Elmo und das geraubte Blau

Tada, hier ist es. Wir sind mega stolz! Knapp zwei Jahre, nachdem ich den ersten Satz geschrieben habe, ist es endlich druckreif! 232 Seiten, die, wer hätte es gedacht, vom Meer und einer phantastischen Reise erzählen. Nur, dass es diesmal nicht um unsere Reise geht, sondern um Elmo, einen Klabautermann, um die Meerjungfrau Sira und den Pottwal Herman, um Hydras und Leviathan, den Feind des ozeanischen Gleichgewichtes und Feind aller Schönheit und Friedfertigkeit.

Die Geschichte verarbeitet einige unserer Erlebnisse, schöne und nicht so schöne. Das Buch dreht sich in erster Linie, verpackt in einer phantasievollen Geschichte, um die andauernde Zerstörung unserer Ozeane, gegen die wir genauso wie der Klabautermann Elmo und seine Freunde ankämpfen müssen. Zum anderen dient Leviathan als Metapher für Menschenverachtung und Fremdenfeindlichkeit. Insofern plädiert die Geschichte dafür, eine innere Haltung für Umweltschutz und Toleranz einzunehmen.

Genre: All Age Literatur, Fantasy, Jugendbuch
Alter: ab etwa 10 Jahren, aber ebenso für Erwachsene
Illustrationen: Karin Schneider

So, genug um den heißen Brei geschrieben. Die Geschichte gibt es bei epubli, bei amazon oder im Buchhandel (ISBN: 978-3-754141-51-9) als Taschenbuch oder als eBook zu kaufen. Und unter ahoi.blog/elmo gibt es noch ein paar weitere Infos. Wer also gern eimal etwas mehr als nur diese schnöden Blogartikel lesen möchte, wir freuen uns über jeden, der Interesse an dem Buch hat.

Und hier kommen einige Kapitel zum Probelesen:

Aus des Ozeans tiefstem Grund,
Durch des Wales mächt’gen Schlund,
Reift des Meeres größter Duft,
verschmilzt er mit der salz’gen Luft.

Wandert stumm der Blick umher,
Stößt auf Wog um Wog im Meer,
Sieht die blaue Farbenpracht,
Spürt des Wassers Lebenskraft.

In der Reinheit stets vereint,
Heilt was uns als krank erscheint,
Stärker als all Fluch und Leid,
Sind des Ozeans Duft und Kleid.

Die Stadt am Kap

Kapkap ist eine kleine Stadt am Rande des ewigen Meeres. Sie ist so klein, dass man sie auf den meisten Landkarten gar nicht findet. Nur auf besonders detaillierten Karten ist sie als winziger, roter Punkt eingezeichnet. Die Stadt liegt ganz in der Nähe des Großen Kaps, das so groß und imposant ist, dass man es einfach nur das Große Kap nennt. Aufgrund der Nähe zum Großen Kap und weil es sonst nichts gibt, wofür die Stadt bekannt ist, hat man sie ebenso Kap genannt, genauer genommen Kap am Großen Kap, oder einfach nur Kapkap, wie sie von seinen Bewohnern genannt wird. In Kapkap gibt es einen Lebensmittelladen, einen Schneider, ein Postamt und die kleine „Kneipe am Kap“. Die Gebäude rahmen den rechteckigen Hafen ein, in dem ein paar Boote, hauptsächlich Ruderboote, an der Mole liegen. An einer langen Pier auf der Seeseite des Hafens können größere Frachtschiffe anlegen. Zwischen den Häusern und dem Hafen kreuzen sich zwei Straßen, die eine, die entlang der Küste verläuft und die andere, die von Süden kommend, hier endet. Da sich jedoch auf dem Landweg nur selten irgendjemand hierher verirrt, ist die Kreuzung gleichzeitig die Terrasse der Kneipe, wo Stühle und Tische stehen und wo sich die Bewohner von Kapkap bei schönem Wetter gerne nachmittags zu Kaffee und Kuchen treffen. An den seltenen Tagen, an denen ein Frachtschiff an der Pier festmacht, liegt eine ganz besondere Atmosphäre in der Luft. Abends, wenn die Lieder der von Heimweh und Sehnsucht nach der Geliebten erfüllten Seemänner aus der Kneipe leise durch die Straßen ertönen, sitzen die Bewohner von Kapkap auf ihrer Kreuzung und lauschen andächtig dem Schifferklavier und dem melancholischen Gesang der Matrosen.

Das Kap ist der nördlichste Punkt des Kontinents Elrosaki. Steil und mächtig thront es an der äußersten Landspitze. Darüber hinaus erstreckt sich das Meer bis hin zum fernen Horizont, wo Himmel und Erde zu verschmelzen scheinen. Zu beiden Seiten des Kaps zieht sich, soweit das Auge reicht, ein unendlich erscheinender Sandstrand, bis hin zu fremden Ländern, fernen Kontinenten und anderen, Großen Kaps. Jenseits dieser Kaps erscheint das Meer grenzenlos und irgendwo, weit hinter dem Horizont und weiter noch, als je zuvor ein Bewohner von Kapkap gereist ist, liegen sagenumwobene Inseln und Länder, die man allerhöchstens aus Geschichten oder von den Liedern der Seemänner, die zu manch später Stunde aus der kleinen Kneipe leise durch die Straßen der Stadt tönen, kennt.

Das Klima am Großen Kap ist rau und stürmisch. In den meisten Jahren kann man die wenigen wirklich schönen Sommertage an einer Hand abzählen. Diese Tage verbringen die Bewohner von Kapkap am liebsten am Strand. Und sollte sich an solch einem Tag ein Tourist dorthin verirren, würde er vermutlich seinen Augen nicht trauen. Denn aufgrund seiner Abgeschiedenheit ist die Stadt einer der wenigen Orte, vielleicht sogar der einzige, an dem Menschen und allerlei fabelhafte Wesen noch friedlich miteinander leben.

Einer dieser Bewohner ist Elmo, ein kleiner Klabautermann. Die seltenen lauen Sommerabende verbringt er gern am Hafen, wo er es sich in einer Rolle Tauwerk gemütlich macht, genüsslich an seiner kunstvoll geschnitzten Meerschaumpfeife zieht, große Rauchkringel in die Luft bläst und vom grenzenlosen Ozean träumt. Elmo ist eine lustige Gestalt. Er ist nicht größer als ein Kleinkind, hat aber das Gesicht eines alten Mannes mit einem langen, weißen Bart und zerzausten Haaren, auf denen er einen von der Sonne ausgeblichenen Dreispitz trägt. Sein durch Wind und Wetter gegerbtes Gesicht hat eine sonnenverbrannte rotbraune Farbe. In seinem Mund, den man unter dem Bart allerdings höchstens erahnen kann, steckt stets eine kleine, mit Schnitzereien verzierte Pfeife, und an jedem Ohr baumelt ein massiver Goldring. Er trägt ein bis zu den Ellbogen aufgekrempeltes Matrosenhemd, das den Blick auf die über die Jahre etwas ausgeblichenen Tätowierungen einer Windrose und dem Kreuz des Südens auf seinen Unterarmen freigibt. Die abgeschnittene blaue Leinenhose reicht Elmo bis übers Knie und wird von einem geflochtenen Hanfseil gehalten, in dem ein hölzerner Hammer steckt. Schuhe trägt der Klabautermann nie, nicht einmal im Winter. Würde Elmo jedoch einem von uns begegnen, würden wir ihn gar nicht wahrnehmen, denn für jeden, in dessen Körper kein Klabauterblut1 pulsiert, sind Klabautermänner unsichtbar.
(1 Klabauterblut: Anstatt Blut pulsiert in den Adern und Venen von Klabautern und Halbklabautern Salzwasser, was ihre tiefe Verbundenheit zum Meer erklären könnte.)

Einst, vor vielen Jahren, ist Elmo an Bord eines stolzen Dreimasters nach Kapkap gekommen. Nach zahlreichen Ozeanüberquerungen, Stürmen und Flauten ist das Boot vor dem Großen Kap auf die Klippen gelaufen, wo es seitdem liegt und einem Mahnmal gleich schon von fern zu sehen ist. Die Bewohner von Kapkap haben an der Spitze des Großmastes eine helle Laterne angebracht, die seit jenem Tag jeden Abend entzündet wird und deren Schein viele Seemeilen weit zu erkennen ist, um andere Seeleute vor den gefährlichen Felsen zu warnen. Die wenigen Überlebenden des Schiffsunglücks haben auf anderen Schiffen angeheuert und sind weiter zur See gefahren. Elmo jedoch hat sein Schiff verloren, und da ein Klabautermann nicht einfach so auf einem fremden Schiff anheuern kann, ist er in der Stadt geblieben.

Klabautermänner sind gute Geister, und auf manchem Schiff, das zur See fährt, lebt ein solcher. Nachts, bei ruhigem Wetter, kann man sie an Deck poltern hören, wo sie Ausbesserungsarbeiten am Boot vornehmen und mit ihren Hämmern lose Planken wieder festklopfen. „Oder war das Geräusch vielleicht doch nur ein Knarzen des Schiffsrumpfs in einer Welle?“, die meisten Matrosen können nur mutmaßen, ob ein solch unsichtbares Wesen an Bord ihres Schiffs lebt. Eine der Lieblingsbeschäftigungen ganzer Schiffsbesatzungen ist, gerade wenn bei anhaltenden Flauten nur wenig Arbeit an Deck anfällt, in endlosen Diskussionen darüber zu debattieren, ob denn nun ein Klabautermann an Bord ist oder nicht. Diejenigen unter den Seemännern, die sich für besonders aufgeklärt halten, tun ihn als alberne Sagenfigur längst vergangener Zeiten ab, die romantischeren Matrosen hingegen vertrauen auf den Schutz des Kobolds. Endgültig geklärt ist die Frage nur auf Schiffen, auf denen ihn ein Besatzungsmitglied trotz der Unsichtbarkeit zu Gesicht bekommt. Dann aber ist keine Zeit mehr für Diskussionen, sondern schnelles Handeln gefragt: Denn die wichtigste Aufgabe eines Klabautermanns ist es, die Besatzung seines Schiffes vor bevorstehenden Gefahren und Unheil zu warnen. Und das tut er, indem er sich zeigt.

