Martinique

Und plötzlich sind wir wieder dort, wo unsere Reise 2018 begonnen hat, in Frankreich… Zwischen Weihnachten und Sylvester kommen wir nach einer wunderschönen Überfahrt im Morgengrauen in der großen Bucht von Le Marin auf Martinique an. Die zu Frankreich und zur EU gehörige Insel liegt etwa mittig in den kleinen Antillen und ist die Bevölkerungsreichste des Inselbogens. Und nicht nur Menschen, auch Boote sind hier zahlreich vertreten.

Kira schläft noch, als wir im Morgengrauen langsam in die Bucht einlaufen. Zunächst erblicken wir nur drei Masten, hier muss also der Ankerplatz sein. Kurze Zeit später finden wir uns in einem Gewimmel von hunderten und aberhunderten Ankerliegern wieder und haben das Gefühl, keinen Ausweg aus dem Labyrinth an Booten zu finden.

Kira schläft noch, als wir im Morgengrauen in Martinique einlaufen (nein, das Bild ist nicht gestellt!)

Kurzfristig beschließen wir, nicht hier vor Saint Anne im äußeren Bereich der Bucht zu ankern, sondern die kurze Strecke bis nach Le Marin weiterzufahren und dort in der Nähe von André und seinem Streuner den Anker zu werfen. Gegen sechs Uhr, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, liegen wir neben dem kleinen, türkisen Boot am Anker. André, von dem wir wissen, dass er ein Frühaufsteher ist, und seine Freundin Beate, die wir gleich kennenlernen werden, kommen rüber gerudert und gemeinsam genießen wir die erste Tasse Kaffee. Schön. Die frühen Morgenstunden, wenn alles ruhig und das Wasser oft spiegelglatt ist, sind oftmals die schönsten Stunden des Tages. Kurze Zeit später geht die Sonne glühend am Horizont auf und schickt die ersten warmen Strahlen an Bord.

Wir bleiben drei Tage in Le Marin. Es ist nicht schön, aber sehr praktisch hier. Lebensmittel sind im Vergleich zu den anderen Inseln der Antillen auf Martinique sehr günstig und auch ansonsten findet man viel, wonach man in der restlichen Karibik vergeblich sucht. Der erste Gang zum Einkaufen ist ein kleiner Kulturschock, sind wir doch von den vielen Monaten in Grenada und Saint Vincent eher Kioske als Supermärkte gewohnt. Plötzlich zahlen wir wieder mit Euros, obwohl wir mitten in der Karibik sind, bekommen Baguette und Croissants beim Bäcker um die Ecke und telefonieren mit unserer deutschen Handynummer. Wüssten wir nicht, dass wir viele Meilen über den Atlantik hierher gesegelt sind, wir würden uns irgendwo in Südfrankreich am Mittelmeer wähnen. In der Zwischenzeit kommt auch Thomas mit seiner Irmi an und ankert ebenfalls nebenan.

Vor Anker in Saint Anne. Viel Regen auf Martinique, dafür aber auch viele Regenbögen

An Sylvester schleppen wir zunächst den Streuner mit seiner aktuell defekten Zylinderkopfdichtung mit unserem Dinghi nach Saint Anne und fahren nachmittags ebenfalls die kurze Strecke zu dem zwar ebenso überfüllten, aber doch weitaus schöneren Ankerplatz. Wieder ankern wir, Streuner, Irmi und aracanga2, nebeneinander und verabreden uns für den Abend bei uns an Bord. Dann wird Fleisch eingelegt, es werden Salate gemacht, Saucen angerührt und Nachspeisen vorbereitet. Am Abend kommen Beate, André und Thomas zu uns rüber. Der Grill brutzelt und Kira, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, Getränke aus dem Kühlschrank zu holen und zu verteilen, füllt uns alle in den nächsten Stunden nach Strich und Faden ab. Um acht Uhr gibt es ein großes Feuerwerk aus nächster Nähe, das für viele „Ohs“ und „Ahs“ sorgt und Kira mit weit aufgerissenen Augen und Mund staunen lässt. Seitdem redet sie tagtäglich von „rot, gelb, grün, bumm!“ und fragt jeden Abend nach einer Wiederholung. Kurz darauf geht es für die Kleine ins Bett und wir malen uns schon aus, wie erst das Mitternachtsfeuerwerk ausfallen wird, wenn schon am frühen Abend so ein Spektakel dargeboten wird. Die Zeit bis zwölf Uhr geht schnell rum, auf Bier folgt Wein folgt Rum und von Feuerwerk zum Jahreswechsel keine Spur. Macht aber nichts, so wie es war, war es perfekt, für alle super Abend und ganz speziell für Kira ein bleibendes und beeindruckendes Erlebnis.

