Via Helgoland und Borkum nach Holland

Cuxhaven ist unser Absprung auf die Nordsee. Der Wetterbericht ist gecheckt und mit drei Windstärken aus West ist ein angenehmer Wind für unseren ersten Segeltag vorhergesagt. Das Ziel ist Helgoland, etwa 35 Seemeilen entfernt. Vom Ebbstrom lassen wir uns vorbei an der Kugelbake, die das Ende der Elbe und den Beginn der Nordsee markiert, hinausspülen.

Helgoland am Horizont
Helgoland in Sicht

Aber von Wind keine Spur, es herrscht absolute Flaute. Also lassen wir den Motor laufen und nehmen unter Maschine Kurs auf Helgoland. Tja, nix mit erstem Segeltag, aber trotzdem ein schöner Tag auf See. Wir sehen einige Schweinswale und ein paar Seehunde und nach und nach schält sich die Insel Helgoland aus dem Dunst. Eine grüne Tonne an Steuerbord, eine rote an Backbord und schon sind wir im Hafen, wo wir als zweites Schiff ins Päckchen gehen. Neben uns machen unsere Freunde mit der Hein Mück fest und bis zum Abend kommen noch einige andere Schiffe rein, so dass unser Päckchen und auch die vor und hinter uns auf bis zu je zehn Boote wachsen.

Helgoland und Düne

Die Ivalu im Päckchen auf Helgoland

Drei Tage bleiben wir auf Deutschlands einziger Hochseeinsel, wie Helgoland gerne genannt wird. Eigentlich ist es gar keine Hochseeinsel, da sie auf dem Festlandsockel liegt und eigentlich sind es auch zwei Inseln, durch einen Kanal getrennt liegt genau neben Helgoland die Insel Düne. Sie ist, wie der Name schon sagt, ein Sandhaufen und bekannt für Seehunde, Kegelrobben und Meeresvögel, die die Insel als Zufluchtsort nutzen. Sie ist knapp einen auf einen Kilometer groß und war bis ins 18. Jahrhundert mit ihrer Nachbarinsel verbunden. Eine Sturmflut in der Silvesternacht 1720 auf 1721 hat die Inseln getrennt und in den nächsten knapp zweihundert Jahren ist die Düne auf einen kleinen Sandhaufen geschrumpft. Während der Nazizeit sollten Helgoland und Düne im „Projekt Hummerschere“ zu einer gigantischen Festung aufgeschüttet und vergrößert werden und die Düne erhielt ihre heutige Form, das „Projekt Hummerschere“ wurde jedoch im Jahr 1941 aufgegeben und glücklicherweise nie vollendet.

Seehunde und Kegelrobben am Südstrand von Düne

Am Tag nach unserer Ankunft fahren wir mit einem der traditionellen Helgoländer Börteboote auf die Düne, um am Strand um die Insel zu spazieren und hoffentlich Seehunde und Robben zu sehen. Am Nordstrand ist von den Tieren keine Spur, aber am Südstrand finden wir eine gemischte Gruppe von Seehunden und Kegelrobben am Strand liegen und die Sonne genießen. Ein sehr freundlicher Ranger gibt uns einige interessante Infos zu den Tieren wie zum Beispiel, dass sie nicht permanent hier leben, sondern weite Wanderungen unternehmen und unter Umständen regelmäßig zurückkehren. Die Kegelrobbe ist mit bis zu 300 Kilo Körpergewicht das größte freilebend in Deutschland vorkommende Raubtier.

„Schau, das ist doch die Ivalu“, diesen Satz hören wir öfter. Anscheinend haben einige der Segler, die wir unterwegs treffen, unseren Film „Die Reise der Ivalu“ angeschaut.

