein paar Tage später wird ein Trichter aus Palmblättern mit einem kleinen Stock am Stumpf des Palmwedels befestigt und mit einer dünnen Schnur eine Flasche darunter befestigt, so dass der Pflanzensaft in der Flasche aufgefangen wird. Jeden Morgen und Abend werden die Flaschen geleert und neu angebracht.

Gleich am Tag unserer Ankunft hier waren wir bei Freunden von Rebecca und Agolène auf einer Party eingeladen, einer Abschiedsparty für Aurelie, die für ein halbes Jahr nach Frankreich geht. Zu essen gab es große Schüsseln mit Reis und gebratenem Schwein und wie immer essen alle zusammen aus derselben Schüssel. Nach der Mahlzeit wurden dann die Instrumente ausgepackt. Ohne einen einzigen Klang aus der Stereoanlage, sondern nur mit Trommeln und Gesang, gab es ein tolles Fest bis in die späten Stunden, es wurde Limbo getanzt, traditionelle Lieder gesungen und der ein- oder andere Pott Palmwein geleert. Der nächste Tag war dann etwas zäh…

Palmwein gibt es immer und überall

Hier an unserem Ankerplatz vor der Insel Djirouatou gibt es alles was wir suchen, aber nichts zu kaufen. Und hin und wieder brauchen wir dann doch das ein oder andere aus einem Laden, z.B. Milch, Kaffee oder Obst und Gemüse. Wobei sich der Einkauf meist nach dem Angebot richtet. Die nächsten Ortschaften an denen man etwas besorgen kann sind Elinkine, das eine Stunde mit dem Dinghi entfernt liegt oder die etwas größere Stadt Cap Skirring, die eine kurze Dinghifahrt nach Kachiouane, dann einen zehn Kilometer Fußmarsch durch die Steppe nach Diébéring und anschließend eine kurze Fahrt mit dem Sammeltaxi bedeutet. Wenn man frühmorgens losläuft, dann kommt man vor der größten Hitze in Cap Skirring an, wo es das beste Obst und Gemüse gibt. Um vier Uhr sollte man sich auf den Rückweg machen, dann kühlt es ein wenig ab und man kommt noch bei Tageslicht am Boot an. Die Wanderung durch die sandige Steppe, entlang der Mangroven und vorbei an Palmenhainen und beeindruckenden Baobab-Bäumen ist wunderschön und für unsere untrainierten Seglerbeine sehr anstrengend. Der Weg verläuft auf schmalen Pfaden durch den Busch und dann immer wieder entlang von Sandpisten, auf denen das Laufen anstrengend und kräftezehrend ist. So schön der Ausflug nach Cap Skirring war, so froh waren wir, zurück an Bord unsere geschundenen Füße ins Wasser zu hängen und abzukühlen.

Unterwegs in der Savanne

Leider ist unsere Zeit in der Casamance fast zu Ende, in wenigen Tagen läuft die Befahrenserlaubnis für unser Boot ab und wir müssen weiterziehen. Wir könnten das Cruising Permit zwar auf sechs Monate verlängern, das würde allerdings einen ziemlichen Verwaltungsakt bedeuten und ca. 200 Euro kosten. Und da unser nächstes Ziel, The Gambia, mindestens genauso reizvoll wie die Casamance ist und genau wie hier, ein großer Mangrovenfluss inmitten der Natur ist, werden wir uns die Tage auf den Weg nach Norden machen. In Gambia möchten wir bis November bleiben und auf dem Fluss weit ins Landesinnere fahren. Der Gambia-River ist mit unserem kleinen Boot ca. 350 Kilometer stromaufwärts schiffbar und wir sind schon voller Vorfreude und sehr gespannt, was uns dort erwartet.

Herzliche Grüße von Bord senden die aracangas Riki und Martin

 


Freiheit auf Zeit – Weltumsegler erzählen (Kristina Müller)

Jede Weltumsegelung ist eine Liebesgeschichte. Erzählt von Männern und Meeren, von Frauen und Freiheit. Und von der Verwirklichung lang gehegter Träume.
Vor diesen Geschichten sei gewarnt. Sie können akutes Fernweh auslösen und Reisefieber verursachen, bis hin zu dem drängenden Verlangen, jetzt, gleich und hier alles stehen und liegen zu lassen, auf ein Boot zu steigen und davon zu segeln…

Zwölf Weltumsegelungen – zwölf ganz unterschiedliche Geschichten – unter Anderem die Geschichte unserer Weltumsegelung mit der Ivalu von 2010 bis 2013 


 

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3 Kommentare

  1. Obwohl……den hat er ja aus Südamerika. Na. Ähnlichkeit ist da🤔

  2. Hallo ihr Beiden oder besser jetzt ihr Vier
    Was habt ihr da für ein kleines Tier auf dem Schoß? Das sieht ja fast wie eine schwarze Version von Hugo Wehners Buschbaby aus. (Tagedieb und Taugenichts DK Verlag) VLG die Buschis

    • Hallo. Das eine ist ein kleiner Mungo den Riki auf dem Schoß hat und das andere, das wir beide auf dem Schoß haben, ein Otter

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