In den Tagen nach Sylvester machen wir uns viele Gedanken über die kommenden Monate. Wir sind nach Martinique gesegelt mit dem Plan, hier zur Geburt von Kiras Geschwisterchen zu bleiben. Aber zu 100% hatten wir uns doch noch nicht festgelegt, vieles spricht fürs hierbleiben, vieles spricht fürs nach Hause fliegen. Nach einigem Hin und Her überlegen entscheiden wir uns dann doch dafür, Flüge nach Deutschland zu buchen und am 10. Februar für drei Monate zu Hause zu fliegen. Wir sind hin- und hergerissen, einerseits fällt es uns schwer, das Boot so lange allein auf Martinique zu lassen und von der karibischen Wärme in den süddeutschen Winter zu reisen, andererseits, und das andererseits überwiegt schwer, freuen wir uns riesig auf Familie und Freunde.

Belohnung für eine nasse Wanderung

Die nächsten Tage vergehen und verschwimmen, wir liegen vor Anker am Strand und Kiras neues Highlight ist der nahegelegene Spielplatz, im Idealfall zusammen mit „Ate und Andrrrrré“ mit gerolltem R. Jeden Morgen steht die Kleine an der Reling und ruft rüber zu den beiden, dann gibt es gemeinsam Kaffee bei uns oder auf dem Streuner und die Tage vergehen beim sandeln und rutschen, schaukeln und wippen. Von Saint Anne aus gibt es einen wunderschönen Wanderweg entlang der Küste, an Felsen und Stränden vorbei, nach Grand Anse de Salines. Wir suchen uns zwar einen reichlich verregneten Tag für die Wanderung aus, werden dafür aber umso mehr mit wunderbar-kitschigen Regenbögen belohnt. Leider ist für Bete ihr Urlaub schon bald zu Ende und es geht zurück nach Hause. Bis bald, wir freuen uns schon auf deinen nächsten Besuch beim André und hoffen, dass wir dann wieder in unmittelbarer Nachbarschaft vor Anker liegen.

Eine kurze Unterbrechung, unten geht’s weiter… Etwas Werbung in eigener Sache…


Elmo und das geraubte Blau

von Martin Finkbeiner

Elmo ist ein Klabautermann. Da sein Schiff untergegangen ist, lebt er an Land, im friedlichen Städtchen Kapkap. Eines Tages spielt ihm das Schicksal ein neues Boot in die Hände und er bricht auf, um die Welt zu sehen. Doch daraus wird nichts – denn finstere Mächte trachten danach, Verderben über den Ozean und seine Bewohner zu bringen. Auch Elmos Freundin, die Meeresprinzessin Sira gerät in große Gefahr. Elmos Reise wird zu einem gefährlichen Abenteuer. Zusammen mit seinen Freunden stellt er sich gegen die Panzerechse Leviathan, den Feind des ozeanischen Gleichgewichtes und Feind aller Schönheit und Friedfertigkeit. Mit hinterhältigen Tricks und einer furchterregenden Armee will dieser die Meeresbewohner ihres Glücks berauben.