Elmo hat es mit seinen Aufgaben nie so genau genommen oder besser gesagt, Elmo war oft so sehr damit beschäftigt, seinen Schabernack mit der Besatzung zu treiben und die Matrosen zu necken, dass er bedrohliche Situationen manchmal erst im allerletzten Augenblick erkannt hat. Gerne hat er zu später Stunde die Planke direkt neben dem Ohr des schlafenden Kapitäns kräftig mit seinem Hammer bearbeitet oder die Sprossen der Leiter ins Mannschaftsquartier mit Teer beschmiert. Es war ein ständiges Katz- und Maus-Spiel mit der Besatzung, die ihrerseits versucht hat, Fallen aufzustellen, um ihren Klabautermann einzufangen und ebenfalls etwas zu ärgern. Einen Unsichtbaren zu fangen, ist allerdings keine leichte Sache. Durch Zufall jedoch hat der Kapitän des Dreimasters eines Tages während des Mittagsessens einen einfachen Trick herausgefunden: In dem Moment, als er zu seinem Kristallglas greifen und den letzten Schluck Wein trinken wollte, hat er durch das Glas den Klabautermann gesehen, wie dieser sich gerade ein Stück Käse von der Platte stibitzte. Der Kapitän war ein kluger Kopf und musste nicht lange nachdenken, um auf des Rätsels Lösung zu kommen: Glas ist beim Hindurchblicken unsichtbar wie ein Klabautermann, und so, wie in der Mathematik Minus und Minus Plus ergibt, folgert der Kapitän, dass in der Kobold-Lehre unsichtbar und unsichtbar sichtbar ergeben muss. Logisch. Diese Erkenntnis jedoch sollte der Besatzung des Dreimasters noch zum Verhängnis werden. Nachdem sie ein leckeres Stück edelsten Katzenzahn, Elmos Lieblingskäse, hinter einer Kristallglasscheibe als Köder ausgelegt hatten, mussten sie nicht lange auf den Käsedieb warten. Der Rest war ein Kinderspiel. Schnell stülpten sie dem Klabautermann einen Eimer über den Kopf und sperrten ihn zur Strafe für schlaflose Nächte und schwarze Hände in ein altes Rumfass an Deck. Als es in der Nacht zunächst nebelig und dann stürmisch wurde, dachte keiner mehr an ihn, denn die ganze Besatzung war damit beschäftigt, das Schiff auf Kurs zu halten und die Segel zu reffen. Die Warnrufe aus dem Holzfass gingen im lauten Getöse des Sturms völlig unter. Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Wegen des schlechten Wetters wollte der Kapitän den kürzesten Weg in den Hafen nehmen und übersah dabei die tückischen Felsen unterhalb des Großen Kaps, die den stolzen Dreimaster schließlich regelrecht durchlöchert und aufgespießt haben. Elmo überlebte das Unglück nur dank seines hölzernen Gefängnisses. Das Fass, das während des Aufpralls in zwei Hälften zerbrach, entpuppte sich als sicheres Rettungsboot. Als der Sturm sich wieder gelegt hatte, konnte sich der Klabautermann darin wie in einem Kanu in den Hafen der nahegelegenen Stadt Kapkap retten, die ihm zum neuen Zuhause wurde. Das Schiffsunglück ist viele, viele Jahre her, aber Zeit spielt in Elmos Leben keine große Rolle. Und würde das Wrack mit den hohen Masten nicht nach wie vor auf den Klippen liegen, würde sich wahrscheinlich keiner der Bewohner von Kapkap mehr an jene stürmische Nacht erinnern.

Elmo ist nicht unglücklich an Land. Im Gegenteil, er mag das kleine Örtchen Kapkap gerne, diesen friedlichen Ort, an dem jeder so sein darf, wie er möchte, und Kobolde und Menschen, Zwerge und Elfen, Fabelwesen und Tiere friedlich Seite an Seite leben. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, hat sich Elmo, den zwar niemand sehen kann, aber trotzdem alle kennen, ein kleines Geschäft aufgebaut, vielleicht sogar das kleinste der Stadt. Jeden Tag, egal ob es stürmt, regnet oder die Sonne scheint, unternimmt er lange Ausflüge entlang der Küste und sammelt Strandgut, das er in Kapkap an die dortigen Bewohner oder an die Besatzungen der seltenen Handelsschiffe verkauft. Elmo liebt diese Spaziergänge am Meer, schlummert in ihm doch wie in jedem Klabautermann nach wie vor die Sehnsucht nach dem grenzenlosen Ozean. Er sammelt gerade so viel Strandgut, dass er sich davon am Abend ein leckeres Essen in der kleinen Kneipe und etwas Pfeifentabak kaufen kann. Mit ein paar Fundstücken in der Tasche setzt sich Elmo dann in den Sand, zieht genüsslich an der Pfeife und beobachtet die endlose Weite des Meeres, das weit in der Ferne mit dem Horizont zu verschmelzen scheint. Wie viele Male ist er hinausgefahren auf das große Meer, wie gut kennt er das Gefühl der absoluten Freiheit, wenn das Land die Konturen verliert, zur blassen Silhouette wird und schließlich ganz verschwindet, wenn nur noch Blau einen umgibt. Ja, Elmo ist nicht unglücklich an Land, aber wirklich glücklich ist er nur auf See.

Für Auswärtige ist es schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn Elmo sich seinen Bauchladen umschnallt und seine Fundstücke verkauft, aber die Bewohner von Kapkap sind so manches gewohnt, was uns in unserer Menschenwelt fremd ist. Daher wundert sich hier auch niemand über einen Bauchladen mit unsichtbarem Verkäufer, der lauthals seine Waren anpreist. Meist sind es Muscheln, die er im Sortiment hat, oder von den stetigen Wellen kreisrund geschliffene Steine. Nur selten findet Elmo wirklich wertvolles Strandgut. Einmal hat er einen Klumpen Ambra von stattlicher Größe gefunden. Als Seemann weiß er, welch unvorstellbaren Wert die Ambra hat und welch wohlriechende Düfte manch Meisterparfümeur ihr entlocken kann. Den Großteil der Ambra, die im Bauch von Pottwalen durch nicht verdaubare Tintenfischschnäbel entsteht, hat Elmo für gutes Geld an den Kapitän eines sich auf der Durchreise befindlichen Handelsschiffes verkauft. Einen etwa walnussgroßen Klumpen jedoch bewahrt er in einem kleinen Beutel auf, den er seitdem als Talisman an einem dünnen Lederband am Gürtel trägt.

Auch heute ist Elmo wieder am Strand unterwegs. Da die Sonne trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit warm vom Himmel scheint und es noch früh am Tag ist, dehnt der Klabautermann seine Runde etwas weiter als gewohnt aus. Es ist kein sonderlich ergiebiger Tag, ein paar schöne Muscheln, ein rundgeschliffener Stein und zwei Angelhaken sind eine karge Ausbeute. Trotzdem ist er frohen Mutes und macht während des Heimwegs einen Umweg über das Große Kap, um von dort oben die Aussicht zu genießen und mit seinen Gedanken in die Ferne zu schweifen. Er muss die Augen etwas zusammenkneifen, weil sich die inzwischen tief stehende Sonne im Meer spiegelt und wie tausend Sterne auf der Wasseroberfläche funkelt. Ein Blick nach rechts: die Stadt Kapkap und dahinter grenzenloser Sandstrand bis zum Horizont. Ein Blick voraus: die gleichmäßige Dünung des Meeres bis zum Horizont. Ein Blick nach links: ewiger Sandstrand bis zum – Halt – in der Ferne liegt etwas, das bisher nie dort zu sehen war. „Was kann das sein?“, geht es Elmo durch den Kopf, aber in der untergehenden Sonne erkennt er nur eine Silhouette. Irgendetwas hebt sich ganz klar ab vom Strand, irgendein großes Strandgut, das ihm längst aufgefallen wäre, läge es dort schon länger. Noch während er angestrengt mit zusammengekniffenen Augen in die Ferne blinzelt, versinkt die Sonne langsam hinter dem Horizont. Heute ist es zu spät, und in der Dunkelheit würde er nichts erkennen. Darum macht sich Elmo auf den Rückweg nach Kapkap, jedoch nicht, ohne den festen Vorsatz zu fassen, sich mit dem ersten Sonnenstrahl am nächsten Morgen auf den Weg zu machen, die dunkle Silhouette zu erkunden.

