Es geht los!

Es geht los! Wir sind unterwegs! Wirklich realisiert haben wir es noch nicht, denn es fühlt sich alles noch sehr, sehr ungewohnt an. Die letzten Tage an Land waren aufregend, stressig, sehr schön und gleichzeitig auch etwas traurig. Abschied fällt schwer und das mit dem weinenden und dem lachenden Auge stimmt auch.

Aber von Anfang an: Zunächst waren ein paar Tage zu Hause angesagt. Viele Kleinigkeiten haben darauf gewartet, noch vor der Abfahrt erledigt zu werden. Zum Beispiel standen noch die letzten beiden Impfungen gegen Typhus und Cholera auf dem Zettel, Kopien aller wichtigen Dokumente machen oder die geliebte Steuererklärung… Und, ganz wichtig, natürlich musste noch ein Abschiedsfest gefeiert werden. Und da wir den Kopf voll mit allem Möglichen hatten, wurde das Fest ganz einfach: Ein paar Bierbänke unterm großen Walnussbaum und der Anhänger als Küchenbuffet. Dazu einige Kannen Kaffee und am Abend lecker grillen mit dem ein- oder anderen Bier. Schön war´s. Auch wenn die vielen Verabschiedungen schwer gefallen sind. Danke an alle, die gekommen sind, die Salate und Kuchen mitgebracht und uns geholfen haben.

Montag, zwei Tage vor der Abfahrt. Die Liste wird kürzer. Heute steht die Bordapotheke auf dem Programm. Zum Glück ist meine Tante Ute Ärztin und bietet sich an, uns zu beraten was wir mitnehmen sollten: Zwei Antibiotika, Medikamente gegen Durchfall und Verstopfung, Salben gegen Entzündungen, Allergien und Pilze, Schmerztabletten, Desinfektionsmittel, Augentropfen, Nähzeug und Infusionen. Das Ganze ist in einen Wasserdichten Beutel gewandert und dieser wiederrum in unser Grab Bag, die Notfalltasche die neben dem Niedergang hängt. Und dort soll es auch hoffentlich drin bleiben. Liebe Ute, vielen Dank für die riesen Hilfe und es ist uns etwas unangenehm, dass wir im Stress der Vorbereitungen nicht einmal eine Flasche Wein als Dankeschön dabei hatten. Aber wir wissen die Hilfe sehr zu schätzen! Am Montagabend gab es dann noch ein gemütliches Grillen mit der Familie.

Dienstag, ein Tag vor der Abfahrt. Morgens um halbsechs sitzen wir im Auto, mal wieder mit vollem Kofferraum. Dann geht es mit einem Abstecher am Lindenbrunnenhof, wo wir uns mit frischem Gemüse eindecken (Danke!) zum Boot. Wieder einmal wird Chaos an Bord veranstaltet aber irgendwann ist alles verstaut. Dann kommen unsere Freunde Lu und Carina vom Ammersee an, die uns mit ihrer „Olive“ die ersten Wochen entlang der französischen Kanäle begleiten. Als nächstes trudeln meine Mama, meine Schwester Babsi mit Neffe Samuel und Nichte Ronja sowie Ralf vom Bodensee ein. Feierabend. Diesen letzten Abend wollen wir mit unserer Familie und Freunden verbringen und suchen uns nach einem kühlen Feierabendbier ein schönes Restaurant in der Stadt. Jonatan und Ben, zwei sehr gute Freunde von uns, kommen auch noch dazu. Der Abend endet mit einem Absacker an Bord gegen Mitternacht. Morgen ist früh aufstehen angesagt, denn um 6 Uhr ist Krantermin für die Olive.

Mittwoch. Abfahrtstag. Irgendwie ist alles unreal. Nachdem die Olive schwimmt gibt es einen Kaffee an Bord, dann müssen die letzten Punkte abgehakt werden: Ölwechsel, Diesel holen, Liegeplatz bezahlen, Wassertanks auffüllen. Und Schiffstaufe: Als Taufpatin haben wir Babsi auserkoren und getauft wird mit einer großen Flasche Champagner, die wir zur Hochzeit bekommen hatten. Nach der Taufrede und den obligatorischen guten Wünschen für Boot und Crew wird der gute Tropfen unter Applaus großzügig über den Bug der aracange gespritzt. Der Rest der Flasche wird gerecht zwischen Neptun und allen Anwesenden aufgeteilt. Dann ein dreifaches Hip! Hip! Hurra! und das Boot heißt jetzt offiziell aracanga.

