Seerosen und Untiefen

Heute sind wir genau eine Woche unterwegs. Wirklich weit sind wir zwar noch nicht gekommen, aber es fühlt sich schon richtig weit weg an. Im Moment liegen wir unter der Schleuse Nummer 43 im Fuß Doubs, der ein Teil des Rhein-Rhone-Kanals ist. Der Kanal verbindet, wie der Name schon sagt, die Flüsse Rhein und Rhone miteinander. Er ist 237 Kilometer lang und hat 112 Schleusen, die zu beiden Seiten von oben nach unten gezählt werden. 90 Schleusen haben wir bereits hinter uns.

Wir sind unterwegs mit unseren Freunden Lu und Carina vom Ammersee, die unsere aracanga die ersten Wochen mit ihrer Olive, einer Waarschip 660, begleiten. Und um dieses Begleitschiff sind wir sehr froh, nicht nur weil wir sehr viel Spaß und eine gute Zeit zusammen haben, sondern auch weil wir uns heute einmal an einer Untiefe so fest gefahren haben, dass uns die kleine Olive mit ihrem 5 PS Außenborder aus dem Schlick hat ziehen müssen. Der Kanal und der Doubs haben wegen des heißen, regenarmen Sommers sehr wenig Wasser. Normalerweise ist der Kanal für Boote bis 1,8 Meter Tiefe passierbar, also kein Problem für unsere 1,65 Tiefgang. Allerdings ist die Wasserzufuhr für den Kanal im Moment limitiert und dieser gerade offiziell nur bis 1,6 Meter problemlos passierbar. Da wird es schon knapp, aber wer nicht wagt der nicht gewinnt. Wir müssen uns teilweise sehr langsam voran tasten – gerade in den Flussabschnitten – und sind gestern einmal auf einen großen Stein im Fluß geknallt. Es hat einen kurzen, heftigen Schlag getan, das Boot ist etwas nach vorne gekippt und dann über den Stein weggerutscht. Das war der einzige wirkliche Schockmoment bisher, der uns aber noch den ganzen restlichen Tag in den Knochen gesteckt ist. Und es war auch ein bisschen selbstverschuldet. 15 Meter Abstand vom Ufer halten heißt eben 15 Meter und nicht 50 Meter. Wir als noch unerfahrene Binnenschiffer dachten mit etwas mehr Abstand wären wir auf der sicheren Seite. Jetzt sind wir schlauer. Ansonsten sind wir ein paar Mal im Schlick stecken geblieben, aber nie ernsthaft oder schlimm. Das ist des niedrigen Wasserstandes geschuldet und in der Regel können wir uns rückwärts wieder frei fahren und probieren es 10 Meter weiter an Backbord oder an Steuerbord noch- und nochmal bis wir eine Passage finden. Meistens passiert so etwas an den Ausfahrten der Schleusen, wo der Fluss kleine Sandbänke angespült hat, dort sind wir mittlerweile besonders vorsichtig. Es ist schon irgendwie komisch, auf die Nachkommastellen auf dem Tiefenmesser zu achten. Früher bin ich nervös geworden, wenn die Tiefe zweistellig wurde, im Moment ist bis 1,8 Meter Tiefe noch alles cool.

Abends liegen wir meist an versteckten, idyllischen Anlegern mitten in der Natur oder in beschaulichen, kleinen, französischen Ortschaften, die aussehen wie einer Filmkulisse entsprungen. Besonders gut gefallen hat uns der Ort Dampierre sur le Doubs, wo wir umrahmt von Seerosen unter einer mittelalterlichen Kirche festgemacht haben und morgens frisches Baguette und Kaffee auf der Hafenmauer genossen haben.

Es ist noch etwas schwer zu glauben, dass nach diesen schmalen, teilweise nur wenige Meter breiten, Kanalanschnitten mitten im Grünen irgendwo das Meer auf einen wartet, aber es ist ein rundum gelungener Start der Reise, und die wunderschöne Landschaft macht den niedrigen Wasserstand und die vielen Untiefen allemal wieder wett.

Viele liebe Grüße und au revoir, Riki und Martin


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Ein Kommentar

  1. Ahoi!

    Ein Wort

    „Saugeil!“

    Wünsche euch unvergessliche Momente, ganz viel Nähe und handbreit eh! Bin sehr gespannt auf euren „Spaziergang“ 😉

    Viele Grüße, Peter

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