Ein geheimnisvolles Strandgut

Im frühen Morgengrauen packt Elmo den Hammer und die Meerschaumpfeife sowie eine Schaufel und ein Sieb, die Grundausstattung eines Strandgutjägers, in seinen Seesack. Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont klettern, macht er sich auf den Weg, vorbei am Großen Kap und die Küste entlang. Er muss nicht sehr lange laufen, da erkennt er das geheimnisvolle Strandgut wieder, diesmal jedoch nicht als Silhouette in der untergehenden Sonne, sondern golden und von der gerade aufgehenden Sonne magisch angeschienen. Und heute muss er auch nicht lange rätseln, um was es sich hier handelt. „Heiliger Klabauter!“, entfährt es ihm. „Das ist ja unglaublich!“ Groß und klar liegt da ein Segelboot vor ihm am Strand. Es ist auf die Seite gekippt und sieht so aus, als ob es einige Zeit über den Ozean getrieben wäre, denn der Rumpf ist über und über mit Algen und Muscheln bewachsen, und von den beiden Masten hängen in Fetzen die von Salzwasser, Wind und Sonne zerschlissen Reste der Segel. Das Schiff ist in einem erbarmungswürdigen Zustand, und man muss kein Klabautermann sein und auch sonst nicht viel von der Seefahrt verstehen, um zu erkennen, dass hier nicht die kräftigen Hände eines Seemannes, sondern Wind, Wellen und Strömung das Schicksal des Bootes bestimmt haben.

Neugierig umkreist Elmo das Wrack, das hoch und trocken auf dem Strand liegt. Es muss bei der letzten Sturmflut vor ein paar Tagen angeschwemmt worden sein, denn eine normale Flut kann es unmöglich so weit auf den Strand befördert haben. Besonders groß ist es nicht. Es ist eher die Art von Boot, die von den Matrosen der großen Handelsschiffe etwas mitleidig als Nussschale bezeichnen wird. Am Heck kann er den Namen entziffern, der kunstvoll auf eine Holztafel geschnitzt ist: Rasmus.

Noch einmal und noch einmal umkreist der Klabautermann das herrenlose Boot und klopft vorsichtig hier und da mit seinem Hammer auf die Planken, alte Klabautermann-Manier. Aber wider Erwarten klingt der Rumpf nicht etwa morsch und brüchig, sondern dumpf, fest und robust. Strandgut ist Strandgut, denkt sich Elmo, egal ob es sich um eine Flaschenpost oder um ein Segelboot handelt. Und Strandgut gehört demjenigen, der es zuerst findet. Also beschließt er, ab heute nicht mehr ein armseliger Klabautermann ohne Schiff zu sein, sondern stolzer Besitzer, Kapitän und Klabautermann der Rasmus, und zwar alles in einer Person. Mit einem Schwung befördert er seinen Seesack auf das Boot, und mit drei geschickten Kletterzügen steht auch Elmo an Deck der Rasmus, unter deren dicker Kruste aus Salz, Algen und Muscheln er ein tüchtiges Schiff erahnen kann. Er steckt sich eine Pfeife an, bläst zwei Rauchkringel aus, die von einer sanften Bö aufs Meer getragen werden. Dann nimmt er seinen Fund in Augenschein und schreitet, so gut man auf einem schräg auf der Seite liegenden Boot schreiten kann, stolzen Schrittes entlang des Laufdecks an den Bug der Rasmus, wo ein eleganter Bugspriet die vorderste Spitze des Schiffes markiert. Auf dem Deck stehen zwei hölzerne Masten, die von dicken Stahlseilen, den Stagen und Wanten, gehalten werden und schräg nach oben in den Himmel zeigen. Achtern, wie der Seemann für hinten sagt, befindet sich die Plicht, der Bereich, von dem das Boot gesteuert wird.

Davor beginnt die Kajüte mit drei Bullaugen auf jeder Seite und je einem vorn und hinten. Durch eine Luke kann man von der Plicht in die Kajüte steigen, wo ein gemütlicher Salon, ein Kartentisch und ein Ofen zum Kochen und Heizen für eine behagliche Atmosphäre sorgen. Noch verbreitet das Boot jedoch alles andere als eine behagliche Atmosphäre, denn überall liegen Tauwerkreste, Fetzen von Segeltuch, Netze, Karabinerhaken und Leinen herum, außerdem riecht es unter Deck etwas vermodert. Aber mit ein wenig Vorstellungskraft, und davon besitzt ein Klabautermann eine ganze Menge, kann man sich schon jetzt unter der Salzkruste ein gemütliches und tüchtiges Segelboot vorstellen.

Den Rest des Tages verbringt Elmo hauptsächlich mit Tagträumen. In dem Chaos unter Deck findet er eine Hängematte, die er zwischen den beiden Masten spannt. Dann zündet er eine Pfeife an, macht es sich gemütlich und beginnt, einen Plan auszuarbeiten, wie er das Boot wieder ins Wasser bekommen könnte. Er beschließt, ab jetzt die Nächte auf der Rasmus zu verbringen, und erschöpft vom Nichtstun fällt der Klabautermann unter einem klaren Sternenhimmel und mit dem Kopf voller Pläne und Ideen in einen tiefen und erholsamen Schlaf.

Gut ausgeruht und voller Tatendrang macht Elmo sich am nächsten Morgen ans Werk. Zunächst möchte er versuchen, mit seiner Schaufel den Sand auf die Seite zu schaffen und so einen Kanal zu buddeln, den er dann mit dem Meer verbindet. Kraftvoll rammt er die Schaufel in den weichen Strand, und schon bald steht der Klabautermann in einem knietiefen Loch. Je tiefer er gräbt, desto schwieriger wird die Arbeit jedoch. Was zunächst so vielversprechend ausgesehen hat, gestaltet sich mit der Zeit mühsamer als angenommen. Permanent rutscht der Sand in den bereits ausgebuddelten Teil nach, und je näher er dem Wasser kommt, desto mehr machen ihm die Wellen zu schaffen, die den Sand immer wieder genau dorthin waschen, wo Elmo ihn gerade weggeschaufelt hat. Es ist ein Teufelskreis. Müde, erschöpft und enttäuscht muss er am Abend einsehen, dass er so das Boot nicht wieder ins Wasser bekommen wird.

Am Tag darauf stochert der Klabautermann nur noch kraftlos mit der Schaufel im Sand herum. Fieberhaft denkt er über einen besseren Plan nach, ihm fällt jedoch partout nichts ein. Lustlos wirft er eine Schaufel Sand hier und eine Schaufel Sand dorthin. Er ist gar nicht mehr so überzeugt davon, seinen neuen Besitz jemals wieder in sein Element zu bekommen.
„Hey, Klabauter, wenn Du dein Boot suchst, es liegt da hinter dir auf dem Strand!“
Elmo erschrickt. „Wer ist da?“ Er wirbelt herum. Da schwimmt ein Kopf mit einer frechen, grünen Lockenmähne in den Fluten und beginnt zu allem Überfluss, ihn aufzuziehen. „Woher weißt du, dass ich ein Klabautermann bin? Kannst du mich sehen?“ Das hat er gerade noch gebraucht, ein vorlautes Mädchen, das kluge Ratschläge verteilt.
„Den Sand umherfliegen, das sehe ich. Wobei ich schon sagen muss, gestern hat das noch entschlossener ausgesehen. Und woher ich weiß, dass du ein Klabauter bist?“, sie lacht. „Das war nicht allzu schwer zu erraten. Dass du kein Unsichtbarsch bist, war irgendwie klar. Naja, und dann bleibt nicht mehr viel übrig.“ Das zierliche Wesen, dessen Oberkörper aussieht wie ein ganz normales Mädchen, das jedoch anstatt Beine eine bunt schillernde Schwanzflosse wie ein Fisch hat, guckt herausfordernd in Richtung der Rasmus. „Na, Leichtmatrose! Soll ich Dir jetzt helfen, den Kahn wieder ins Wasser zu ziehen?“
Elmo muss seine Wut unterdrücken. Wie kann sie es wagen, ihn, den stolzen Kapitän, so respektlos zu behandeln und seine Rasmus als Kahn zu bezeichnen! „Pah! Was weißt Du schon von der Seefahrt! Lass mich in Ruhe! Zieh Leine und geh spielen mit deinen Puppenfischen“, äfft er zurück.
Der Lockenkopf verschwindet und taucht ein paar Sekunden später an einer anderen Stelle wieder auf. „Aha! Nicht nur unsichtbar, sondern auch unhöflich!“, sie klingt spöttisch. „Und was heißt hier Seefahrt? Du meinst wohl eher Strandfahrt! Was ist los mit dir? Bist du zu stolz? Soll ich dir helfen?“
„Dann hilf mir doch, wenn du kannst“, antwortet Elmo mit entnervtem Tonfall und pfeffert die Schaufel in den Sand.
Zu seiner Überraschung springt das Mädchen mit einem eleganten Satz auf einen Felsen im flachen Wasser. Sie stützt ihre Ellbogen auf und legt den Kopf in die Hände. „Ich heiße Sira. Ich habe dich schon eine Weile beobachtet. Ich sag dir mal was: So bekommst du das Boot sicher nicht ins Wasser. Das klappt nie und nimmer.“


