Einklarieren in Gambia

Der Ankerplatz in Banjul ist ein Labyrith aus Wracks
Der Ankerplatz bei Half Die – der Name ist Programm. Das Bild ist zwar aus 2019, aber es hat sich wenig verändert hier.

Wir sind zurück in Gambia. Exakt fünf Monate nach unserem Start in Hamburg fällt der Anker vor dem Stadtteil Half Die und wir hissen unter der Gastlandflagge die gelbe Flagge. Diese steht für den Buchstaben Q – Quarantäne – und damit kündigen wir an, dass an Bord alles wohlauf ist und wir einklarieren möchten. Auf Kanal 16 rufen wir „Banjul Port Authority“ und erkundigen uns nach der Vorgehensweise. Wir sollen an Land kommen und uns am Securitygate melden, von wo aus wir dann zur Immigration begleitet werden. Also packen wir unsere Pässe und Schiffspapiere ein, zusätzlich einen Mund-Nasen-Schutz und in weiser Voraussicht das Fieberthermometer, da ein Temperaturcheck Vorschrift ist.

Willkommen in Gambia

Am Gate werden wir mit einem „Welcome in the Gambia. I recognice you, you were here before with that big blond man!“ freundlich empfangen. Ja, das stimmt, vor knapp zwei Jahren sind wir hier zusammen mit den „Streunern“ angekommen. Der Sicherheitsmann notiert unsere Namen und Ausweisnummern und möchte die Körpertemperatur messen. Er hat jedoch kein Thermometer. Glücklicherweise haben wir unseres dabei, ansonsten müssten wir jetzt wahrscheinlich längere Zeit hier warten. Eine Dame der Immigration begleitet uns anschließend durch den geschäftigen Gewerbehafen. Im obersten Container eines hohen Stapels sitzt ein Hafenarbeiter und entlädt einzelne Cornflakespackungen, indem er sie seinem Kollegen am Boden zuwirft, der diese wiederum in ein Tuk-Tuk verlädt. Große, mit Zement beladene LKWs rangieren rasant durch die engen Gassen zwischen den Containern und immer wieder kommt es zu Hupkonzerten und wilden Ausweichmanövern. Und daneben, im Schatten eines anderen Containers, sitzt eine Gruppe Zollbeamte beim Ataja, dem traditionellen Tee. Willkommen in Banjul. Was für ein Kontrast zu der einsamen Woche auf dem Ozean, die gerade hinter uns liegt!

Einklarieren in Gambia: Die gelbe Flagge Q weht unter der Gastlandflagge
Die gelbe Flagge zeigt an, dass alles an Bord wohlauf ist und wir einklarieren möchten

Einklarieren in Gambia – Teil 1: Die Immigration

Zur Info: Leider gibt es keine Bilder vom Hafengelände, da das Fotografieren dort verboten ist. Dafür wird es in den nächsten Blogs wieder umso mehr Fotos geben.

Wir biegen um zwei Ecken und treten durch die Tür des Immigration-Office. Fünf Beamte sitzen im Kreis, einer döst, einer liest Zeitung und drei palavern und trinken Ataja. In der Ecke flimmert ein unscharfer Science-Fiction-Film auf einem alten Röhrenfernseher. Wir werden von allen freundlich begrüßt und nach dem woher und wohin gefragt. „I recognice you!“ Babu, der Chef der Beamtengruppe, hat sogar noch meine Handynummer gespeichert. Der Rest geht schnell und unkompliziert und nachdem wir unsere Stempel in den Pässen haben begleitet Babu uns zwei Türen weiter zum Health-Officer.

