Zweieinhalb Lebenszeichen

Riki in Griechenland

Es ist einige Zeit her, dass wir einen Artikel geschrieben und ein Lebenszeichen gegeben haben. Ein Lebenszeichen ist ja stark untertrieben und selbst zweieinhalb Lebenszeichen wie im Titel ist noch untertrieben. Eigentlich müsste es ja heißen zweivierfünftel Lebenszeichen, denn seit gestern sind wir (bzw. ist Riki) im achten Monat. Und während so einer Schwangerschaft lernt man eine ganze Menge, zum Beispiel auch, dass es zehn und nicht neun Monate dauert, bis der Leichtmatrose ausgebrütet ist. Das heißt in unserem Fall noch ca. zwölf Wochen Endspurt, dann ist es vorbei mit der Ruhe an Bord. ETA: 02.02.2020. Jedenfalls geht es uns Zweivierfünftel sehr gut, auch wenn Riki sich immer mal wieder stöhnend die Hände vor den Bauch hält und von innen getreten wird, und wir freuen uns schon auf das Bordleben zu dritt.

Lange haben wir überlegt, was wir während der Zeit, die wir zuhause verbringen, mit diesem Blog machen sollen. Sollen wir weiterhin wie gehabt drei bis vier Artikel im Monat schreiben, nur mit dem Unterschied, dass sich unser Leben kaum von dem der meisten Leser unterscheidet… Aber wer will schon nach Feierabend einen Artikel über ein mehr oder weniger alltägliches Arbeitsleben lesen? Und Schwangerschaftsblogs gibt es auch schon zur Genüge. Oder sollten wir all die Geschichten, die wir unterwegs erlebt haben, noch einmal aufwärmen, wo ja schon alles niedergeschrieben ist? Naja, wir haben uns dafür entschieden zu schreiben, wenn es etwas Interessantes zu berichten gibt. Und das ist für uns die Segelreise. Deswegen kündigen wir mit diesem Artikel ein kleines, neues Kapitel „aracanga“ an. Denn morgen werde ich (Martin) zusammen mit meinem Papa Peter nach Gambia fliegen, um uns einen Monat um das Boot und alle weiteren Projekte, die wir dort begonnen haben, zu kümmern. Riki wird aus wohl nachvollziehbaren Gründen nicht mit nach Afrika fliegen und sich noch etwas gedulden müssen, bis es auch für sie wieder an Bord geht.

So, jetzt ist dieser Artikel aber schon begonnen und daher schreiben wir doch noch ein paar Worte über die letzten Monate zu Hause. Keine Sorge, es wird nicht zu ausführlich.

Interboot und Segelradio

Martin auf der Interboot am Stand der YACHT
Die Interboot in Friedrichshafen

Zunächst war da die „Interboot“ in Friedrichshafen. An beiden Messewochenenden waren wir auf dem Stand der YACHT und durften pro Tag zwei Vorträge halten, einen über unsere Westafrikareise und einen zum Thema „Kleines Boot auf großer Fahrt“. Uns haben die Vorträge viel Spaß gemacht und aus dem, was wir so an Rückmeldungen bekommen haben, schließen wir, dass es auch für die Zuhörer nicht ganz langweilig war. Jedenfalls waren, trotz dass die Messe gefühlt eher mau besucht war, bis auf den letzten Vortrag immer alle Sitzplätze belegt und meistens standen auch noch einige Zuhörer im Gang.

Zuhören konnte man nicht nur auf der Messe, denn im Sommer hatten wir einen sehr sympathischen Besuch von Hinnerk Weiler vom Segelradio mit seinem kleinen Parson-Russel Terry (dem das Interview aber ziemlich schnuppe war und der lieber nach Ameisen gebuddelt hat). Also, da treffen sich zwei Bayern mit einem Hamburger, der allerdings in der Schweiz lebt, in einem Garten bei Landsberg am Lech und heraus kommt ein „Bordgespräch“ über Westafrika. Klar, oder? Uns hat es jedenfalls sehr großen Spaß gemacht und wir freuen uns schon auf das nächste Bordgespräch, wann und wo auch immer das ein wird. Am besten, Ihr hört einfach selbst rein: https://www.segelradio.de/gambia-river-segeln-in-westafrika/