„Das weiß ich selbst! Ich habe gedacht, du willst mir helfen!“
„Ja, warte doch, ich bin ja noch nicht fertig. Du hast doch mit Sicherheit ein langes, dickes Tau an Bord, oder?“
„Ein Tau? Und damit willst du das Boot ins Wasser ziehen?“, fragt Elmo höhnisch.
„Genau!“
„Das möchte ich sehen!“ Und in Gedanken fügt er hinzu: „Das glaubt sie ja wohl selbst nicht!“ Elmo klettert an Deck und stöbert in der Kajüte. Mittlerweile hat er Gefallen an dem Spiel gefunden. „Soll sie es doch versuchen, und mich danach hoffentlich wieder in Ruhe lassen. Sie wird schon sehen, dass ich nicht auf die dämlichen Ideen eines kleinen frechen Mädchens mit Fischschwanz angewiesen bin.“ Zurück an Deck hält er ein langes Tau in die Luft und ruft dem Mädchen zu: „Dann zeig mal her, deine tolle Idee.“
„Das werde ich! Mach das eine Ende am Mast fest und wirf mir das andere Ende zu“, weist Sira ihn an. „Du kannst doch hoffentlich einen ordentlichen Knoten, Seemann? Denn gleich wird´s wild!“
„Worauf du dich verlassen kannst“, er bindet ein Ende an den Mast und wirft dem grünhaarigen Mädchen das restliche Tauwerk mit einem spöttischen „Na, jetzt bin ich aber mal gespannt!“, zu.
„Das kannst du auch sein! Und halt dich gut fest!“, bekommt er als Antwort zu hören. Dann ertönt ein schriller Pfiff aus Siras Lippen. Und, während das Mädchen mit dem anderen Seilende in den Fluten verschwindet, taucht wenige Meter neben ihm ein monströser grauer Körper aus dem Wasser auf. Aus dem vernarbten Kopf des Monsters, in dem Elmo die Reste mehrerer alter Harpunen stecken sieht, schießt eine übelriechende Fontäne, höher als die Masten der Rasmus, in die Luft. Dem Klabautermann fällt die Pfeife aus dem Mund, und von seinem eben noch so spöttischen Gesichtsausdruck ist nichts mehr zu erkennen. Zitternd hält er sich am Mast fest und überlegt vor lauter Angst, das Weite zu suchen. Sein Körper allerdings ist beim Anblick des Kolosses wie gelähmt.
„Sei froh, dass ich nicht sehen kann, wie du dir vor Angst gleich ins Höschen machst. Aber keine Panik, der wird dich nicht auffressen. Der will nur spielen“, kichert sie. „Das ist Herman. Er ist ein Pottwal und mein bester Freund!“ Sira wendet sich dem Riesentier zu und beginnt, komische gesangsähnliche Laute von sich zu geben. Der Wal schlägt mit seiner Fluke zweimal aufs Wasser. „Alles klar!“ Sie schwingt sich auf den Rücken des Monstrums und bindet das andere Ende des Tauwerks an der Schwanzflosse fest. „Dein kleines Bötchen zieht der mit links wieder ins Wasser. Achtung! Festhalten!“ Sira lässt einen weiteren, schrillen Pfiff los, und fast zeitgleich geht ein heftiger Ruck durch den Rumpf der Rasmus. Elmo umklammert den Mast, um nicht von Deck geschleudert zu werden, während das Boot sich langsam und knarzend in Bewegung setzt. Die Angst ist ihm nach wie vor ins Gesicht geschrieben. Aber da ist noch etwas anderes, so etwas wie Hoffnung und Erleichterung, denn es scheint, dass die Idee von Sira, die lachend auf dem Rücken des Pottwals sitzt, doch gar nicht so dämlich war. Nur wenige Meter trennen die Rasmus, die sich ächzend und knirschend über den Strand bewegt und die eine tiefe Furche im Sand hinterlässt, noch vom Meer.
„Gut so, Herman, weiter so!“, hört Elmo Sira rufen. Seine Zweifel am Verstand des Mädchens sind wie weggeblasen. Nur noch ein knapper Meter trennt das Boot von der Wasser, dann nur noch wenige Zentimeter… Mit einer sanften Bewegung richtet es sich auf, und die Masten zeigen kerzengerade in den Himmel, als der Wal die Rasmus durch die Brandung ins Meer zieht.
„Danke!“, keucht Elmo, und Sira wirft das Ende des Seils, das bis eben um die Fluke des Pottwals gebunden war, lachend in die Richtung, in der sie Elmo vermutet. Schnell knotet der Klabautermann einen Anker daran und lässt ihn in die Tiefe sinken.
„Nichts zu danken, hat doch Spaß gemacht!“, lacht Sira. „Aber sag mal, wieso hast du dein Schiff denn so hoch auf dem Strand geparkt? Hast Du geschlafen anstatt Wache zu gehen?“
„Nein, ich habe es hier gefunden. Es muss bei der letzten Sturmflut vor ein paar Tagen angeschwemmt worden sein. In der Kajüte herrscht das reinste Chaos. Taue, Bojen, Kisten, alles ist durcheinandergeflogen. Und überall liegen Seekarten von allen möglichen Küsten und Inseln herum. Ich muss hier erst mal klar Schiff machen, und dann werde ich das Boot nach Kapkap bringen.“ Die beiden unterhalten sich noch eine ganze Weile, und der Klabautermann zieht verschiedene Seekarten hervor. Er erklärt Sira, was die unterschiedlichen Kreuze und Symbole bedeuten und wie man mit dem Kompass und der Seekarte seine Position bestimmt.
Die Meerjungfrau, die solche Karten noch nie gesehen hat, lernt schnell und kann die vielen Linien, Symbole und Zahlen schon bald entziffern. Sie fährt mit dem Finger über die Karte: „Hier ist das große Riff und hier drüben, das müssen die silbernen Gärten sein. Und hier, dieses kleine Kreuz, das ist unser Palast. Er ist riesig, aber an der Oberfläche ist nur die Spitze zu sehen. Dort oben bin ich früher manchmal gesessen und habe den Sonnenaufgang beobachtet.“ Kurz bevor die Dämmerung einsetzt, verabschiedet sich das Mädchen.
„Bis bald!“, ruft Elmo ihr hinterher und winkt. „Und komm mich doch mal besuchen in Kapkap.“ Auch Herman winkt noch einmal mit seiner Schwanzflosse, bevor die beiden in der Tiefe verschwinden.

Das Gleichgewicht der Meere

Der Ozean bietet den unterschiedlichsten Geschöpfen einen Lebensraum, von ganz kleinen Lebewesen wie Polypen über Krill, Seepferdchen, Sardinen, Makrelen und Thunfischen bis hin zu Haien und Walen, den größten Bewohnern der See. Und dann sind da noch die vielen Arten, die wir nur aus Fabeln und Geschichten kennen wie Nixen, Wassermänner, Meerjungfrauen oder Drachen. Dieser Lebensraum schwebt in einem empfindlichen Gleichgewicht, in dem jedes Geschöpf seinen Platz einnimmt. Dieses Gleichgewicht zu bewahren, ist die Pflicht eines jeden Lebewesens, und darüber zu wachen, die wichtigste Aufgabe der königlichen Familie. Denn gerät es einmal außer Kontrolle, ist es nur schwer wiederherzustellen. Schon eine kleine Veränderung hat womöglich gravierende Folgen.

Königin Silja, eine zarte, blonde Meerjungfrau und ihr Mann König Ragnar, ein Wassermann von beeindruckender Statur, sind weise und beliebte Regenten. Normalerweise leben sie zusammen mit ihrer Tochter Sira und den Hofangestellten im Korallenpalast, einem eindrucksvollen Bauwerk, geschaffen aus Abermillionen leuchtender Korallen. Und normalerweise regieren sie von hieraus die Meere gemeinsam mit dem Hohen Rat des Ozeans, der sich aus je einem Vertreter jeder im Meer lebenden Daseinsform zusammensetzt. Normalerweise. In letzter Zeit jedoch ist kaum etwas normal.

Die Stimmung während der regelmäßigen Sitzungen des Hohen Rats des Ozeans ist seit einiger Zeit gedämpft und angespannt. Das aktuell alles beherrschende Thema ist die wachsende Bedrohung aus dem Schattenozean, jenem Bereich der Meere, der schon vor langer Zeit außer Kontrolle geraten ist und seitdem nicht mit Umsicht und Weisheit, sondern mit Brutalität und Gier regiert wird. Nie zuvor ist das Gleichgewicht der Meere so bedroht gewesen wie jetzt und nie zuvor war die Gefahr, dass böse und dunkle Daseinsformen die Macht über den ganzen Ozean an sich reißen, so akut. Bis vor Kurzem gab es eine klare Grenze zwischen dem friedlichen Teil der Meere und dem Schattenozean. In letzter Zeit wird diese jedoch immer wieder verletzt und, geleitet von Machthunger, werden an der Grenze zum Schattenozean fast täglich Korallenriffe umkämpft, Meeresteile erobert und ganze Fischschwärme entführt. Erst kürzlich ist die komplette Sargassosee vergiftet worden. Ihre Bewohner, riesige Schwärme junger Aale, sind allesamt versklavt worden. Das Königspaar und der Hohe Rat des Ozeans beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Die wenigen Nachrichten, die den Hohen Rat aus den vom Schattenozean eroberten Gebieten erreichen, sprechen eine eindeutige Sprache. Es heißt, dass friedliche Lebewesen zu Soldaten gemacht werden, mit dem einzigen Ziel, weitere Meeresteile und nach und nach den ganzen Ozean zu unterwerfen und zu versklaven. Nicht weniger als die Freiheit des Ozeans und somit die eines jeden einzelnen seiner Bewohner steht auf dem Spiel. Aus diesem Grund haben Silja, Ragnar und der Hohe Rat des Ozeans sämtliche verfügbaren Truppen ausgesandt, um die Grenze zum friedlichen Ozean zu schützen. Trotzdem, der Einfluss des Schattenozeans wächst zusehends, und auch die zahlreichen Patrouillen mit Hammerhaien, Pfeilhechten und Orcas vermögen nichts dagegen auszumachen.