Einklarieren in Gambia – Teil 2: Die Gesundheitsbehörde

Hier begegnen wir dem Typ Beamten, den man hofft nicht zu treffen: Herablassend, gebieterisch und korrupt. Korruption ist ein Problem hier, aber Korruption „für die Kaffeekasse“, wie es hier üblich ist, und dieser Typ sind zwei Kategorien. „Wo sind eure Covid-Tests?“ Wir erklären ihm, dass wir keine Tests haben, da uns vor der Abfahrt erkundigt haben und uns von zwei offiziellen Stellen, der Hafenbehörde und der Immigration, bestätigt wurde, dass bei Einreise mit dem Boot nur die Körpertemperatur gemessen wird. Das und auch der Schriftverkehr, den ich ihm zeige, interessiert ihn überhaupt nicht und es ist offensichtlich, dass er nicht an irgendwelchen Tests, sondern nur an seinem eigenen Vorteil interessiert ist. Wie die offizielle Lage ist und ob sich die Einreisevorschriften während der Zeit unserer Überfahrt geändert haben, ist unmöglich zu erfahren, zu undurchsichtig sind die Strukturen hier. Das weiß er und nutzt es aus. Nach einiger Diskussion einigen wir uns mit ihm unter der Bedingung, dass auch die Crews der drei befreundeten Boote, die auf dem Weg hier her sind, mit Temperaturcheck einreisen dürfen. Aber natürlich hält er sich nicht daran. In den nächsten drei Tagen klarieren die drei befreundeten Boote “Shanty”, “Irmi” und “Atea” ein und jeden Tag wartet besagter Beamte mit neuen offensichtlich selbst erfundenen Regeln auf, die sich immer mehr als Schikanen und weniger als Vorschriften herausstellen. Glücklicherweise ist diese Behandlung eine Ausnahme, denn insgesamt sind wir uns alle einig: In wenigen Ländern wird man ebenso freundlich empfangen wie hier in Gambia.

Einklarieren in Gambia – Teil 3: Der Zoll

Nach dem Health-Department ist der Zoll die nächste Station. Auch der Chef der Zollbehörde im Hafen erinnert sich an uns. Er schickt uns zum Hauptzollamt, wo wir zwei Formblätter ausfüllen müssen und Kopien von unseren Pässen und Schiffspapieren abgeben. Mit den ausgefüllten Papieren geht es zurück zum Hafenzollamt und ganz unverblümt lässt uns der Beamte dort wissen, dass er nicht viel davon hält, ankommende Segelyachten zu kontrollieren. „You know the procedure“. Ja, wir kennen die Prozedur. Wir trinken einen Tee, er freut sich über eine neue aracanga-Cap und wir darüber, dass wir ihn nicht zur Ivalu und zurück paddeln müssen. Mit den von ihm gestempelten Papieren gehen wir, um etwas Zeit zu schinden, zur Wechselstube und anschließend zurück zum Hauptzollamt.

Einklarieren in Gambia – Teil 4: Die Hafenbehörde

Letzter Stopp im Einklarierungsmarathon ist die Hafenbehörde, wo uns Gibba, der Chef der Lotsenbootfahrer, schon vom obersten Stock aus zuwinkt. Mit ihm sind wir über die ganze Zeit hinweg gut in Kontakt geblieben und wir freuen uns über das Wiedersehen. Glücklicherweise waren wir schon Geld wechseln, denn das Cruisingpermit kostet 22 Euro, die aber nach dem aktuellen Wechselkurs in Dalasi zu entrichten sind. Er macht uns einen Freundschaftskurs von 54,5 Dalasi pro Euro und wir bekommen sogar einen offiziellen Abrechnungsbeleg.

Puh, nach sechs Stunden sind wir offiziell einklariert. Es ist eine andere Welt. Nach einem kurzen Stopp auf dem Markt, wo wir etwas Obst und Gemüse einkaufen, machen wir uns auf den Weg zurück zur Ivalu. Wir holen den Anker auf uns fahren die fünf Meilen zur Lamin Lodge, wo wir vor genau einem Jahr unsere „aracanga“ zurückgelassen haben.

Das ist wahrscheinlich der letzte Blogartikel von Bord der “Ivalu”, da wir in den nächsten Tagen zurück auf unsere “aracanga” uiehen werden. Viele liebe Grüße senden Riki, Kira, Martin und Peter

–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

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