Dann wird es ernst. Irgendwie versuchen wir, den Moment des Abschied nehmens von unseren wichtigsten Menschen hinauszuzögern und wir fragen uns immer wieder, warum wir das eigentlich machen und nicht einfach zu Hause bleiben. Dann eine letzte Runde mit allen wichtigen Leuten an Bord, ein paar Meter den Rhein hinauf und wieder zurück zum Steg. Wir müssen uns die Tränen verdrücken als uns jeder noch einmal in den Arm nimmt und uns eine gute Reise wünscht. Dann heißt es Leinen los und langsam um die Landzunge in Richtung erster Schleuse. Riki steht an der Pinne und winkt und ich auf dem Dach der Sprayhood. Gemischte Gefühle, große Vorfreude und Abschiedsschmerz. Wir sind unterwegs. Noch ein letzter Blick zurück und wir sind um die Kurve. Schweigend und jeder seinen Gedanken nachhängend tuckern wir langsam auf die erste Schleuse zu und warten, dass wir einfahren dürfen. Die Olive legt kurz nach uns ab und kommt hinterher.

Eine knappe Stunde müssen wir warten, dann fahren wir zusammen mit einem großen Flußkreuzfahrer und einem Polizeiboot in die Schleuse. Die Polizisten liegen neben uns und geben uns ein paar gute Tipps für die großen Schleusen am Rhein, mit denen wir noch keinerlei Erfahrung haben. Aber es läuft alles gut und entspannt. Vier Schleusen, jede mit ca. 15 Meter Hub, und ca. 40 Kilometer liegen vor uns. Den Rheinseitenkanal kann man beschönigt als charmelos bezeichnen. Links und rechts Betonwände und zur Abwechslung hin und wieder Industrieschornsteine, Schrottplätze, Kläranlagen oder auch mal ein Atomkraftwerk. Andere Freizeitboote sehen wir kaum, nur hin und wieder die großen Flussschiffe, die Öl, Gas, Kies oder Container transportieren. Es wird spät am Abend, aber es gibt vor der Einfahrtsschleuse in den Rhein-Rhone-Kanal keine Möglichkeit zum festmachen und übernachten und so motoren wir nach Einbruch der Dunkelheit weiter und kommen gegen 23 Uhr bei der Schleuse Niffer an, die den Rhein vom Rhein-Rhone-Kanal trennt. Eine sehr freundliche und hilfsbereite Schleusenwärterin zeigt uns einen Liegeplatz für die Nacht und gegen Mitternacht erlischt dann das Gebrumme der Motoren, Feierabend, ein Glas Wein und dazu Kräcker. Nach diesem Tag, der lang und ereignisreich für drei Tage war, schlafen wir alle tief und fest.

Heute stand dafür nur wenig Programm an. Es ging ca. 15 Kilometer entlang des Kanals bis nach Mulhouse. Die ersten Kilometer ist der Kanal noch sehr breit, aber trotzdem wunderschön, gerade im Vergleich zum Rheinkanal. Ab dem Industriehafen von Mulhouse wird das Fahrwasser schmal, ab hier ist der Kanal nur noch für kleine Sportboote bis 3,8 Meter Höhe und 1,8 Meter Tiefgang befahrbar. Wir haben 1,65 und im Moment wahrscheinlich eher 1,7 Meter Tiefgang. Die nächsten Tage versprechen also, spannend zu werden.
Jetzt liegen wir im kleinen Hafen von Mulhouse, werden von einem sehr netten und hilfsbereiten Hafenmeisterpärchen mit guten Tipps versorgt und erledigen nach einem Stadtbummel und einem leckeren Eis die letzten Dinge am Computer, für die vor der Abfahrt keine Zeit mehr war.

Es grüßen von Bord der aracanga Riki und Martin (und natürlich Carina und Lu von Bord der Olive!)


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3 Kommentare

  1. Detlev Langenhahn

    Hi ihr beiden,
    ich habe zufällig euren Blog entdeckt, da wir Andrea und ich (Detlev) selber in den Vorbereitungen zum Blauwassersegeln stecken. Wir bleiben für immer (ok, so lange Neptun uns will) auf dem Wasser.
    Wir verfolgen EUCH…Online 🙂
    Wir wünschen euch jede Menge Spass, und allzeit immer ein handbreit Wasser unter dem Kiel, oder Bier unter dem Schaum.
    Liebe Grüße
    Andrea & Detlev

  2. Hallo ihr beiden,
    habe zufällig den Artikel im Landsberger Tagblatt entdeckt und mir eure Webseite gleich notiert!
    Bin zwar kein Segler aber mir gefällt dass was ihr macht. Ich wünsche ein super Zeit tolle Eindrücke und dass Alles klappt was ihr vornehmen wollt.

    Ciao Maxi

  3. Hallo Aracanga-crew,

    viel Spaß bei der Kanalfahrt und alles was noch kommt. Ihr machts richtig !!
    Bin 2000 mit einem IF-boot und 4 Ps Außenborder von Freiburg über den Rhein-Rhone-kanal ans Meer…..war herrlich…. dann aber „nur“ im Mittelmeer.

    Richte jetzt ein Boot für „größeres“ und lese euren blogg mit Freude und als Motivationshilfe …hier im Büro zum durchhalten 😉

    Falls Ihr einen Angler am Kanal seht der ein Fisch fängt macht ein Foto …..ich hab damals ca. 1734 Angler gezählt, aber nie einen mit was am Harken 😉

    Haut rein und laßt Euch treiben
    Ralf

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