Auf der Elbe zur Nordsee

Es geht los! Der Titel sagt es schon, wir sind unterwegs. Unser „Zubringer“ zur Nordsee ist die Elbe, aus guter alter Tradition geht es wieder einmal auf einem Fluss ans Meer. Nach einem abendlichen Abschiedsumtrunk samt Grillwurst und einer kurzen Nacht beschließen wir, doch nicht wie geplant um 8 in der Früh abzulegen. Erst einmal wollen wir gemütlich frühstücken und nicht wie geplant um 10, sondern erst um 12 unter der Kattwykbrücke, die nur alle zwei Stunden für den Schiffsverkehr öffnet, hindurchfahren. Um halb 11 werden dann die Festmacher losgeworfen und es geht durch die Hafenschleuse Harburg hart backbord hinaus in Richtung weite Welt mit Zwischenstopps in Hamburg, Brunsbüttel und Cuxhaven.

Hamburg

Die Ivalu im Köhlfleet mit Kurs auf die Elbe
Die Ivalu im Köhlfleet

Abgesehen von einem kleinen Regenschauer zeigt sich die Elbe von ihrer schönsten Seite und zwischen den Wolken blitzt sogar hin und wieder einmal die Sonne hindurch. Zwischen Tankern, Frachtern und Barkassen ziehen wir elbabwärts, von der Süderelbe in den Hauptstrom und kurz darauf schon wieder hart backbord in den Köhlfleet, einen Nebenarm der Elbe. Dort liegen wir an einem kleinen Anleger der Elbsegler, das Wasser ist herrlich ruhig und mit ein bisschen Phantasie kommt trotz etwas morbider Schwerindustrie hinter der Uferböschung fast das Gefühl auf, in so etwas wie Natur zu liegen. Hier treffen wir unsere Freunde Lu und Carina, die uns schon beim ersten Start unserer Reise durch Frankreich mit ihrer Olive begleitet haben, und dies auch beim Neustart der Reise wieder vorhaben. Die Olive in den Norden zu trailern war der Plan der beiden. Dann aber kam das großherzige Angebot von den Freunden Helga und Dirk, ihre „Hein Mück“ für die Tour zu nehmen. Gesagt – getan. Nur muss das Boot zuvor noch ausgewintert und geslippt werden, der Mast gestellt, die Segel angeschlagen, verproviantiert, gebunkert und klar Schiff gemacht werden. Aber kein Problem, wenn man so großartige Hanseaten wie Dirk, Axel, Peter und Heinz zur Hilfe weiß. Mit gekonnten Handgriffen und filmreifen Hamburger Schnack steht die Hein Mück im Nu auf der Sliprampe. „Nu warten wir op de Tied und dann swimmt der Kahn.“ Und so ist es, am späten Nachmittag liegt die Hein Mück neben der Ivalu am Steg und wir wenige Stunden später nach einem tollen, lehrreichen und spannenden Tag platt in der Koje.

Kurs Brunsbüttel

Wir schleppen ein dänisches Boot aus der Schleuse
Die Dänen im Schlepp

Nächster Tag. Die Tide ist uns wohlgesonnen und das Hochwasser nicht zu früh, sondern erst gegen 9. Nach dem Frühstück legen wir ab, Kurs Brunsbüttel. Die Hein Mück tuckert indes nach Wedel, um dort den Mast zu stellen und wir wollen uns am nächsten Tag wieder treffen. Die Fahrt ist relativ ereignislos, mit dem Strom und gegen den Wind, was eine etwas unangenehme Welle macht, entlang der wunderschönen Kulisse von Brokdorf und Krümel und der wirklich schönen Elbstrände. Pünktlich als der Flutstrom einsetzt stehen wir vor der Schleuse Brunsbüttel und nach einer ungewohnt kurzen Wartezeit fahren wir gemeinsam mit ein paar anderen Segelbooten in die Schleuse. Kurze Aufregung beim Boot zwei Plätze vor uns, er hat eine Leine im Propeller und treibt, nur am Bug festgemacht, um 180 herum und steht dann manövrierunfähig gegen die Fahrtrichtung in der Schleusenkammer. „Mit meinem Boot kann ich da leider gar nichts ausrichten“, meint der Skipper der schicken 17 Meter Yacht vor uns. Schade, mit seinem Bugstrahlruder hätte er sie wunderbar einfach aus der Schleuse schleppen können. Auch die anderen Boote sind erstaunlich schnell aus der Schleuse. „Wir nehmen euch die Leinen im Hafen entgegen“, ruft uns einer zu. Als die Schleuse leer ist, gehen wir mit der Ivalu längsseits an das dänische Boot, so dass unser Heck an deren Bug steht, und machen uns mit vier Leinen fest. Es stellt sich heraus, dass sie gerade auf den letzten Meilen ihrer Weltumsegelung sind und wir müssen lachen als ich (Martin) erzähle, dass ich am Ende meiner Weltumsegelung mit der Ivalu auch durch den Nord-Ostseekanal geschleppt werden musste. Unbeschadet fahren wir aus der Schleuse, nehmen das Boot dann an eine Schleppleine und fahren so die letzten Meter in den Hafen, wo unser Schleusennachbar sein Versprechen einhält, beim Anlegen hilft und die Leinen der Dänen entgegennimmt. Glücklicherweise konnten sie die Leine tauchend wieder aus dem Propeller wickeln und am nächsten Tag wie geplant weiterfahren.