Im Hafen von Helgoland – im Hintergrund die Joya

Im Hafen herrscht eine entspannte und gesellige Stimmung, dadurch dass man Bordwand an Bordwand mit den Nachbarn im Päckchen liegt, muss man gezwungenermaßen über fremde Schiffe, um ans eigene Boot zu gelangen. Am nächsten Tag klettern wir früh über die Reling unseres Nachbarbootes auf den Steg, um vor dem Ansturm der Ausflugsboote aus Büsum und Cuxhaven die Insel ganz für uns zu haben, und machen uns auf den Weg, einmal um die Insel zu laufen. Helgoland ist ohne seinen im ersten Weltkrieg fertiggestellten Hafen nicht viel größer als die Düne und hat seine heutige Form, genau wie die Nachbarinsel, dem zweiten Weltkrieg zu verdanken. Nach dem gewonnenen Krieg sprengten die Briten die Bunkeranlagen von Helgoland mit knapp 7000 Tonnen Sprengstoff. Es wurde in Kauf genommen, dass die Insel eventuell vollständig vernichtet würde, der poröse Sandstein Helgolands jedoch ließ die Druckwellen entweichen. Es war mit der halben Sprengkraft von Hiroshima die bis Dato größte nichtatomare Explosion und hat Helgoland seine heutige, hügelige Form mit den vielen Bombenkratern beschert.

Ein Basstölpel im Landeanflug auf den Lummenfelsen

Auf unserem Weg um die Insel, immer entlang der Felskante, die bis zu 50 Meter steil ins Meer abfällt, haben wir Zeit die vielen Informationstafeln über Helgolands bewegte Geschichte und seine einzigartige Natur zu lesen. Die Hauptattraktrion ist der Lummenfelsen, Brutplatz vieler verschiedener Seevögel und Schauplatz des alljährlichen „Lummensprungs“, den wir allerdings um ein paar Wochen verpasst haben. Bei diesem Spektakel springen die jungen Lummen unter lautstarkem Anfeuern der Altvögel vom Felsen und wagen ihren ersten Flugversuch. Als wir da sind, sind die Lummen jedoch schon ausgeflogen und der ganze Felsen ist von brütenden Basstölpeln belagert, den größten Vögeln des Nordatlantiks. Ein etwas strenger Geruch liegt in der Luft und das Geschrei der Vögel ist weithin zu hören. Erst 1991 hat das erste Basstölpelpaar auf Helgoland gebrütet, heute sind es tausende. Vom Lummenfelsen sind es nur ein paar Meter zur Langen Anna, einem Wahrzeichen von Helgoland. Der freistehende Felsen aus rotem Sandstein steht an der Norwestspitze Helgolands und ist ebenso wie der Lummenfelsen ein beliebter Brutplatz für Seevögel.

Der dritte und letzte Tag auf Helgoland ist dann eher gemütlich und vergeht mit ein paar Bastelarbeiten an Bord und einer Einladung zum Frühstück, über die wir uns ganz besonders freuen: „Ahoi, Joya!“ Vor uns liegt ein großer Katamaran, der uns irgendwie bekannt vorkommt. Die Wiedersehensfreude ist groß, es ist die Joya von Ellen und Christoph, die wir vor über einem Jahr in Marokko und kurze Zeit später auf den Kanaren wieder getroffen haben. Ellen ist leider nicht an Bord, aber mit Christoph und seiner Crew genießen wir ein wunderbares Frühstück an Bord der Joya. Danke nochmal, es war so toll, Euch wieder zu treffen! Der restliche Tag vergeht mit den Vorbereitungen unseres nächsten Versuches eines ersten Segeltages: 80 Seemeilen nach Borkum.

