Eine Testfahrt, zwei Impfungen, drei Baustellen

Pläne sind etwas, das man bei Ebbe in den Sand schreibt. Und nach der nächsten Flut sind sie futsch und man kann neue Pläne in den Sand schreiben. Es ist schön, so flexibel zu sein, Ideen nach Lust und Laune über Bord zu werfen und neue zu spinnen. Aber leider sind es nicht immer wir, die bestimmen was passiert und somit wird manch schönes Vorhaben, auf das man sich freut, über den Haufen geworfen und endet in einer großen Baustelle an Bord. So unser erster geplanter Trip mit dem neuen Boot: Die Testfahrt nach Carriacou:

Carriacou, wir kommen (nicht)

Wir setzen die Segel der aracanga2
Endlich segeln

Endlich segeln! Nach ein paar Wochen am Anker freuen wir uns, die aracanga2 zu segeln und brechen auf nach Carriacou. Die Strecke ist an einem Tag machbar, wir planen jedoch ein paar Zwischenstopps auf dem Weg ein und möchten auf der Leeseite Grenadas zunächst bis zur Dragon Bay segeln. Also heißt es Beiboot hoch, Anker hoch, Segel hoch und los geht’s! Wenn das mal so einfach wäre. Bisher hatten wir nie ein Boot mit Davits, wo man das Beiboot wie an einem Kran hochziehen kann und somit auch wenig Ahnung davon. Die erste Lektion lernen wir schon direkt vor Hog Island und natürlich genau zwischen den Riffen: Wir müssen das Beiboot viel besser verzurren, damit es sich nicht aufschaukelt während des segelns. Oder noch besser den Motor abnehmen und an Deck lagern und nur das Beiboot hochziehen. Oder noch besser auf einer längeren Überfahrt Beiboot und Motor beides an Deck lagern. Nix passiert, zwei weitere Leinen um das Dinghi geworfen und eine Lektion gelernt. Anker hoch geht gut, das denken wir zumindest jetzt noch. Wirklich problemlos geht das Segel setzen.

Untiefe vor Grenada
The Porpoises – die wohl bekannteste Untiefe im Süden Grenadas

Unter Großsegel geht es zwischen den zahlreichen Riffen hinaus aus der Ankerbucht und dann unter gerefftem Groß und gereffter Genua, es ist doch etwas windiger als erwartet, um die Südwestspitze der Insel und entlang der Küste nach Norden. Das Segeln mit dem Katamaran ist gewöhnungsbedürftig, trotz des starken Windes segeln wir ohne Schräglage. Raumwinds geht es rasant voran, neun Knoten stehen längere Zeit auf der Logge. Dann luven wir an und sofort nehmen die Schläge der kurzen Welle spürbar zu. Glücklicherweise haben wir nicht vor, allzu lange Passagen am Wind zu segeln… Trotzdem, es macht Spaß den Kat zu segeln und die Lernkurve ist steil. Etwa fünfzehn Meilen später machen wir an einer Boje im Naturschutzgebiet der Dragon Bay fest. Hier merken wir sofort die Vorzüge des Katamarans: Trotz einer seitlichen Dünung liegen wir ruhig an der Boje. Wir springen ins Wasser, schnorcheln eine Runde ums Boot und am Riff entlang und zurück an Bord kontrollieren wir noch einmal die beiden Festmacherleinen, die unsere aracanga2 mit der Boje verbinden. Alles gut. Aber steht die Ankerwinde nicht etwas komisch an Deck? Ein Blick in den Ankerkasten, wo Motor und Getriebe der Winsch sitzen, offenbart die Bescherung:

Das gebrochene Getriebe
Es war einmal… ein Getriebe

Das Getriebe ist in zwei Teile gebrochen. Als wir etwas später die Winde auseinandernehmen stellen wir fest, dass abgesehen vom Motor auch der Rest des Teils völlig korrodiert ist. Soviel zum Thema, die Winde wurde frisch gewartet. Dort, wo einmal Lager und Dichtungen saßen, sind nur noch Rost und Aluoxid zu sehen… So ist das nunmal mit alten Booten und dem Pläne in den Sand schreiben… wir beschließen uns nicht zu ärgern. Da wir vor hatten, in und um Carrioacou viel zu ankern entscheiden wir uns zurück zu segeln und das Teil zu reparieren oder ersetzen bevor wir wieder aufbrechen. Es gibt einen Sundowner und als etwas später die Wasserpumpe kurz aussetzt die nächste Überraschung: Beim säubern des Vorfilters der Wasserpumpe, die in einem Fach unter dem Eingang sitzt, klingt das Holz etwas komisch. Also klopfen wir etwas darauf herum und zack klopft der Daumen durch das so schön lackierte Holz hindurch. Jetzt ärgern wir uns doch: Das ganze Holz und wie wir später feststellen das dahinterliegende Schott sind rott. Unter dem Fach und von außen nicht zugänglich sitzt der Mastfuß, ein Massives Stück Hartholz, das ebenfalls angegammelt ist.

Auf Fehlersuche
Nach und nach wird uns das Außmas des Problems bewusst

Jetzt bringt es nichts mehr zu sagen wir ärgern uns nicht, jetzt ärgern wir uns. Warum haben wir das bei der Bootsbesichtigung nicht festgestellt? Naja, ganz einfach, es ist nicht sichtbar gewesen, versteckt hinter Wänden und schönem Lack. Das ganze Ausmaß des Problems sehen wir erst, als wir viele Schrauben lösen, Einbauten und Schrankrückwände abmontieren und kopfüber tief in der Bilge hängen. Somit steht unsere Baustelle Nummer Zwei fest, gegen die die gebrochenen Ankerwinde zur Kleinigkeit verkommt. Mit unserem Trip nach Carriacou wird es wohl in den nächsten Wochen nichts, jetzt sind erst einmal Arbeitstage angesagt. Zumal wir ja noch die Baustelle Nummer drei haben, die wir eigentlich angehen wollten: Den Dodger und das Hardtop.

