Wasser im Öl und Diesel in der Bilge

Im Januar beginnen die Motorprobleme mit der defekten Öldichtung des Getriebes

Getriebeöl in der Bilge

In den letzten Wochen haben wir vermehrt mit Motorproblemen zu kämpfen. Begonnen hat alles im Januar in Antigua mit der undichten Öldichtung unseres Getriebes. Aber das ist längst behoben. Bis St. Martin gibt es keine weiteren Probleme, Schlüssel umgedreht und der Motor läuft. Vor der Abfahrt in die Dominikanische Republik machen wir noch einen Ölwechsel und bunkern Diesel, dann segeln wir drei wunderschöne Tage in Richtung Westen, von den kleinen zu den großen Antillen.

Kein Kühlwasser

Kurz vor Samana, unserem ersten Ziel in der Dominikanischen Republik, verlässt uns der Wind, und um noch bei Tageslicht anzukommen, starten wir die Maschine. Sie springt sofort an, Kühlwasser kommt jedoch keines. Kein Problem, kein Kühlwasser ist zu 90 Prozent ein defekter Impeller, und davon haben wir reichlich Ersatz an Bord. Also Impeller gewechselt und schon läuft das Kühlwasser wieder. Dann, beim Start von Samana in Richtung Nationalpark, startet der Motor nicht. Mist. Der vermeintliche Fehler ist nur ein loser Kontakt. Vorerst.

Wasser im Öl

Im Nationalpark dann beim routinemäßigen Ölcheck machen wir eine gar nicht so schöne Entdeckung: Wasser im Motoröl. Mist! Das ist uncool. Wo kann das Wasser her kommen? Ist es Süßwasser aus dem inneren Kühlkreislauf oder Salzwasser aus dem Äußeren? Das lässt sich für uns nicht herausfinden, da schon 1,5% Wasser im Öl reichen, um diese wie Mayonnaise aussehen zu lassen. Das ist jedoch so eine kleine Menge, dass, selbst wenn man sich zu einer Geschmacksprobe durchringt, sich sicher keine Diagnose stellen lässt. Da die Maschine nie heiß gelaufen ist, schließen wir einen Zylinderkopfschaden fürs Erste aus (bzw. wir hoffen schwer, das ausschließen zu können). Also konzentrieren wir uns auf den äußeren Salzwasserkühlkreislauf und unser erster Verdächtiger ist die Wasserpumpe. Diese wird direkt vom Motor angetrieben und hat zwei Dichtungen / Simmerringe, einen öl- und einen wasserseitig. Sollten beide Dichtungen defekt sein, kann Salzwasser ins Öl gelangen. Wir bauen die Wasserpumpe aus und testen sie, indem wir sie mit Wasser füllen und auf den Kopf stellen. Wir können den Verdacht weder bestätigen noch widerlegen. Also wechseln wir Öl und Ölfilter, befestigen wir ein Stück Küchenrolle unter der Pumpe und als das Papier nach einer kurzen Testfahrt immer noch trocken ist, jedoch neues Wasser im Öl ist, steht fest: Die Wasserpumpe ist nicht das Problem. Mist, das wäre die einfachste Lösung gewesen. Ansonsten gibt es keine Berührungspunkte zwischen Salzwasser und Öl, zumindest keine uns bislang bekannten.

Unser Ankerplatz in Samana – wir stellen uns schon auf einen längeren Aufenthalt ein.

Also doch Zylinderkopfdichtung? Wir stellen uns schon auf einen längeren Aufenthalt in Samana und eine größere Baustelle ein. Dann, mitten in der Nacht, ein Geistesblitz: Wie funktioniert der Ölkühler. Wird dieser Wärmetauscher durch Frisch- oder durch Salzwasser gekühlt. Ist auch egal, es ist definitiv ein Berührungspunkt von Wasser und Öl und es wäre eine relativ schnelle und einfache Reparatur, denn einen Ersatzölkühler haben wir sogar an Bord. Gleich am nächsten Morgen machen wir uns an die Arbeit. Um herauszufinden, ob das Problem dort liegt, hilft nur, den einen Ölkühler aus- und den neuen einbauen. Gemacht, getan. Zwei Stunden später ist das Teil gewechselt. Dann heißt es Motor spülen, spülen, spülen. Das heißt, wir wechseln mehrmals Öl- und Ölfilter und lassen jeweils dazwischen den Motor kurz laufen. Somit soll wirklich jeder Tropfen Wasser aus der Ölwanne und den Ölleitungen herausgespült werden. Fünf Mal machen wir das Ganze und es sieht gut aus, fürs Erste ist kein neues Wasser nachgekommen. Gewissheit jedoch kann nur ein Test unter Last bringen. Und, wir nehmen das Ergebnis an dieser Stelle vorweg: Der Ölkühler war das Problem, auch nach einem Lasttest mit höheren Drehzahlen auf eine gewisse Zeit (nach dem Ablegen von Samana in Richtung Saona) ist alles Tip-Top, kein Wasser wo es nicht hin gehört.