Wer kann, bringt sich in Sicherheit. Und um sich selbst zu schützen, haben das Königspaar und der komplette Hofstaat vor einiger Zeit den Korallenpalast verlassen, um im tieferen Wasser in düsteren Höhlen vorübergehend Schutz zu suchen.
Eine dunkle Traurigkeit
Sira, die Tochter des Königspaares, ist ein aufgewecktes Kind, lebhaft und lustig. Seit sie jedoch in den dunklen Höhlen der Tiefsee lebt, wird sie zusehends unglücklicher und trauriger. Das bricht ihren Eltern das Herz. Aus diesem Grund beauftragt König Ragnar seinen Haus- und Hofmeister Baradal, der schon seit mehreren Generationen am Hof angestellt ist, mit der Suche nach einer Möglichkeit, die Prinzessin von ihrer Trauer zu befreien. Der begnadete Tüftler, der stets einen weißen Kittel über seinem Schildkrötenpanzer und eine Hornbrille auf der Nase trägt, widmet von dem Moment an dieser Aufgabe seine ganze Energie. Er sucht Tag und Nacht des Rätsels Lösung. Als er schon kurz davor ist, aufzugeben, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Und er macht eine ebenso einfache wie geniale Entdeckung: Die Farbe Blau, das ist die Lösung! Niemand wird je müde, das Meer zu betrachten und sich an der Magie der Farbe Blau zu erfreuen. Ein jeder ist glücklicher, wenn der Himmel strahlend blau und nicht düster und wolkenverhangen ist. Der blaue Himmel und das Blau des Wassers scheinen uns die Sorgen zu nehmen und Glück und Lebensfreude zu spenden. Und mit dieser Erkenntnis wird Baradal schlagartig der Grund für Siras Traurigkeit klar: Die Schwärze ihres Verstecks, die Höhlen, die so tief sind, dass kein Sonnenstrahl das Wasser in seinen magischen Blautönen schimmern lässt und wo man tags wie nachts von einer bedrückenden Finsternis umgeben ist. Der Mangel an Licht und an blauer Farbe machen Sira krank! Eilig berichtet er Ragnar von seiner Erkenntnis, und von diesem Tag an werden der Prinzessin regelmäßige Ausflüge an die Wasseroberfläche verordnet. Jede dieser Unternehmungen erfordert eine sorgfältige und gewissenhafte Planung, denn die Sicherheit des Mädchens steht für ihre Eltern an oberster Stelle. Wann immer die Regierungsgeschäfte es zulassen, begleiten sie ihre Tochter persönlich zu ihren Ausflügen und erfreuen sich daran, wie Sira mehr und mehr Lebensfreude verspürt, je höher sie aufsteigt. Sind Silja und Ragnar zu beschäftigt, schicken sie den königlichen Pottwal Herman los, die Tochter zu begleiten und zu beschützen. Sobald die ersten Sonnenstrahlen durch das triste Dunkel des Meeres brechen, ist Siras Traurigkeit wie weggeblasen, und ihr lebensfrohes, lustiges Wesen kehrt zurück. Während einer ihrer Ausflüge, die sie immer weiter ausdehnt, trifft sie Elmo und hilft ihm gemeinsam mit ihrem Pottwal, sein Boot wieder ins Wasser zu ziehen, und ein anderes Mal springt Sira zusammen mit einer Schule Delfine so zeitvergessen von Welle zu Welle, dass sie erst spät nach Sonnenuntergang zurückkehrt. Glücklicherweise sind ihre Eltern an diesem Abend in einer Ratssitzung beschäftigt, sonst hätte es Ärger gegeben. Nur ungern schwimmt Sira nach ihren Streifzügen in die dunklen und tristen Höhlen zurück, zu aufregend und spannend sind die Ausflüge ans Sonnenlicht.

An manchen Tagen jedoch ist es zu gefährlich für unbesorgte Unternehmungen an die Oberfläche, und für solche Tage entwickelt Baradal eine Methode, mit der er das Blau des Meeres konservieren und als Elixier in ein kleines Fläschchen abfüllen kann. Ähnlich wie man mit einer Lupe Sonnenstrahlen bündeln und ein Stück Papier anzünden kann, tüftelt der Haus- und Hofmeister an einer Möglichkeit, mithilfe von mehreren geschliffenen Linsen und der Kraft der Sonne das Blau des Meeres auf einen Punkt zu konzentrieren und in eine Flasche abzufüllen. Ein Schluck dieses blauen Meereselixiers würde in seiner Wirkung einen ausgedehnten Strandspaziergang an einem sonnigen, wolkenlosen Tag um ein Vielfaches übertreffen. Aber nur ein paar Tropfen jenes Elixiers möchte man abfüllen und am Hof für den äußersten Notfall aufbewahren, denn entnimmt man dem Meer zu viel des magischen Blaus, würde sich das negativ auf das empfindliche Gleichgewicht der Ozeane und somit auf das Wohlbefinden sämtlicher Lebewesen auswirken.

Heute ist es soweit. Die Maschine mit den vielen Linsen und dem langen Trichter ist einsatzbereit, und Baradal macht sich früh morgens mit seiner Apparatur auf den Weg an die Oberfläche, um ein kleines Fläschchen mit ein paar Tropfen hochkonzentrierten Blaus als Notration für besonders dunkle Tage zu füllen. Da ihre Eltern mit Regierungsaufgaben beschäftigt sind und Herman für Ragnar Erledigungen macht, soll Sira in den Höhlen bleiben, anstatt einen Ausflug ins leuchtende Blau der Wasseroberfläche zu unternehmen.
„Nein, ich möchte mit nach oben. Bitte, Papa, lass mich Baradal begleiten. Bitte!“
„Das geht nicht. Auch wenn es die letzten Tage ruhig war, es ist zu gefährlich!“
„Aber es ist so dunkel hier unten! Und Baradal ist doch dabei.“
„Ich pass schon auf die Kleine auf!“, die Schildkröte zwinkert Sira zu. „Die Sonne wird ihr guttun!“ Er klemmt sich den Apparat unter die Vorderflossen und sieht Ragnar an. „Ich könnte dein Vater und Siras Opa sein, ich kann wohl auf uns beide aufpassen.“
„Na gut. Aber seid vorsichtig!“, ermahnt Ragnar die Zwei.

Große Träume

Elmo ist glücklich auf seinem neuen Schiff. Sanft schaukelt die Rasmus in den Wellen am Strand westlich des Großen Kaps. Es ist warm und sonnig. Eine leichte Brise aus West sorgt für ruhige Segelbedingungen. Es gibt keinen Grund zur Klage. Voller Schwung macht sich der Klabautermann an die Arbeit, die Ausrüstung zu überprüfen und an Bord klar Schiff zu machen. Die Segel sind nur noch Fetzen, aber alles andere scheint gut in Schuss zu sein. Es sind genügend Leinen und Taue an Bord, um das Boot zu steuern und im Hafen festzumachen. Außerdem sind da zwei Anker, eine lange Kette, ein Kompass, ein Zirkel, ein großer Stapel Seekarten und sogar ein Sextant, mit dem man die Höhe der Sonne und somit seine Position bestimmen konnte. In dem Fach über dem Kartentisch findet Elmo obendrein zwei Dosen Tabak „Marke Käptn´s Kwarz“, eine angebrochene Flasche Übersee-Rum, eine alte Korbflasche mit Trinkwasser und einige Pakete Schiffszwieback. Verhungern und verdursten würde er fürs Erste jedenfalls nicht.

Unter Deck richtet Elmo es sich wohnlich ein. Die Koje unter dem Ankerspill ist wie geschaffen für einen Klabautermann. Und jetzt, wo das grobe Chaos beseitigt ist, macht die Kajüte einen heimeligen und gemütlichen Eindruck. In einer Kiste unter der Koje findet der Kobold einige geblümte Bettlaken, die sich prima für einen Satz neuer Segel eignen, und auch nach Nadel und Faden muss Elmo an Bord nicht lange suchen. Zunächst möchte er die Bettlaken nur so notdürftig zusammenflicken, dass sie ihn die wenigen Seemeilen bis in den Hafen von Kapkap bringen. Dort will er sich dann um eine ordentliche Segelgarderobe kümmern. Im Moment weht ein schwacher Wind, im Westen jedoch türmen sich bereits hohe Wolkenberge am Himmel. In dieser Region und um diese Jahreszeit schlägt das Wetter oftmals innerhalb kürzester Zeit um, weswegen der Klabautermann sein neues Boot lieber gleich als später von der offenen und ungeschützten Küste in den Hafen segeln möchte. Gesagt – getan. Mit ein paar Stichen fertigt Elmo zwei notdürftige Segel an. Jeder Segelmacher würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sähe er die geblümten Bettlaken an den Masten der Rasmus. Aber sie tun ihren Dienst, und da der Wind von hinten kommt, ist es für Elmo ein Einfaches, die Rasmus mit Rückenwind in Richtung Kapkap gleiten zu lassen. „Vor dem Wind“ wie der Seemann sagt, wenn der Wind das Boot anschiebt. Lässig hängt die Pfeife im Mundwinkel des Klabautermanns. Während er mit der einen Hand die Steuerrad bedient und mit der anderen Hand die Schot des geblümten Bettlakens steuert, bläst er vergnügte Rauchkringel in die laue Herbstluft. Was ist das Leben schön! Im Hafen angekommen holt er die beiden Laken ein, wirft einige Meter vom Kai entfernt den Anker übers Heck und lässt sich mit dem restlichen Schwung an die Ufermauer treiben, wo er, eine Leine in jeder Hand, von der Spitze des Bugspriets an Land hüpft und das Boot vorne an zwei Pollern festmacht. Geschafft. Die Rasmus liegt ruhig und sicher im Hafen. Schon kurze Zeit später schlägt das Wetter um, und ein kräftiger, kalter Wind kommt auf.