Im Hafen von Brunsbüttel
Hein Mück und Ivalu im Päckchen in Brunsbüttel

Am Abend ist wieder einmal Abschiedsumtrunk angesagt: Ein paar Freunde von Peter und Jochem kommen nach Brunsbüttel, um die beiden Freunde zu verabschieden. Und schon ist der zweite Tag unserer Fahrt vorbei.

Am nächsten Tag bleiben wir im Hafen, warten auf die Hein Mück und waschen Windeln. Da Pampers und Segeln aus praktischen und ideellen Gründen nicht zusammenpasst haben wir uns für Stoffwindeln entschieden. Das macht zwar etwas mehr Arbeit, produziert dafür allerdings keinen Müll. Irgendwann gibt es bestimmt einmal einen Blogartikel übers Leben an Bord mit Baby, aber jetzt ist es noch zu früh dafür, daher reicht es an dieser Stelle mit den Windelgeschichten. Am Abend schmeißen wir den Grill an und es gibt gegrillten Fisch und Salat. Lecker!

Cuxhaven

In der Schleuse in Brunsbüttel
Durch den Rettungsring fotografiert: In der Schleuse Brunsbüttel

Nächster Stopp: Cuxhaven. Wieder raus aus der Schleuse und dann 16 Meilen flussabwärts. Hier mündet die Elbe in die Nordsee und hier ist unser letzter Hafen, bevor wir morgen in Richtung Helgoland aufbrechen. Mit starker Strömung und zeitweise zehn Knoten über Grundschießen wir die letzten Meilen Elbe hinab. Spannend ist die Hafeneinfahrt. Rechtzeitig queren wir den Fluss. Obwohl das Boot im rechten Winkel zum Strom steht, bewegen wir uns mit knapp vier Knoten flussabwärts. Puh, die Navigation passt und zack sind wir im Hafen. Den nächsten Tag nutzen wir, denn an Bord sind noch viele Kleinigkeiten zu erledigen bevor wir uns auf die Nordsee wagen, vor der wir trotz manch gesegelter Meile großen Respekt haben. Anker sichern, die letzten Dinge seefest verstauen, Sicherheitsequipment durchchecken und so weiter. Gegenüber von uns liegt eine junge Dreiercrew mit großen Plänen und frisch gekauftem Boot mit gewissem Renovierungsbedarf. Kurz nachdem sie den Hafen in Richtung Nord-Ostseekanal verlassen sind sie schon wieder da. Die Rollanlage klemmt und das halb ausgerollte Segel schlägt im Wind. Gemeinsam mit einem Stegnachbar versuchen wir, die Rollanlage wieder in Gang zu bringen, was im Masttopp mit der Entdeckung eines etwas ausgefranzten Vorstages endet und für die Drei auf ihrem Weg nach Kiel leider Motoren statt Segeln bedeutet. Viel Erfolg für Eure Pläne, ihr Drei! Bei uns ist jetzt so ziemlich alles von der Liste abgehakt und wir können segeln. Morgen soll es losgehen. Kurs Helgoland, wir kommen!

Polizeikontrolle
Alles in Lot aufm Boot

So, eigentlich endet der Artikel hier. Aber während ich die letzten Zeilen schreibe, kommt Peter mit zwei sehr sympathischen (Polizei)-Kollegen auf dem Steg ins Gespräch. Die Zwei sind von der Wasserschutzpolizei und kontrollieren das ein oder andere Boot in der Marina. Sie stehen vor der Ivalu.
„Dürfen wir an Bord kommen?“
Dann geht es los. Woher, wohin und so weiter.
„Aus Hamburg und nach Gambia.“
„Oh, das haben wir nicht alle Tage.“
Bootspapiere, Lizenzen, Sicherheitsequipment, Positionslaternen und so weiter, alles wird sehr professionell kontrolliert und für gut befunden. Ein Foto dürfen wir auch noch machen.

Jetzt ist aber Schluss!

Viele liebe Grüße von der ganzen Crew!

–> unsere Kaffeekasse <–

2 Kommentare

  1. Pingback:Staande Mastroute Teil 1 - Groningen bis Amsterdam - ahoi.blog

  2. Na dann mal wieder: “Fair wind and a following sea!” – ist einfach schöner als das deutsche “Mast- und Schotbruch!”.

    Alles Liebe, Kai vom Marinepool-Team

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