Oh wie schön ist Crotone Griechenland

Im hafen von Crotone
Die „Hati Hati“ in Crotone, Italien

Im Oktober sind wir relativ spontan nach Griechenland geflogen, um mit unseren Freunden Thomas und Anna und dem kleinen Noa auf ihrer „Hati Hati“ für zwei Wochen durch die Inselwelt zu schippern. Von Korfu aus ging es zuerst ein paar Meilen nach Süden, um dann quer über die Adria mit leider wenig Wind nach Crotone, Italien zu segeln. Für die 140 Seemeilen haben wir ca. 30 Stunden gebraucht, allerdings ist immer wieder auch die Maschine mitgelaufen, denn sonst wäre es mit der alten Dünung und kaum Wind sehr ungemütlich geworden. Zum Lohn für die Quälerei haben wir allerdings einen stattlichen Thunfisch gefangen, von dem wir vier Tage gegessen und ein Viertel dem Hafenmeister in Crotone geschenkt haben. Die seglerisch nicht so tolle Hinfahrt wurde durch beständigen Wind und eine umso schönere Rückfahrt ein paar Tage später wieder gut gemacht. Und wer in seinem Leben noch nicht in Crotone war: Ihr habt nichts verpasst. Erkenntnis der beiden Überfahrten: Es war die richtige Entscheidung, nicht vor der Geburt (also jetzt) noch über den Atlantik zu segeln, denn für Riki mit ihrem dicken Bauch war die Segelei deutlich anstrengender als normalerweise.

In der Hängematte
So lässt es sich aushalten… auf der Insel Paxos, Griechenland

Die Zweite Woche auf der „Hati Hati“ stand dann ganz im Stern des Genießens: Kurze Überfahrten, schöne und glasklare Ankerbuchten und im Gegensatz zur Hauptsaison war es auch nicht mehr ganz so überlaufen, auch wenn wir darüber etwas verschiedener Ansicht waren.

Zitat Riki: „Für Martin ist eine Bucht schon überlaufen, wenn nur ein anderes Boot darin ankert.“

Naja, ganz so schlimm ist es nicht.

Mit dem SUP unterwegs
Herbststimmung auf dem Lech

Unser neues Beiboot (oder besser Beibord)

Ein paar schöne Spätsommertage hatten wir noch, nachdem wir von Griechenland zurückgekommen sind. Diese Tage haben wir ausgiebig unser neues „Beiboot“ getestet, denn wir sind seit ein paar Monaten stolze Besitzer eines SUP. Und was sollen wir schreiben? Es ist mega! Das Paddelbord soll uns einen etwas größeren Aktionsradius und mehr Unabhängigkeit am Ankerplatz geben und wir freuen uns schon darauf, es bald an Bord der „aracanga“ zu nutzen. Wer sich übrigens auch so ein SUP zulegen möchte, der bekommt mit dem Code „AHOI10“ zehn Prozent Nachlass bei Bluefin, vielleicht ist ja noch (bzw. schon) wer auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk.

Und was treiben die Streuner so?

Der Streuner auf dem Strand von Dakar
Der „Streuner“ auf dem Strand von Dakar

Für uns geht es morgen nach Westafrika, wer schon dort ist sind unsere Freunde die „Streuner“. André hat das Boot zusammen mit unserem Gambianischen Freund Gee nach Dakar gesegelt, wo es zum Refit auf einem etwas archaisch anmutendem Slipwagen auf den Strand gezogen wurde und die Beiden seitdem gegen die Zeit arbeiten, den Streuner in neuem Glanz wieder ins Wasser zu bringen. Nach einem Monat läuft das senegalesische Cruising Permit ab (Das Problem kennen wir ja noch von unserer Zeit in der Casamance) und bis dahin muss das Boot das Land verlassen haben, möchte man nicht eine teure Verlängerung beantragen. Aber den Bildern und Videos nach, die wir von den beiden geschickt bekommen, sind sie gut im Rennen. Ein paar schadhafte Stellen wurden geschweißt und auch die neue Grundierung ist schon wieder drauf. Auf geht’s Streuner!

Das war’s auch schon von uns, die nächsten Wochen werden wir uns wieder etwas regelmäßiger melden.

Viele liebe Grüße, die Zweivierfünftel.


Freiheit auf Zeit – Weltumsegler erzählen (Kristina Müller)

Jede Weltumsegelung ist eine Liebesgeschichte. Erzählt von Männern und Meeren, von Frauen und Freiheit. Und von der Verwirklichung lang gehegter Träume.
Vor diesen Geschichten sei gewarnt. Sie können akutes Fernweh auslösen und Reisefieber verursachen, bis hin zu dem drängenden Verlangen, jetzt, gleich und hier alles stehen und liegen zu lassen, auf ein Boot zu steigen und davon zu segeln…

Zwölf Weltumsegelungen – zwölf ganz unterschiedliche Geschichten – unter Anderem die Geschichte unserer Weltumsegelung mit der Ivalu von 2010 bis 2013 


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2 Kommentare

  1. Schön wieder von Euch was zu hören. Und schön das die Yacht euch Gelegenheit gibt auf der Messe von Euern Erlebnissen erzählen zu können. Bei Martins Weltumseglung mit der Ivalu sprachen wir einen Mitarbeiter der der Zeitung auf der Berliner Messe darauf an. Stiessen aber nur auf Desinteresse trotz dem damals schon angelaufenen Umweltprojekt. VLG von den Buschis

  2. Martin & Peter viel Spaß in Gambia. Kommt gut an und wir freuen uns auf Eure Berichte.

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