Diesel in der Bilge

tropf-tropf-tropf in die Bilge. Beim Versuch, das Leck zu orten

Das wäre geschafft. Aber es wäre irgendwie langweilig, wenn das alles gewesen wäre. Nur einen Tag später die nächste Hiobsbotschaft: Es kommen kleine, ölige Fußspuren aus der Achterkabine. Der erste Gedanke: Da ist mit Sicherheit nur ein Fläschchen Babyöl oder so umgefallen. Schön wäre es gewesen, und auch vom Duft her so viel angenehmer. Auf der Suche nach der Ursache der öligen Fußpatscher wird uns schnell klar, dass nicht ein Klecks Babyöl, sondern unser 560 Liter fassender Dieseltank das Problem ist. Genau hinter dem Fußboden der Achterkabine ist besagter Dieseltank eingebaut, der mittig unter einem Schrank und unter der Doppelkoje an Backbord sitzt. Beim Öffnen des Bodenbrettes zählen wir alle drei Sekunden einen Tropfen Diesel, der entlang der Kante läuft und am tiefsten Punkt in die Bilge tropft. Wir könnten Sch…. schreien! Fragen über Fragen: Wo ist das Leck, wie flickt man notdürftig einen vollen Tank, und natürlich, wie flickt man ihn dann ordentlich? Eine kurze Recherche ergibt: Seife ist das Mittel der Wahl zum schnellen, provisorischen Abdichten. Aber wohin mit der Seife? Der Tank ist so gut ins Schiff integriert, dass man fast denken könnte, das Boot wurde um den Tank gebaut. Klar ist: Das Leck ist an Backbord. Und klar ist auch: Es muss so liegen, dass der Diesel auf die Bodenbretter gelangen kann, also auf Höhe oder oberhalb der Bodenbretter. Woher sonst die Fußabdrücke? Nach einigem Suchen ist klar, das Leck ist genau auf Höhe der Bodenbretter, genau dort wo man nicht hin kommt. Also stopfen wir eine halbe Kernseife so gut es geht in den Ritz und schaffen es, dass nur noch ein Tropfen alle zwei Minuten in der Bilge landet. Besser geht im Moment nicht. Dann organisieren wir leere Dieselkanister von unseren Nachbarn. Dass wir den Tank vor ein paar Tagen noch komplett voll gemacht haben, macht uns das Leben jetzt nicht gerade leichter. Wir rechnen aus, dass wir etwa den halben Tank abpumpen müssen, damit das Leck trocken liegt.

Im Salon stapeln sich die Dieselkanister. Zum Glück bleibt der Großteil der Baustelle diesmal jedoch in der Achterkabine, somit bleibt rund um die Dieselkanister genug Platz zum Duplo spielen.

Mit einem dünnen Schlauch durch die Öffnung des Peilstabs und der berühmten Ansaugmethode pumpen wir den Tank leer genug, dass es nicht mehr tropft. Im Salon stapeln sich dafür die vollen Dieselkanister. Dann wird der Tank mit Hilfe eines Kuhfuß angehoben und soweit mit Holz unterlegt, so dass wir das glücklicherweise nur sehr kleine Leck sehen können. Fürs Erste flicken wir es so, wie es jedes Truckerforum empfiehlt, nämlich genau wie unser Schlauchboot: Anschleifen, entfetten und mit einem Flicken und reichlich Sikaflex abdichten. Eine richtige, geschweißte Reparatur würde mehrere Wochen Arbeit, eine komplett in alle Einzelteile zerlegte Achterkabine und ein wahrscheinlich kaum bewohnbares Boot bedeuten. Diesen Spaß heben wir uns für etwas später auf.

Im Nachhinein ist klar: Das Problem muss schon länger bestanden haben und das Loch bislang nur durch das am Tank anliegende Bodenbrett abgedichtet worden sein. Irgendwann jedoch war das komplette Bodenbrett mit Diesel vollgesogen und gesättigt, erst daraufhin hat es begonnen zu tropfen. Mann muss es positiv sehen: Diesel konserviert Holz. Jetzt wird es nur ein paar Wochen oder länger dauern, bis die Bodenbretter wieder ausgelüftet sind. Der Dieselduft ist glücklicherweise schon nach ein paar Tagen verflogen.

Kaputte Starterbatterie

Der Tank ist wieder dicht und sitzt wieder an Ort und Stelle, aber wieder springt der Motor nicht an. Diesmal ist es wirklich die Starterbatteriebank. Für den Moment starten wir den Motor mit den Verbraucherbatterien, irgendwann demnächst werden wir uns eine neue Starterbatterie zulegen müssen.

Abgesehen von der Batterie läuft alles wieder einwandfrei. Jetzt ist aber auch Schluss mit dem technischen Gequatsche. Im Nachhinein war es auch alles nicht so schlimm und auch nicht sonderlich teuer, da wir sämtliche Probleme selbst lösen konnten. Der nächste Blogeintrag wird sich aber wieder ums Segeln drehen, versprochen.

Viele Grüße,

MaRiKiNa

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–> u n s e r e K a f f e e k a s s e <–

Ein Kommentar

  1. Ihr Armen, hört sich aber bekannt an. Unser MD-22 ist auf dem Atlantik abgeraucht. Mussten ihn in Martinique durch einen generalüberholten D2-55 ersetzen, bei welchem wir in Santa Marta bereits die alle Ventile und die Zylinderkopfdichtung austauschen mussten. Wir hatten in Griechenland auch ein tropfendes Leck im Tank. Direkt an der Schweissnaht zum Boden. Wir haben es mit einem zwei Komponenten Schweißkleber Belzona 1111 geschweßklebt. Hält jetzt seit drei Jahren super dicht. Haben es vor zwei Monaten noch von innen bei leerem Tank überprüft. Ist super für so was das Zeug.

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