Während er auf dem Weg um das Große Kap in Richtung Hafen so vor sich hin dümpelt, schwirren ihm Bilder von weißen Sandstränden, Palmen und schönen Mädchen im Kopf herum. „Eine große Fahrt zu fernen Inseln, das wäre was!“, Elmo ist voller Eifer und kann es kaum erwarten, sein Boot für eine solche Reise auszurüsten. Gut gelaunt und voller Vorfreude sitzt er am Kartentisch und träumt von der Südsee, während es draußen stürmt und regnet. Der Wind heult in den Wanten, unter Deck jedoch herrscht eine heimelige Atmosphäre. Im Schein der Laterne blättert Elmo durch den großen Stapel an Seekarten und bestaunt die vielen Kreuze, Kurslinien und Eintragungen darin. Die Rasmus scheint schon weit herumgekommen zu sein, denn vom Nordkap bis zum Südkap sind alle Karten an Bord. Und nicht nur das, auch für ferne Inseln wie Pinseling oder Lotterkamp und fremde Kontinente wie Ikfara findet Elmo Seekarten. Sirkatan, Lomgonien, Wullewu, ein paar der Orte sind dem Klabautermann von seinen damaligen Reisen auf dem stolzen Dreimaster bekannt. Karten mit Eintragungen wie Schattenozean oder Teufelsinsel lässt er schnell weit unten im Stapel verschwinden. Andere Seekarten mit Inselnamen wie Uluvali oder Loloiti jedoch klingen nach Abenteuer und Romantik in seinen Ohren. Solche Orte möchte er mit der Rasmus ansteuern. Zur Feier des Tages gönnt sich Elmo einen ordentlichen Schluck aus der Flasche mit dem Übersee-Rum.

Wo ist Sira?

„Sture Schildkröte! Das haben wir jetzt davon! Ich pass schon auf die Kleine auf, von wegen!“ Verärgert über seine eigene Nachgiebigkeit schwimmt Ragnar von einer Seite der Grotte zur anderen und zurück. „Wahrscheinlich hat unser Herr Professor wieder einmal irgendetwas ach so Interessantes entdeckt, das auf keinen Fall unerforscht bleiben darf.“
„Sie müssten längst wieder hier sein! Es wird schon dunkel!“ Silja schwebt mit verschränkten Armen in der Mitte der in der Abenddämmerung noch düstereren Höhle, während ihr Mann Runde um Runde im Kreis um sie schwimmt.
„Er ist nun mal Erfinder und kein Babysitter. Wahrscheinlich darf sich Sira im Moment endlose Vorträge über das Meeresleuchten oder die Meerwasserentsalzung anhören“, Ragnar lacht gequält auf.
„Ragnar, ich mache mir Sorgen! Kannst du bitte nachsehen, wo die beiden bleiben?“
„Oder Sira hat wieder einmal die Zeit vergessen. Wie letztes Mal, als sie mit Herman bis zum Großen Kap geschwommen ist.“
„Ragnar!“, scharf kommt der Name ihres Gemahls über Siljas Lippen, und ihr sonst so fröhlicher Gesichtsausdruck ist angespannt und streng. „Hör auf, ständig um mich herumzuschwimmen, das macht mich ganz verrückt! Ich meine es ernst, ich mache mir Sorgen!“
„Ach, Silja. Wahrscheinlich trödeln sie irgendwo herum oder wollen sich wieder einmal einen Spaß erlauben. Sobald ich losschwimme, um sie zu suchen, erschrecken sie mich hinter der nächsten Ecke. Ich kenne die beiden doch!“
„Ragnar, bitte!“
„Ist ja gut. Ich schau schon nach, wo sie bleiben.“ Er schwimmt zum Ausgang der Höhle und verschwindet leise vor sich hin murmelnd im Dunkeln: „Und morgen gibt es Höhlenarrest. Jeden Abend das Gleiche!“

Silja macht die ganze Nacht kein Auge zu. Als es bereits dämmert, ist Ragnar noch immer nicht zurück. „Meine arme Sira!“, dunkle Augenringe unterstreichen ihren besorgten Gesichtsausdruck, der wie eingefroren wirkt. „Arme Sira, wo bist du?“, flüsternd ruft die Königin nach ihrer Tochter. Sie schwebt immer noch beinahe regungslos an der gleichen Stelle wie am Abend. Ihre sonst türkis leuchtende Schwanzflosse scheint fahl und blass, und ihre hellblauen Augen, die normalerweise vor Lebensfreude funkeln, sind angsterfüllt. Der ganze Körper der sonst so fröhlichen Königin ist wie erstarrt. Beunruhigt streicht sie sich eine Strähne ihrer langen hellgrünen Haare aus dem Gesicht. „Sira, meine kleine Prinzessin! Hoffentlich ist dir nichts zugestoßen!“

Die nächtliche Dunkelheit ist bereits der morgendlichen Düsternis gewichen, als Ragnar müde und erschöpft durch den Höhleneingang schwimmt. „Keine Spur von ihnen. Ich war bis zum Großen Kap und bei den silbernen Gärten. Und keiner, den ich getroffen habe, hat sie gesehen.“ Er legt die Stirn in Falten. Er ist trotz seines Alters nach wie vor ein stolzer und mächtiger Herrscher und hat über die Jahre nichts von seiner natürlichen Autorität verloren. Jetzt sieht er jedoch hilflos und verzweifelt aus.
„Das kann nichts Gutes bedeuten, Ragnar. Meine arme Sira!“ Auch Siljas sonst so jugendliches Gemüt ist wie versteinert. „Was machen wir denn jetzt?“
Ragnar beginnt wieder, seine Runden zu drehen. Wie seine Frau und seine Tochter ist auch er eine Mischung aus Fisch- und Menschenwesen. Sein Oberkörper und seine Arme haben die Statur eines Menschen, von der Taille an abwärts gleicht sein Körper jedoch dem eines Fisches. Die Schuppen, die den Unterleib bedecken, schimmern in demselben Grün wie seine Augen, seine Schwanzflosse hingegen ist leuchtend gelb. Der Wassermann ist mit seinen weißen, langen Haaren, den hohen Wangenknochen und seinem intensiven Blick eine imposante Erscheinung. Zwar sind seit einiger Zeit kleine Falten um die Augen und auf der Stirn des Königs zu sehen, was aber auch mit den Geschehnissen an der Grenze zur dunklen Seite des Ozeans zusammenhängen kann. Als Zeichen seiner königlichen Würde trägt Ragnar stets einen silbernen, muschelbesetzten Dreizack in der Hand, der ihn als den rechtmäßigen Herrscher über alle Meeresbewohner kennzeichnet.

„Meine arme Sira! Ragnar, du musst losschwimmen und die beiden suchen!“, mit bangem Blick sieht Silja ihrem Mann tief in die Augen. Es folgt ein langer Moment unerträglicher Stille. Genau wie Ragnar ist Silja, die zwar ebenso alt wie ihr Mann ist, aber immer noch anmutet wie ein junges Mädchen, eine geschätzte und beliebte Regentin. Gemeinsam achten sie stets auf das Wohl aller Lebewesen und auf ein ausgewogenes Gleichgewicht im Ozean. Ihr Einflussbereich erstreckt sich jedoch nicht über das komplette Meer, sondern endet an der Grenze zum Schattenreich. Es ist nicht viel bekannt über den Schattenozean, außer dass dort Habgier, Lüge, Hass und Machtbesessenheit regieren und der Dunkle Herrscher mit seiner Gier nach noch größerer Macht mehr und mehr angrenzende Gebiete erobert und vergiftet. Das allein schon ist Grund genug, sich Sorgen um Sira und Baradal zu machen.
„Silja, meine Liebe“, beendet Ragnar das Schweigen, „ich bin der König und ein mächtiger Herrscher. Aber körperlich bin ich alt und schwach. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, einfach loszuschwimmen und Sira und Baradal zu suchen. Aber ich fürchte, das ist keine gute Idee. Ich kann mich in diesen schwierigen Zeiten nicht einfach aus dem Staub machen. Ich habe auch eine Verantwortung gegenüber dem Ozean und seinen Bewohnern.“
„Dann schicken wir Herman und Rapalla los!“, Siljas Stimme zittert.
„Gute Idee. Niemand kennt die Meere besser als die beiden. Sie sollen die zwei suchen.“
„Und sie sollen unter allen Meeresbewohnern die Nachricht verbreiten, dass Sira und Baradal vermisst werden.“
„Ja. So werden wir sie finden! Ich schicke sie sofort los“, Ragnar ruft den Pottwal und seinen Botenfisch zu sich und fährt mit hoffnungsvollem Tonfall fort: „Sie können nicht einfach so vom Meeresgrund verschluckt sein.“