Und dann ist da ja immer noch Corona, auch wenn es keiner mehr hören kann. Glücklicherweise bekommen wir hier auf Martinique nur wenig davon mit und außer den obligatorischen Masken in geschlossenen Gebäuden leben wir ziemlich uneingeschränkt. Ach ja, eine Ausgangssperre ab 20 Uhr gibt es auch, aber wir gehen abends ohnehin wenig weg und schlafen nachts, daher stört uns das wenig. Hier in Martinique lassen wir uns die dritte Impfung reinpfeiffen, jedoch an zwei unterschiedlichen Tagen, um nicht beide gleichzeitig flach zu liegen. Zuerst bin ich (Martin) an der Reihe und fahre gemeinsam mit Thomas ins lokale Krankenhaus. Obwohl nur etwa zwanzig Leute vor uns warten, dauert es schlappe vier Stunden, bis wir an der Reihe sind. Den Grund hierfür erfahren wir, als wir ins Arztzimmer gebeten werden: Dort sitzt ein wahrscheinlich aus seinem wohlverdienten Ruhestand zurückbeorderter, schlecht gelaunter älterer Herr, dem seine Maske unter die Nase und auch schon fast von den Lippen rutscht, und der ganz offensichtlich zum ersten Mal einen Computer bedient. Die Arzthelferin neben ihm verdreht schon jedes Mal die Augen, wenn der Herr Doktor eine halbe Minute nach dem nächsten Buchstaben auf seiner Tastatur sucht. Die Hierarchie in diesem kleinen Raum ist bedrückend: Geschlecht, Hautfarbe, Alter, wie man es dreht und wendet, es ist traurig. Eine halbe Stunde später sind wir durch, das Sahnehäubchen dieses skurrilen Ausflugs ist jedoch, als ich meinen gelben Impfpass auf den Tisch lege mit der Bitte um eine Unterschrift und einen Stempel. Jetzt rastet der Herr Doktor aus. Die Computerausdrucke müssen reichen, meint er. Als ich meine Bitte wiederhole, schmiert er wild und achtlos und mitten in das Dokument drei Unterschriften, wird laut und beordert mich nach draußen. Einen Stempel gibt es nicht. Vielen Dank.

Geburtstag!

Zwei Tage später geht Riki zum Impfen, an einem Samstagvormittag. Zwanzig Minuten, ein anderes Impfteam, freundlich und effizient, mit Unterschrift und Aufkleber im Impfpass. Geht doch.

Heute ist der 24., Kiras Geburtstag. Letztes Jahr Gambia, heuer Martinique. Sie macht gerade Mittagschlaf. Nach dem Frühstück packt sie das große Geschenk aus und stellt mit leuchtenden Augen fest, dass es ein Brum-Brum ist. Alles mit Rädern ist ein Brum-Brum, und alles mit Außenborder ebenfalls. Kiras neues Brum-Brum ist ein Laufrad. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Beiboot Brum-Brum und dem Laufrad Brum-Braum im Gepäck nach Saint Anne, um die ersten Stolperversuche auf dem gepflasterten Platz vor dem Spielplatz zu unternehmen. Die ersten Fahrversuche gleichen noch denen eines betrunkenen Seemanns auf Landgang, aber schon kurze Zeit später kann man das betrunken durch angeheitert austauschen und schon bald wird es kein Halten mehr geben. Wenn Kira jetzt gleich aus dem Mittagsschlaf aufwacht, kommen einige Freunde vorbei zum Kaffee und Kuchen und später am Abend darf dann Kira ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen, die Gäste mit reichlich Getränken zu versorgen.

Kiras Geburtstagsparty, am Abend gibt’s Spaghetti für alle: Manon, Thomas, Simone, Ricky, Martin und Kira, André (sorry für die unvorteilhafte Pose), Lucie und Marcel

Aktuell sind wir zu viert an Bord, hier in Le Marin haben wir Lucie kennengelernt, die gerade von der Atlantiküberquerung kommt und auf der Suche nach einem Boot ist, das wiederum Crew sucht. Wir segeln zwar in den nächsten Monaten nirgendwo hin, haben aber eine freie Koje für die Zwischenzeit anzubieten. Es ist schön, ein neues Gesicht und etwas Abwechslung an Bord zu haben, neue Geschichten zu hören und auch Geschichten aus der Heimat, denn wie es so ist, die Welt ist ein Dorf und wir haben mehrere gemeinsame Bekannte, von denen auch hier im Blog schon die Rede war: Andrea und Jörg aus Carriacou und der Paul, mit dem wir in Grenada unseren Dodger und Hardtop gebaut haben und der aktuell mit seiner Wasa in Panama ist.

Lieber Paul, da gerade die Rede von Dir ist, dieses Bild ist für Dich (hier steht, warum)

Es grüßen ganz herzlich von Bord Riki, Kira, Lucie und Martin

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–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

Ein Kommentar

  1. Ach das Ziel haben wir auch noch auf unserer Liste. Danke für den schönen Bericht.

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