Auf nach Borkum

Die Ivalu auf der Nordsee

Wir kalkulieren 16 Stunden für die Strecke nach Borkum, und um mit der passenden Tide und bei Tageslicht anzukommen, legen wir um vier Uhr morgens ab. Unsere drei äußeren Nachbarn warnen wir vor, dass wir früh loswollen und punkt vier löst sich das Päckchen auf und wir machen uns bei frischem Wind von etwa 20 Knoten auf den Weg auf die Nordsee. Im Osten fängt es bereits kurz nach der Abfahrt an zu dämmern und unter voller Besegelung rauschen wir mit einem Pott heißen Kaffee in der Hand in den Morgen, zunächst nach Süd-West, um vom Verkehrstrennungsgebiet und den dicken Frachtern frei zu bleiben, dann nach Westen entlang der ostfriesischen Inseln. Der Wind weht frisch bis kräftig und eine kurze Welle aus Nordwesten macht die Überfahrt etwas ruppig. Eine dicke, schwarze Wolke bringt einige Böen und etwas Regen und wir wechseln das Vorsegel von der großen Genua auf die kleinere Fock. Die komplette Crew samt Baby hat die erste Bewährungsprobe bestanden, etwas später kommt die Insel Borkum in Sicht und wir segeln durch das Riffgatt, eine betonnte Passage über das Borkumriff, auf die Insel zu und entlang deren Westseite.

Die Ivalu – fotografiert von Bord der Hein Mück

Dort biegen wir noch einmal nach Backbord ab und fahren, jetzt unter Motor, zwischen grün und rot mit dem Watt auf der einen und der Insel auf der anderen Seite die letzten Meter bis zum Hafen. Dieser ist unaufregend, bietet nicht viel und ist dafür sehr teuer, weswegen wir am nächsten Tag mit der passenden Tide weiterfahren. Borkum liegt an der Mündung der Ems und wir Motoren den Fluss ein paar Kilometer bis zur holländischen Stadt Delfzijl. Dort gelangt man durch eine Schleuse auf die „Staande Mastroute“, eine Kanalroute die, wie der Name schon sagt, mit stehendem Mast gefahren werden kann und quer durch Holland bis nach Rotterdam führt. Nach der Schleuse sind wir im Kanal und wieder einmal ist Binnenfahrt angesagt. Ehrlich gesagt klingt das für uns nach einer angenehmen Alternative zur nicht immer so gemütlichen Nordsee. Von der Schleuse aus motoren wir noch etwa drei Stunden unter Hebe- und Drehbrücken hindurch bis in die wunderschöne Stadt Groningen, wo wir im beschaulichen, engen Stadthafen liegen.

Groningen

Das Forum von Groningen – auf jeden Fall einen Besuch wert!

Groningen ist eine tolle Stadt. Klar, die Architektur und die Geschichte sind spannend, Groningen war seit dem Mittelalter ein bedeutendes Handelszentrum, aber was die Stadt ausmacht ist die Stimmung. Es herrscht eine, soweit man in Coronazeiten von ausgelassen sprechen kann, ausgelassene Stimmung, die Menschen treffen sich in den Cafés, sind mit dem Fahrrad unterwegs und sieht man einen Bus, Roller oder Auto, fahren diese meist elektrisch. Die Stadt wird von unzähligen kleinen Kanälen durchzogen, die wir mit unserem Bluefin-SUP erkunden und fast jede Brücke kann angehoben werden. Land- und Wasserverkehr laufen gleichberechtigt nebeneinander her. Hier bekommen wir Familienbesuch von der Lilli, die für ein paar Tage bei uns an Bord bleibt. Da freut sich die Kira, dass die Oma da ist (und wir uns natürlich auch alle!). Drei Tage sind wir in Groningen, bis wir heute ablegen und weiter entlang der „Staande Mastroute“ nach Westen tuckern.

Viele Grüße aus Holland schickt die Crew

–> unsere Kaffeekasse <–

2 Kommentare

  1. Ahoi Riki und Martin!
    Vielen Dank für euren Bericht und die Bilder aus Helgoland, sie ähneln den unsrigen schon sehr! 😁
    Es war uns eine Freude euch persönlich kennenzulernen und mit euch im Päckchen zu liegen! Unsere Reise endet leider heute wieder in Lelystad. Für Euch alles Gute!
    Herzliche Grüße von Peter und Rilana mit Gemma, Bent, Romy und Vincent
    (Romy feiert ihre Kappe!) 😄☺️👍🏻

    • Hi ihr Lieben,
      es war sehr schön, Euch kennenzulernen! Alles Gute Euch, liebe Grüße und hoffentlich auf irgendwann irgendwo auf dieser Welt,
      MaRiKi

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