Der Skulpturenpark

Die aracanga2 an einer Boje
An einer Boje am Skulpturenpark

Probleme hin, Probleme her, wo wir schon einmal da sind fahren wir am nächsten Tag in die Nachbarbucht an eine andere Boje zum schnorcheln. Hier befindet sich der Sculpture Park, gleichermaßen ein Kunst- wie ein Naturschutzprojekt.

Eine Gruppe von Kindern hält sich an der Hand - Grenada Sculpture Park
Eine Gruppe von Kindern hält sich an der Hand und schaut in den Ozean.

Lebensgroße Figuren aus Beton stehen auf dem Meeresgrund, alleine oder in Gruppen, und dienen als eine Art Basis für neue Korallenriffe. Die spezielle Struktur der Oberfläche wird von den Polypen gerne angenommen und wie man erkennen kann, wachsen bereits Korallen auf den etwa 15 Jahre alten Figuren. Das Schnorcheln rund um den Skulpturenpark ist spannen, beeindruckend und ein bisschen gruselig. Aber vor allem ist es schön zu sehen, dass Anstrengungen wie der Skulpturenpark Früchte tragen, vor allem wenn man bedenkt, dass aufgrund der sich erwärmenden Meerestemperatur in den nächsten 30 Jahren aller Voraussicht nach der größte Teil aller weltweiten Korallen gestorben sein wird…

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Zwei Impfungen

die aracanga2 vor Hog Island
Zurück bei Hog Island

Abends beschließen wir, auf dem Rückweg in Saint George’s zu stoppen, um uns am darauffolgenden Tag impfen zu lassen. Hier in Grenada kann sich jeder, egal welcher Nationalität, kostenlos gegen Covid19 impfen lassen. Vor der Hauptstadt Grenadas machen wir an einer Boje fest und in der Früh fahren wir mit dem Beiboot an Land und mit dem Bus zum Stadium, wo geimpft wird. Es ist viel los im profisorischen Impfzentrum, aber es ist gut organisiert und mit Babybonus sind wir eine Stunde später schon wieder auf dem Weg zurück zum Boot. Glücklicherweise liegt am nächsten Tag nur einer von uns flach und während ich in der Koje liege und vor mich hin leide ist Riki fleißig und kümmert sich um Kind und Boot. Der zweite Tag nach der Impfung ist dann nicht mehr so schlimm und wir motoren zurück nach Hog Island, wo wir uns mangels Ankerwinde an einer Boje festmachen.

Baustelle nummer drei: Dodger und Hardtop

Alle arbeiten mit… ganz nebenbei werden auch noch die Fenster neu abgedichtet

Den Mastfuß lassen wir erst einmal Mastfuß sein und das rotte Schott ebenso. Zuerst kümmern wir uns um die lecken fenster und wie geplant um den Dodger und das Hardtop, was wir vorhatten zu bauen. Der Dodger ist eine Art Windschutzscheibe und davon ausgehend soll ein fetses Dach das komplette Cockpit bedecken und vor Wind, Regen und überkommenden Wellen schützen. Der Grund, warum wir uns zuerst darum kümmern ist, dass unser Freund Paul, Bootsbauer von Beruf, uns seine Hilfe dabei zugesichert hat, er jedoch nur noch etwa einen Monat auf Grenada sein wird. Bauen möchten wir das Ganze aus Nida Core, einer Trägerplatte mit einer Wabenstruktur, die auf beiden Seiten mit drei Lagen Glasfaser und Polyesterharz überlaminiert wird und somit extrem steif und hart wird. Fünf Platten mit jeweils 1,2 x 2,4 Meter benötigen wir, dazu etwa 40 Liter Harz und 72 Meter Glasfasermatten. Und Pinsel und Rollen und Schleifscheiben und Aceton und und und… Puh, ganz schön viel und ganz schön teuer, aber mit Sicherhheit sein Geld wert, vor allem wenn wir irgendwann einmal die Tropen verlassen werden. Bevor wir überhaupt mit der eigentlichen Arbeit starten können, benötigen wir einen Ort zum arbeiten und einen großen Tisch. Den Ort finden wir bei Island View, wo die einheimischen Bootsbauer ihre Speedboote bauen. Zwischen zwei Palmen spannen wir eine Plane gegen Sonne und Regen und darunter bauen wir einen 2,5 x 3,5 Meter großen Tisch, genauso groß wie das Dach am Schluss sein wird. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: Unter Pauls Anleitung laminieren wir an zwei Tagen die ersten beiden Platten, aus denen wir dann die Fronten und Seitenteile ausschneiden. Das Projekt Dodger und Hardtop wird jedoch (mindestens) einen extra Artikel geben. Für heute ist hier Schluss.

Viele liebe Grüße senden die drei aracangas Kira, Riki und Martin

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

2 Kommentare

  1. Pingback:Endlich... wieder unterwegs - ahoi.blog

  2. Liebe aracanga II Crew,
    aus der Ferne fühlen wir mit Euch und wünschen Euch rasche Reparaturergebnisse. Bisher habt Ihr gemeinsam alles bewältigt und auch das schafft Ihr – zumal noch unterstützt von Paul und die offensichtlich sehr begabte Kira 🙂
    Liebe Grüße vom Ammersee und OIS GUADE ! Eure LuCa

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