Dreieckige Bettlaken

Haushohe Brecher donnern gegen den hölzernen Rumpf der Rasmus, deren Spanten und Planken bei jeder Erschütterung knarzen und zittern. Gleich Gebirgen rollt eine Woge nach der anderen heran. Auf dem schäumenden Kamm einer jeden Welle kippt der Bug steil nach unten und kracht donnernd ins nächste Wellental. Schier endlos wiederholt sich dieses Spiel, und irgendwann inmitten des Unwetters fällt der tapfere Kapitän vor Erschöpfung in tiefen Schlaf. Währenddessen kämpft sich die Rasmus bei rabenschwarzer Nacht unermüdlich durch die aufgewühlte See. Der Sturm kreischt in der Takelage. Verschlafen hebt Elmo den Kopf vom Kartentisch, wo er während der Positionsbestimmung mit der Stirn auf der Seekarte von Uluvali eingeschlafen ist. Erschrocken schreckt er auf und bemerkt, dass es bereits helllichter Tag ist. Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Elmo muss sich festhalten, um bei dem Geschaukel nicht von seinem Hocker zu fallen. Während er sich in der Kajüte umsieht, erblickt er neben sich ein halb leergetrunkenes Glas Rum. Allerdings scheint irgendetwas mit dem Rum nicht zu stimmen, denn trotz der heftigen Schiffsbewegungen schwappt das Getränk nicht im Glas umher. Elmos Schädel brummt und er fühlt sich etwas benebelt. So langsam dämmert es ihm, dass weder das Boot noch der Rum schwankt, und der Grund für sein Kopfweh nicht die wilde See ist, sondern vielmehr das letzte Glas Überseerum vom gestrigen Abend, dessen scharfer Duft noch immer die Kajüte erfüllt. Hat er das Unwetter und die Wellenberge nur geträumt? Wo war er nochmal? Ach ja, im Hafen von Kapkap. Elmo sieht sich um, und ihm fällt ein Stein vom Herzen. Der Sturm war ein Traum, aber das Boot ist wirklich da. Ja, der Fund am Strand, die Meerjungfrau und der Pottwal waren kein Traum. Um ganz sicherzugehen, zieht der Klabautermann seinen Holzhammer aus der Gürtelschlaufe und klopft prüfend auf die Spanten. Tok, tok. Glück gehabt, das Boot ist echt. Zu seiner Erleichterung steht auch die Korbflasche noch im Salon, und nach einem kräftigen Schluck kühlen Wassers fühlt Elmo sich gleich etwas besser. Er setzt den Dreizack auf den Kopf, klettert durch das Luk an Deck und nimmt einen tiefen Atemzug frischer Seeluft. Trotz des nasskalten Wetters gut gelaunt schwingt er sich unter dem Bugspriet hindurch auf die Hafenmole. Von dort spaziert er mit einem leichten Seemannsgang in Richtung der kleinen Kneipe, um sich ein ordentliches Frühstück zu gönnen.
„Eine große Portion Spiegeleiquallen und einen extra lang gezogenen Algentee, bitte“, gibt er seine Bestellung auf.
„Einmal das Katerfrühstück, sehr gerne, Elmo.“ Die Kellnerin klemmt ihr Monokel, das sie nur für diesen speziellen Gast an einer Kette um den Hals trägt, ins Auge und beginnt, das Frühstück zu richten. „Bitte sehr. Siehst müde aus heute. Aber das hier macht den müdesten Seemann munter.“ Mit einem Zwinkern, bei dem ihr beinahe das Monokel herauspurzelt, stellt sie einen großen Teller auf den Tisch. Zum Nachtisch gönnt sich Elmo noch ein paar gezuckerte Miesmuscheln, was er sonst nur sonntags macht, und fühlt sich danach gestärkt für den Tag. Voller Vorfreude beschließt er, dass es jetzt an der Zeit ist, die Vorbereitungen für seine geplante, große Fahrt in Angriff zu nehmen. Erster Stopp: Der Lebensmittelladen. Um auf den langen Fahrten über die Meere nicht zu verhungern, bestellt der Klabautermann gleich zwei extragroße Kisten voller Konserven seiner Leibgerichte: Gezuckerte Miesmuscheln, Quallensalat mit Sargassodressing, gebratener Seetang, Polypenpudding, eingelegte Seegurken und Spiegeleiquallen. Außerdem gönnt er sich für besondere Tage noch ein paar Dosen kandierter Wattwürmer, seiner liebsten Süßigkeit.

Dann macht sich Elmo mit den geblümten Bettlaken auf den Weg zum Schneider.
„Guten Morgen“, ruft er, als er durch die Tür tritt und schwer bepackt den Laden betritt.
„Morgen Elmo! Na, was hast du auf dem Herzen?“ Herr Schneider dreht sich zu ihm um und sieht den Berg Wäsche, der im Raum zu schweben scheint. „Wie geht es deiner Tante? Bringst Du ihre alten Bettlaken zum Ausbessern vorbei?“
„Danke, es geht ihr gut und ja, ihre alten Bezüge waren meinem Tantchen zu langweilig und jetzt hätte sie gerne ein paar große Segel daraus genäht, um damit den Winterstürmen des Nordmeeres zu trotzen. Das kannst du doch sicher, oder?“ Und als wolle er unterstreichen, dass seine Tante nicht mehr alle Tassen in der Kommode hat, tippt sich Elmo mit dem ausgestreckten Zeigefinger an den Kopf, was Herr Schneider natürlich nicht sehen kann.
„Ach Elmo, euch Klabautermännern traue ich ja viel zu. Aber im Ernst, ich soll dir wirklich aus diesen alten Lappen Segel nähen? Und dann auch noch geblümt? Naja, wie gesagt, dir traue ich alles zu. Komm morgen wieder vorbei, dann kannst du deine Bestellung abholen.“

Die dritte und letzte Station des Tages ist das Postamt, denn bei Herrn Schneider ist Elmo siedend heiß eingefallen, dass er wieder einmal den Geburtstag seiner Tante vergessen hat. Also kauft er eine Postkarte mit einem Motiv des Großen Kaps und eine Briefmarke dazu und schreibt:

Liebe Tante Ziseline, wie geht es Dir?
Zu Deinem Geburtstag wünsche ich Dir nachträglich alles Gute. Du kannst stolz auf mich sein, denn ich bin jetzt Kapitän eines eleganten Zweimasters. Ich bin sehr beschäftigt, weil ich gerade eine große Fahrt vorbereite. Natürlich plane ich auch einen Abstecher nach Subatra ein, um dich zu besuchen.
Es grüßt und küsst Dich
Dein Elmo

Zufrieden mit seinem Tagwerk schlendert Elmo zurück zur Rasmus, wo zwei Kisten mit seinen Lebensmitteln bereits auf dem Kai stehen und auf ihn warten. An Bord verstaut er die Konserven allesamt in der Bilge und überprüft anschließend sorgfältig alle Spanten und Planken, Stagen und Wanten, Püttings und Lager. Erfreut stellt Elmo fest, dass seine Rasmus fast bereit ist für das große Abenteuer. Morgen muss er noch ein paar Ersatzteile sowie einige Hanffasern und einen Eimer Pech zum Kalfatern der Planken besorgen, dann steht der Abfahrt nichts mehr im Wege. Er plant, von Kapkap aus, die Küste entlang nach Westen zu segeln, vorbei an der Stelle, wo er sein Boot vor ein paar Tagen gefunden hat, und dann immer weiter bis zum Westkap und in Richtung Subatra, wo Ziseline wohnt. Wie es danach weitergehen soll? Schon wieder schwirren romantische Inselnamen wie Loloiti und pinselig, weiße Sandstrände und Südseeschönheiten durch Elmos Kopf, und er beschließt, nicht zu viel zu planen, sondern seiner Spontanität und Lust und Laune die Navigation zu überlassen.

Die Festung des Leviathans

Es ist stockdunkel. Der modrige Gestank verwesender Fischkadaver steht in der eiskalten Luft. Sira kann sich kaum rühren. Die dünnen Fäden des Netzes, in dem sie gefangen ist, schneiden wie Rasierklingen in ihre Haut. Auch Baradal befindet sich in dem Netz, er hat sich jedoch in seinen Panzer verzogen und gibt keinen Laut von sich. Sie scheinen an der Decke einer großen Höhle zu hängen. Allein durch ihr eigenes Körpergewicht wird ihnen das Gefängnis zu einer Folter, die jede Bewegung höllisch schmerzen lässt. Ein Glück, dass die Meerjungfrau und die Schildkröte in der Lage sind, sowohl unter Wasser als auch an der Luft zu überleben, sonst würden sie in ihrem Gefängnis elend zugrunde gehen. Die Stille ist gespenstisch. Nur weit in der Ferne hört man das widerhallende Echo fürchterlicher Wellen durch die Grotte schallen. Sie scheinen sich an einem Felsen zu brechen.
Plötzlich donnert eine furchteinflößende, krächzende Stimme durch die kalte Luft: „Na, was ist uns denn da Hübsches ins Netz gegangen?“ Sira schaudert am ganzen Körper, und ihre sonst so schillernden Schuppen stellen sich vor Entsetzen auf. „Das ist ja noch besser als gedacht! Da haben wir nicht nur die Maschine, sondern auch den Ingenieur dazu. Und das Fischweib ist doch Sira, Ragnars Göre. Ha, der Alte wird glühen vor Wut.“ Schallendes Gelächter ertönt. „Gut gemacht, mein Freund! Dann wollen wir uns mal um unseren Herrn Ingenieur und seine Erfindung kümmern.“ Ganz klar erkennt Sira eine zweite Stimme, die ihr irgendwoher bekannt vorkommt, die sie aber nicht zuordnen kann.
„Ich kenne diese Stimme! Wer ist das? Wer ist ‚mein Freund‘?“, düstere Gedanken schießen ihr durch den Kopf. Und zum ersten Mal in ihrem Leben hat Sira wirklich Angst. Sie kann sich jedoch keinen Reim auf all das machen und sich an nichts erinnern. Ihr Schädel dröhnt. „Wir wurden verraten! Aber von wem? Wer zum Teufel hat uns verraten? Und wo sind wir?“ Sira gibt sich Mühe, ihre Gedanken zu sortieren, aber beim besten Willen kann sie sich nicht erinnern. „Ich muss Papa warnen! Aber wie?“

Während Sira versucht, einen klaren Gedanken zu fassen, wird das Netz unsanft zu Boden gelassen und Baradal von einer kräftigen Klaue in die Luft gehoben.
„Nein! Baradal! Was wollt ihr von ihm?“ Niemand interessiert sich für ihre Rufe, und in Sekundenschnelle reißt das Netz mit ihr darin wieder in die Höhe. Alleine ist es zwar etwas angenehmer und nicht ganz so eng, ohne Baradal steigert sich Siras Angst jedoch ins Unermessliche. Sie zittert am ganzen Leib, und die Kälte scheint noch mehr Besitz als zuvor von ihr zu ergreifen. „Was in aller Welt haben sie mit Baradal vor?“ Wieder und wieder geht ihr diese Frage durch den Kopf, sie kann jedoch noch immer keinen klaren Gedanken fassen.

