Gibraltar und La Linea

Gibraltar liegt zwar auf dem europäischen Festland, ist aber seit 1704 britisch und hat den Status eines britischen Überseeterritoriums, genau wie Pitcairn im Pazifik oder Chagos im indischen Ozean. Diese Gebiete sind weitgehend selbst verwaltend, unterstehen jedoch der britischen Krone. Gibraltar ist die östliche Landzunge der großen Bucht von Algericas und in alle Richtungen weithin sichtbar, denn die Landzunge wird beherrscht von einem gigantischen, 426 Meter hohen Kalksteinmonolith. Auf der Ostseite des riesigen Felsen gibt es ein paar schöne Sandstrände, auf der Westseite liegt die Stadt Gibraltar mit ihrem Freihafen, günstigem Sprit und Alkohol und dazwischen, auf dem Felsen, lebt eine Kolonie von Berberaffen. Es sind die letzten wildlebenden Affen in Europa und es ist nicht ganz geklärt, wie diese auf den Berg kamen, ob sie einem Transport entflohen sind oder das Überbleibsel einer alten, südeuropäischen Population sind. Sicher ist jedoch, dass sich diese „wilden“ Affen bestens an die Touristen gewöhnt haben. Rucksäcke werden nach essbarem durchwühlt, Reisverschlüsse und Schnallen stellen dabei kein Hindernis dar und Widerstand wird auf der Suche nach Chips und Marsriegel nicht geduldet. Trotzdem ist eine Tour auf den Felsen, entweder mit der Gondel oder wie wir zu Fuß, ein lohnender Ausflug.

Der Felsen war schon lange vor den Briten ein strategisch wichtiger Punkt und bereits von den Neandertalern vor 28.000 Jahren besiedelt. Er wurde über die Jahrhunderte mehr und mehr zur Festung ausgebaut, wurde von den Arabern, den Spaniern, den Niederländern und den Briten umkämpft und seit 1704, als er von den Briten erobert wurde, nicht mehr eingenommen. Der Berg ist von natürlichen Höhlen und ca. 50 Tunnelkilometern wie ein Schweizer Käse durchlöchert, das Material aus den Tunneln wurde zur Landgewinnung auf der Westseite genutzt. Während des zweiten Weltkriegs waren 30.000 britische Soldaten hier stationiert und die Zivilbevölkerung komplett evakuiert. Reste alter Geschütze aus dieser und früherer Zeit sind überall auf und um den Felsen zu finden.

Der südlichste Punkt Gibraltars ist Europa Point mit seinem rot-weißen-Bilderbuchleuchtturm. Es ist nicht der südlichste Punkt Europas, dieser liegt in der Straße von Gibraltar bei Tarifa, etwas weiter im Westen. Gegenüber auf der afrikanischen Seite liegt Ceuta, eine spanische Enklave auf Marokkanischem Gebiet und westlich davon der Berg Jbel Musa, der mit seinen 852 Metern genau doppelt so hoch wie der Rock of Gibraltar ist. Die beiden Berge werden als die Säulen des Herkules bezeichnet. Bei klarem Wetter ist der Jbel Musa von hier aus gut zu erkennen. 

Wir liegen auf der spanischen Seite in in La Linea de la Conceptión genau nördlich von Gibraltar. La Linea ist laut, bunt, voller Leben und Atmosphäre und genau wie die Stadt Gibraltar nicht wirklich schön. Während in Gibraltar alles „very British“ ist, Pubs, Juweliere und Spirituosengeschäfte da Stadtbild prägen und bei Sonnenuntergang die Gehsteige hochgeklappt werden, ist La Linea eine bunte spanisch-arabisch-afrikanische Mischung mit Dönerbuden, Tapasbars und grellen, bröckeligen Fassaden. Es ist eine tolle Stadt mit einem guten und günstigen Hafen und im Nachhinein sind wir froh, dass sie unser kleines Boot in der „Marina Bay“ in Gibraltar nicht haben wollten und wir hier in der Marina von La Linea liegen. La Linea ist das Drehkreuz für den Schmuggel von Haschisch in die EU. Tags wie nachts patrouilliert die Guardia Civil mit ihren schwarzen, unbeleuchteten und schwer motorisierten Offshore-RIBs durch die Straße und Bucht von Gibraltar und hat auch uns zwei Mal umkreist, bevor wir vor einer Woche um 5 Uhr in der Früh in den Hafen von La Linea gefahren sind.

Von hier aus ist man in einer viertel Stunde zu Fuß in Gibraltar. Man muss lediglich durch den Zoll, die Passkontrolle und dann quer über die Startbahn des Flughafens, schon ist man fast im Stadtzentrum. Startet oder landet ein Flieger, gehen die Schranken für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer zu und sobald das Flugzeug durch ist, gehen die Schranken auch schon wieder hoch. Wir waren schon einige Male in Gibraltar, um uns die Stadt anzuschauen, um auf den Felsen zu wandern, um zum Europa Point zu laufen und gestern, um die Bootsausstatter abzuklappern. Wie im letzten Blogeintrag geschrieben, möchten wir uns ein aktives AIS zulegen, um von anderen Booten besser gesehen zu werden. Hier in La Linea und Gibraltar sind wir nicht fündig geworden bzw. haben wir kein System gefunden, das unseren Anforderungen entspricht. Diese sind zum einen das neue SOTDMA System, das mit einer stärkeren Leitung sendet und von anderen Booten nicht unterdrückt werden kann und zum Anderen die Möglichkeit, das AIS drahtlos mit unserem Tablet verbinden zu können, da wir keinen Kartenplotter an Bord haben. Wir haben uns für das Amec B600W entschieden, das unser nächster Besuch aus Deutschland uns mitbringen muss.

Für uns geht die nächste Etappe durch die Straße von Gibraltar nach Tangier in Marokko. Es ist zwar nur eine kurze Etappe, die aufgrund von Wind, Tide und Strömung aber gut geplant sein möchte. Aufgrund des größeren Salzgehaltes fließt das Mittelmeerwasser in der Tiefe in den Atlantik, aber wegen des Pegelunterschiedes von 1,4 Metern zwischen den beiden Meeren fließt das Atlantikwasser an der Oberfläche wiederum ins Mittelmeer. Dazu kommen die Tidenströme, die einen Hauptstrom in der Mitte und je einen Gegenstrom in Ufernähe bilden und durch den Wind bedingte Strömungen. Wenn wir dies alles berücksichtigen ist die beste Zeit um von Ost nach West durch die Straße zu segeln, 3 Stunden nach Hochwasser Gibraltar. Aber im Moment ist es zu windig, in der Straße wehen bis zu 40 Knoten und in Böen sind bis zu 50 Knoten vorhergesagt. Ab Freitag wird es ruhiger, ab dann werden wir uns einen geeigneten Zeitpunkt für die 35 Meilen nach Tangier suchen. Dann beginnt unser Abenteuer Atlantik und, wenn Wind und Wetter mitspielen, eine Reise entlang der afrikanischen Westküste bis nach Gambia. Und – keine Sorge – wir setzen uns ausführlich mit der Sicherheitslage auseinander.

Viele Grüß aus dem windigen La Linea von Bord der aracanga senden Riki und Martin

 

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Ihr zwei,
    ich habe heute Euren Blog entdeckt u. gleich vom Anfang bis zum Ende in Gibraltar förmlich verschlungen, da ich auch bald das gleiche vorhabe, bin jetzt Rentner u. hab jetzt die Zeit, weiterhin immer die berühmte Handbreit unterm Kiel u. immer guten Wind. Hartmut aus Piding

    • Hallo Hartmut, viel Erfolg mit Deinem Vorhaben und wer weiß, wann und wo wir uns über den Weg segeln werden 🙂 LG Riki und Martin

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