Lange muss Sira nicht warten, um zu erfahren, was es mit der Entführung von Baradal auf sich hat. Schon wenige Augenblicke später fällt ihr Netz wie ein Sack zu Boden, und die Prinzessin wird von derselben grauenhaften Klauenpranke fortgetragen. Bei dem Aufprall hatte sie kurz das Bewusstsein verloren, und als sie langsam wieder zu sich kommt, befindet sie sich in einer anderen, von schummrigem Licht erhellten Grotte. Die Wände der Höhle steigen steil hoch, wie in einer Kathedrale. Einige steinerne Pfeiler und Säulen ragen vom Boden hinauf und scheinen die Decke zu tragen. Manche der Stützen sind von oben nach unten gerichtet, andere von unten nach oben und manche berühren sich gerade eben auf halber Höhe. Ein paar der Säulen sind dick und massiv und größer als der ganze Königspalast von Siras Eltern. Wie Speere hängen steinerne Eiszapfen von der Decke, von deren Spitzen sich beständig kalte Wassertropfen lösen. In der ganzen Höhle ist ein allgegenwärtiges, leises Plätschern zu hören. Dort, wo die steten Rinnsale auf den Boden treffen, formen sich bedrohliche Lanzen, die senkrecht der Decke entgegenwachsen. In der Mitte der riesigen Grotte kauern Sira und Baradal auf einer Art kleinem Plateau, das von mehreren Wassertümpeln eingerahmt ist, aus denen es unheilvoll faucht und zischt.

„Wenn du es uns nicht freiwillig demonstrierst, dann müssen wir dich eben zwingen“, wieder durchschneidet diese krächzende Stimme wie ein Messer die Luft, „oder willst du, dass dem Fischweib etwas zustößt? Meine Hydras haben schon seit Tagen keine ordentliche Mahlzeit mehr bekommen.“ Langsam gewöhnen sich Siras Augen an die schummrigen Lichtverhältnisse, und zu ihrem Entsetzen erkennt sie nur wenige Meter neben sich in einem der Tümpel unzählige grässliche, schlangenartige und unverkennbar hungrige Lebewesen. Wie viele es sind, kann Sira beim besten Willen nicht abschätzen, da jedes dieser abscheulichen Geschöpfe mehrere Köpfe mit Mäulern voller rasierklingenscharfer Zähne besitzt. Das Wasser in dem Tümpel scheint zu kochen, denn die aalgleichen Körper der Wesen bewegen sich wild durcheinander wie ein Knoten, der sich stetig löst und wieder zuzieht.
„Das müssen die Hydras sein“, denkt Sira. Bisher hat sie nur Sagen und Legenden über diese Wesen gehört. In Wirklichkeit sehen sie noch bösartiger und gemeiner aus, als sie es sich in ihren schlimmsten Alpträumen hätte vorstellen können. Schnell wendet sie ihren Blick von ihnen ab, schließt ihre Augen und dreht den Kopf zur Seite.
„Müssen wir zuerst die Hydras füttern, oder zeigst du es freiwillig? Wie funktioniert das Ding? Ich habe nicht viel Zeit“, ein heftiger Stoß in Richtung des Schlangentümpels lässt Sira das Gleichgewicht verlieren und auf die Hydras zustolpern. „Sture Schildkröte!“, die unangenehme Stimme poltert krächzend durch die Grotte.
„Halt! Lasst Sira aus dem Spiel!“, fahl und leise klingt die Stimme von Baradal. „Und versprecht mir, dass ihr nichts geschieht. Dann zeige ich euch, wie der Apparat funktioniert.“ Zum ersten Mal seit ihrer Gefangenschaft streckt die Schildkröte vorsichtig ihren Kopf aus dem Panzer. Sie schiebt sich mühsam mit ihren Flossen über den scharfkantigen Boden der Grotte in Richtung der Maschine, die wenige Meter vor ihr unversehrt auf einem Felsvorsprung steht. Er dreht die Apparatur um ein paar Grad, so dass das schummrige Licht direkt von oben auf die Linsen scheint. Er nimmt das kleine Fläschchen und schraubt es unterhalb der Linsen fest. Sira hat die Augen wieder geöffnet und starrt zitternd auf Baradal und auf die Maschine. Sie traut sich nicht, ihren Kopf zu drehen oder gar die Höhle nach einer Fluchtmöglichkeit abzusuchen, zu tief steckt ihr noch der Schock vom Anblick der Hydras in den Knochen. Während sie mit einer Mischung aus Neugier und Entsetzen Baradal beobachtet, wie er an den verschiedenen Einstellrädchen des Apparates dreht, dämmert es ihr, dass ihr Leben hier nichts wert ist.
„Wird´s bald?“, poltert die Stimme wieder durch die Höhle.
Auch Baradal zittert, während er etwas gefasster antwortet: „Die Maschine funktioniert nicht. Sie muss beim Transport kaputtgegangen sein.“
„Lügner!“, dröhnt es durch die Luft, und Sira bekommt einen weiteren, heftigen Stoß in Richtung des Tümpels mit den Hydras. Jetzt trennt sie kaum mehr eine Körperlänge von den vielen Köpfen mit den rasiermessergleichen Zähnen. Sichelförmige, funkelnde Augen richten ihre Blicke auf die Prinzessin. Das schaurige Zischen der gespaltenen Zungen im Maul der Bestien schwillt an, und ein fauliger Atem schlägt Sira entgegen. Sie gibt sich Mühe, tapfer zu sein und nicht zu schreien.
„Nein! Lasst Sira in Ruhe! Die Maschine funktioniert. Aber wir müssen ins Wasser, unter den freien Himmel in die Sonne.“
„Wenn du lügst, ist Ragnars Tochter tot! Schafft die Schildkröte und diesen Apparat nach draußen. Das Fischweib kommt auch mit!“

Wieder wird Sira von der gewaltigen Klaue umfasst und nach draußen gebracht, wo sie unsanft ins seichte Wasser geworfen wird. Sie spürt die wärmende Kraft der Sonne auf ihrer Haut, und es fühlt sich wie eine Ewigkeit an, dass sie das letzte Mal die Sonne gesehen und frische Luft geatmet hat. Ein kurzer Gedanke an Flucht keimt in ihr auf, aber als sie die Augen öffnet, muss die Prinzessin einsehen, dass es chancenlos ist. Auf drei Seiten stehen hohe, kahle Mauern ohne Fenster, und den Horizont kann sie nur durch zwei Tore am anderen Ende der Mauer erkennen, die streng von unzähligen Hydras bewacht werden. Diese Schlangenwesen sind überall, auf den Mauern, bei den Toren und in der Lagune.

Neben der Prinzessin wird Baradal ins Wasser geworfen, und eine andere Klaue stellt vorsichtig die Maschine zwischen die beiden. Als Sira ihren Kopf hebt und nach oben blickt, erkennt sie über sich einen vor Bosheit nur so strotzenden und abscheulichen Körper von monströsen Ausmaßen. Selbst ihr Pottwal Herman würde daneben wie ein Zwerg wirken. Der Leib des Monsters ist über und über von Schuppen bedeckt, es sind allerdings keine kleinen, zarten Schuppen wie ihre und die ihrer Eltern, vielmehr sind es wie Schindeln angeordnete, rote und bräunliche Platten, die am ehesten dem Panzer eines Krokodils oder Dinosauriers ähneln. Die riesige Echse steht auf zwei Hinterbeinen mit Pranken, die beim Auftreten den Boden vibrieren lassen und die mit groben Krallen bewaffnet sind, jede einzelne davon beinahe so groß wie Sira. Vom Kopf über den Rücken hinab bis zum Hinterteil des Untiers reihen sich dicht an dicht schroffe Zacken. Der mit Dornen besetzte Schwanz, dessen Ende sich scharfkantig auffächert, peitscht bedrohlich durch die Luft. Das Monster hat mehrere kurze Arme mit großen Klauen und gefährlichen, spitzen Krallen sowie ein paar Stumpen, wahrscheinlich im Kampf verlorene Arme. Die beiden Augen sind zu langen, schmalen Schlitzen verengt, in den schwarzen Augäpfeln blitzen hinterhältig die weißen Pupillen des Monsters. Eine breite Schnauze mit vielen Reihen messerscharfer Zähne, von denen die äußersten selbst bei geschlossenem Maul über die Kiefer hinausstehen, vervollständigt das abscheuliche Bild des grausamsten und hässlichsten Lebewesens, das Sira je erblickt hat.
„Gewöhn dich an den Anblick, Fischweib!“, krächzt die Panzerechse sie mit donnernder Stimme an. „Denn vielleicht nehme ich Dich irgendwann zur Frau. Hier gibt es nur ein Gesetz, und das bin ich, Leviathan!“ Dröhnendes Gelächter erfüllt die Luft.

……… das waren die ersten 49 Seiten. Die restlichen 183 Seiten gibt es als farbig illustriertes Taschenbuch (232 Seiten, 14,99 Euro) oder als eBook (4,99 Euro) bei folgenden Anbietern zu kaufen:

Eines noch: Ja, wir wissen es. Dieses ständige “Bitte geben Sie eine Bewetung ab” geht tierisch auf die Nerven, auch uns. Aber in diesem einen Falle würden wir uns wirklich und ehrlich und riesig über eine ehrliche Bewertung oder besser noch eine kurze Rezension auf amazon freuen. DANKE!

Na dann, viel Spaß beim Lesen! Liebe Grüße,

Martin, Riki, Kira

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